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Idee für Mindestbeitrag ärgert Vereine

Zur Diskussionsrunde trafen sich die Spremberger Vereins-Mitglieder. Rathaus-Mitarbeiter Frank Kuhlee (rechts) sagt: "Ich denke, dass wir in der Vergangenheit viel für den Sport in der Stadt getan haben. Da müssen wir uns nicht verstecken."
Zur Diskussionsrunde trafen sich die Spremberger Vereins-Mitglieder. Rathaus-Mitarbeiter Frank Kuhlee (rechts) sagt: "Ich denke, dass wir in der Vergangenheit viel für den Sport in der Stadt getan haben. Da müssen wir uns nicht verstecken." FOTO: René Wappler
Spremberg. In den Spremberger Sportvereinen regt sich Widerstand gegen die Idee aus der Kommunalpolitik, einen Mindestbeitrag von zehn Euro pro Mitglied zu erheben. So wollen sie sich nicht in ihre Arbeit hineinregieren lassen. René Wappler

Für ausgemachten Blödsinn hält Eberhard Brünsch vom Kreisanglerverband den Vorschlag, einen Mitgliedsbeitrag festzuschreiben. Gemeinsam mit Dutzenden Gästen anderer Vereine will er erfahren, wie es mit der Förderung des Ehrenamtes weitergeht: Sie alle sitzen um einen großen Tisch im Kanu-Bootshaus am Weißen Wehr, eingeladen, um ihre Meinung zu sagen. Was sie dann auch tun.

Eberhard Brünsch sagt: "Das Festlegen eines Beitrags von zehn Euro pro Monat halte ich schlichtweg für Erpressung, für den Versuch, uns die Daumenschrauben anzusetzen."

Als "Sache der Vereine" bezeichnet auch Karsten Jerosch vom Schwimmverein die Höhe der Beiträge. "Wir müssen die Realität betrachten und sehen, was überhaupt geht, auch wenn ich froh bin über jeden Euro, den ich einsammeln kann, damit wir konkurrenzfähig bleiben."

Auch Dirk Meyer vom KSC Asahi plädiert dafür, dass die Beiträge in der Hoheit der Vereine bleiben. Allerdings merkt er an: "Es kann nicht sein, dass Vereine mit Beitragsfreiheit für Kinder werben - denn dass Sport Geld kostet, ist doch logisch." Als Beispiel führt er kommerzielle Fitnessstudios ins Feld: "Die nehmen mitunter 40 bis 50 Euro im Monat von jedem Mitglied ein."

Frank Roick vom SV 1862 gibt zu bedenken: "Wir leben nicht mehr in der DDR, es schenkt einem niemand mehr was in der Vereinsarbeit." Nach seinen Worten kommt in Zukunft kaum jemand an einer Diskussion über höhere Beiträge vorbei.

Peter Reininger von der Wasserwacht vermutet: "Wahrscheinlich nehmen die meisten Vereine ohnehin schon die diskutierte Summe."

Der Fachbereichsleiter für Ordnung und Sicherheit im Spremberger Rathaus, Frank Kulik, hält die genannten zehn Euro zwar "momentan nicht für eine Gesprächsgrundlage". Doch genau diesen Betrag hatte die CDU-Fraktion ins Spiel gebracht. Dabei unterstützte sie der Bildungsausschuss-Vorsitzende Klaus-Dieter Peters von den Vereinten Wählergruppen: "Der finanzielle Spielraum der Kommune wird immer kleiner, und wenn wir nicht handeln, geraten wir in eine Schieflage."

Auch er nimmt am Gespräch mit den Vereinsmitgliedern im Kanu-Bootshaus teil. "Die Olympiateilnehmer zeigen doch, dass hier erfolgreiche Sportarbeit geleistet wird", sagt er. "Da können sich viele andere Städte eine Scheibe abschneiden."

Die Abgeordneten versuchen, den Rahmen für eine vernünftige Vereinsarbeit zu schaffen: Dies erläutert der Moderator des Abends, Benjamin Schorg von der Fraktion der Nächsten Generation. "Aber Sie sind es, die diese Arbeit leisten und Ahnung davon haben", sagt er zu den Besuchern der Runde. Dabei fühlen sich viele Ehrenamtler jedoch genervt von ausufernder Bürokratie, davon, "dass der ganze Papierkram überhand nimmt", wie es Benjamin Schorg formuliert.

Darauf erwidert Daniel Zeidler vom Kreissportbund: "Wer Fragen zu Fördermittelanträgen hat, kann einfach bei uns anrufen, dann kommen wir vorbei und beraten euch."

Deshalb plädiert auch Peter Reininger von der Wasserwacht dafür, eher über die Förderanträge als über den Mindestbeitrag zu reden. Für ein Förderprogramm der Ontras Gastransport GmbH unter dem Titel "Stadtbekannt" haben demnach bislang gerade mal drei Spremberger Vereine einen Antrag eingereicht. In Senftenberg hingegen interessieren sich schon 60 Vereine für die Chance, auf unkompliziertem Wege einen Zuschuss von je 200 Euro zu erhalten.

Ganz grundsätzlich äußert sich schließlich noch einmal Daniel Zeidler vom Kreissportbund. "Wir sollten davon wegkommen, jedes Mal bei einer Herausforderung zu jammern, sondern vielmehr sagen: Auf geht's!"

Zum Thema:
In Spremberg haben die Vereine für das Jahr 2016 knapp 178 500 Euro an Förderung beantragt, wovon sie nur um die 88 000 Euro erhalten werden. Rathaus-Fachbereichsleiter Frank Kulik versichert: "Egal, wie schwierig die Lage ist - wir sind bereit, die Vereinsarbeit zu unterstützen." Dies gelte trotz der Tatsache, "dass sich die Rahmenbedingungen ganz massiv geändert haben".