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| 16:04 Uhr

Engagement als ein Ansatz gegen fehlenden Fahrernachwuchs
IHK-Auszeichnung für Ausbildungsbetrieb

 Die TSS-Mitarbeiter von Schwarze Pumpe nehmen den Preis auch stellvertretend für die insgesamt 280 Kollegen entgegen.
Die TSS-Mitarbeiter von Schwarze Pumpe nehmen den Preis auch stellvertretend für die insgesamt 280 Kollegen entgegen. FOTO: LR / Marcel Laggai
Fachkräftemangel ist in aller Munde. Ein Unternehmen aus Schwarze Pumpe setzt auf seine exzellente Ausbildung. Von Marcel Laggai

Die duale Berufsausbildung gilt als deutscher Exportschlager und wird von immer mehr Ländern praktiziert. Der Mix aus theoretischer und praktischer Wissensvermittlung soll idealerweise Fachkräfte hervorbringen und sie fit für den vielseitigen Arbeitsmarkt machen. Es gibt allerdings immer wieder auch Unternehmen, denen der vorgegebene Ausbildungsrahmenplan nicht genügt. Die weder Kosten noch Mühen scheuen, um ihre Lehrlinge möglichst breit für die berufliche Zukunft aufzustellen.

Zu diesen Firmen zählt auch die Transport- und Speditionsgesellschaft Schwarze Pumpe – kurz TSS. Für die Ausbildungsleistungen über die Maße hinaus wurde die Gesellschaft nun von der Industrie- und Handelskammer Cottbus ausgezeichnet. Die Urkunde mit dem Prädikat „Exzellente Ausbildung“ wurde von vom Cottbuser IHK-Präsidenten Peter Kopf selbst überreicht. „Seit 2016 verleihen wir diesen Preis und TSS ist erst das 22. Unternehmen, das in die Ehre dieser Verleihung kommt“, so Kopf, der für diesen Preis nicht nur die reine Ausbildung, sondern auch die Rahmenbedingungen betrachtet. Offensichtlich stimmen Ausstattung und Betreuung, sodass das im Industriepark ansässige Unternehmen diese besondere Ehrung zuteil wird.

Mit diesem Aushängeschild könne man sich gern schmücken, so Kopf, während er die Urkunde an den verantwortlichen Ausbildungsleiter, Heiko Meyer, aushändigt. Seit elf Jahren leitet der 43-Jährige die Geschicke der Ausbildung und investiert dafür mitunter  viel Mühe.

„Auch wenn mich die Ausbildung der jungen Leute gelegentlich schon ordentlich fordert, ‚entschädigen’ mich doch stets die Resultate“, offenbart Meyer. Ob regulär abgeschlossene Lehre oder vorzeitig beendete Ausbildung – aus dem Stolz auf seine „Zöglinge“ macht der Ausbildungsleiter keinen Hehl. Dabei ist der Spagat zwischen Kumpel-Typ und Ausbilder nicht immer ganz leicht. „Natürlich begegnen wir uns auf Augenhöhe, aber wenn eine klare Ansage gefordert ist, dann kommt sie auch“, so der Leiter der Ausbildung.

Aktuell betreut Meyer 16 junge Leute. Manche von ihnen stehen kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung, andere wiederum noch am Anfang. Trotzdem werde jeder einzelne „als volle Arbeitskraft“ anerkannt, beteuert der Ausbilder. „Natürlich passieren den Azubis dabei auch Fehler, aber dafür ist eine Ausbildung auch da.“ Und im besten Falle lerne der Lehrling aus dem gemachten Fehler, weiß der Mann von der Spedition aus Erfahrung. Die Erfahrung hat ihn aber auch gelert, dass die jungen Leute bei TSS vom „Rohdiamanten zu Goldstaub verarbeitet werden“. Speziell die Berufskraftfahrer durchlaufen bei dem Unternehmen eine enorm  vielseitige Ausbildung. „Ob Planfahrzeuge, Silofahrzeuge oder Schwerlastfahrzeuge, nach den drei Lehrjahren können sie nahezu ‚alles’ fahren.“

Dass es nicht nur um das Fahren der Schwergewichte geht, lernen die Azubis bei TSS auf einem ganz besonderen Weg. „Wir haben für sie ein eigenes Gefährt, also Zugmaschine und Anhänger, um das sie sich nahezu ganz allein kümmern müssen“, so Meyer. Also nicht nur reinsetzen und abfahren, sondern auch Wartung, Reparatur, Reinigung und das Erledigen der Fahraufträge – alles in der Hand der Azubis. „Mit dieser Verantwortung bringen wir unseren Lehrlingen frühzeitig eigenständiges Arbeiten bei“, erklärt der 43-Jährige, der weiß, dass ohne die Rücken­deckung der Chefetage dieses Projekt überhaupt nicht möglich wäre.

Konkret meint er damit Alexander Lengstorff Wendelken, der die Auszeichnung der IHK als wichtiges Zeichen für die Wertschätzung der Ausbildung und Arbeit des Unternehmens sieht. Gleichwohl er den „Staffelstab“ der Geschäftsführung am Tag der Preisverleihung an den neuen Geschäftsführer Charles-Andre Uhlig weiterreicht, hat  Lengstorff Wendelken dem Ausbildungsleiter relativ freie Hand bei seiner Arbeit gelassen. „So konnte ich unserer Ausbildung meinen eigenen Stempel aufdrücken“, sagt Heiko Meyer mit einem stolzen Lächeln. Mangel an Nachwuchs scheint das Unternehmen mit insgesamt 280 Mitarbeitern zumindest nicht zu haben, wie Meyer bestätigt.

Der gute Ruf der Ausbildung und des Arbeitsklimas eilt der Spedition allerdings auch schon vor der Preisverleihung voraus, was Meyer weiß und Lionel Schulze bestätigt. Der 19-Jährige ist selbst erst durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf das Unternehmen aufmerksam geworden. „Der Freund meiner Mutter ist hier selber Berufskraftfahrer und er hat mir von den tollen Bedingungen hier erzählt“, berichtet der 19-Jährige, dessen Abschlussprüfung im Juni ansteht und der sich auch danach eine Zukunft bei TSS vorstellen kann. Die Verantwortung, die man bereits den Azubis überlasse, sei wirklich toll, fügt Schulze hinzu. „Schließlich sind wir auch mit Gefahrgut unterwegs und ich glaube, dass nicht jede Firma dazu bereit ist“, so der junge Mann, der sich damit auf den hochentzündlichen Kohlestaub bezieht.