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Ideen für Bahnhof liegen bereits vor

Mehrmals haben die Spremberger Kommunalpolitiker über die Zukunft des Bahnhofsgebäudes diskutiert. Nun erwarten sie eine Antwort der Deutschen Bahn.
Mehrmals haben die Spremberger Kommunalpolitiker über die Zukunft des Bahnhofsgebäudes diskutiert. Nun erwarten sie eine Antwort der Deutschen Bahn. FOTO: René Wappler
Spremberg. In einem weit besseren Zustand als zunächst vermutet befindet sich das Spremberger Bahnhofsgebäude: Diese Diagnose stellt CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel. Deshalb hofft er, dass sobald wie möglich die Bedingungen für einen Kauf der Immobilie geklärt werden. René Wappler

Im oberen Bereich des leer stehenden Bahnhofsgebäudes könnten Fachleute Wohnungen einrichten, während das Erdgeschoss für ein kulturelles Projekt dient: Das ist eine der Ideen, die der Spremberger CDU-Fraktionschef für realistisch hält. Deshalb bat er die Mitarbeiter des Rathauses während der jüngsten Konferenz des Hauptausschusses erneut, die Kriterien für einen möglichen Erwerb des Hauses zu prüfen.

Denn nach seinen Worten gibt es mehrere Interessenten, die es gern nutzen würden. Der CDU-Stadtverordnete Egon Wochatz hat bereits angeregt, eine Station der Märkischen Dichterstraße im Gebäude einzurichten. Auch eine Pension oder ein Filmarchiv waren schon als Varianten im Gespräch.

Dabei dürfte der Kaufpreis keine unüberwindbare Hürde darstellen. 11 000 Euro bezahlte eine Interessengemeinschaft von Bürgern aus Hoyerswerda und dem Umland im Jahr 2014 für den Erwerb des Bahnhofes in ihrer Heimatstadt. Vier Interessenten aus der Gesundheitsbranche denken derzeit darüber nach, in das Gebäude einzuziehen. Außerdem soll auf dem Dachboden ein Museum entstehen.

Weitere Beispiele nannte der Architekt Werner Hillmann vom Planungsbüro MKS bei einer Präsentation vor den Spremberger Hauptausschuss-Mitgliedern: Den Bahnhof in Finsterwalde hat ein privater Investor gekauft. Eine Radtouristen-Pension sieht der Plan für die Immobilie in Bad Liebenwerda vor, derzeit in der Obhut der Kommune. In Bad Belzig haben die Stadtwerke den Bahnhof gekauft, der nun Büros und ein Servicezentrum beherbergt.

Für Spremberg gilt laut CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel: "Wir können nur konkret weiterdenken, wenn wir eine konkrete Information der Deutschen Bahn zur Frage auf dem Tisch haben, unter welchen Umständen ein Verkauf erfolgt." Zwar gelte der Bahnhof nicht als Nabel der Welt, aber er präge nach wie vor das Stadtbild, merkt Andreas Bränzel an. Ähnlich äußerte sich bereits der Spremberger SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch: "Dieses Gebäude vermittelt den Bahnreisenden einen ersten Eindruck von der Stadt."

So wünscht sich Andreas Bränzel "einen gewissen Ehrgeiz" bei möglichen Planspielen für den Bahnhof - auch angesichts "moderater Kaufpreise" bei anderen Gebäuden dieser Art. "Eines können wir mit Gewissheit sagen: Durch weiteren Leerstand wird die Immobilie nichts gewinnen."

Die brachliegenden Empfangsgebäude wirken auch nach einem Verkauf negativ auf das Image der Deutschen Bahn: Das erklärt Gisbert Gahler von der Pressestelle des Unternehmens. Daher verkaufe die DB Station & Service AG die Gebäude nur noch einzeln. "Dabei achtet die Deutsche Bahn verstärkt auf die Nutzungskonzepte von privaten oder kommerziellen Kaufinteressenten und bevorzugt den direkten Verkauf an die Kommunen", erläutert er. "Zahlreiche Beispiele belegen, dass die Gebäude dann oft eine Wiedergeburt als repräsentative Visitenkarte von Eisenbahn und Ort erleben - so wie ihre Bauherren es in der Gründerzeit der Eisenbahn beabsichtigten." Deshalb werde vor jedem Verkauf die entsprechende Kommune auf ihr Kaufinteresse angesprochen.

Den Mitarbeitern des Spremberger Rathauses liegt derweil noch keine Antwort der Deutschen Bahn zu den konkreten Kaufbedingungen vor, wie Ramona Tischer vom Sachgebiet für Liegenschaften mitteilt.

Zum Thema:
Ein Beschluss des Potsdamer Landtages vom März auf Initiative von Bündnis 90 / Die Grünen weist darauf hin, dass die Zeit drängt: "Zahlreiche Bahnhofsgebäude in Brandenburg verfallen zunehmend", heißt es darin. Die Landesregierung solle deshalb bei den Kommunen nachfragen, inwieweit Interesse besteht, die Immobilien wieder zu beleben und zu nutzen - um daraufhin finanzielle Hilfe für solche Projekte in Aussicht zu stellen.