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| 01:20 Uhr

Ich bin der gute Hirte

Der morgige Sonntag erinnert an die Liebe Gottes zu uns Menschen. Ursprünglich hatte Gott uns zu seinem Ebenbild geschaffen. Wir sollten etwas von seiner Herrlichkeit widerspiegeln. Im Laufe der Menschheitsgeschichte ist ein trauriges Zerrbild daraus geworden.

Dieser Zustand lässt den Vater im Himmel nicht kalt, sondern bewirkt in ihm ein tiefes Mitleid, das er für uns Menschen empfindet.
Wir nun wiederum können meist überhaupt nicht verstehen, warum Gott Mitleid mit uns haben müsste. Wir sind doch gut drauf, leben, was das Zeug hält und gehen gelegentlich oder regelmäßig zur Kirche. Was sollte Gott denn da noch mehr von uns wollen?
Gott ist aber kein Museumswärter, der christliche Traditionen verwaltet und ebenso wenig ist er ein unnahbares Wesen, irgendwo im Universum. Er will unser Vater sein, will eine reale Beziehung zu uns. Sein Interesse an uns Menschen ist echt und aufrichtig. Das hat er durch seinen Sohn Jesus Christus vor aller Welt deutlich gemacht. Er ist kein weltfremder Gott, sondern hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, um seine Liebe zu uns zu demonstrieren. Aber diese Liebe Gottes ist kein süßliches Gesäusel nach der Melodie: Friede, Freude, Eierkuchen! Es kommen alle in den Himmel! Gottes Liebe zu den Menschen äußert sich unerhört konkret in der Bereitschaft, für seine Menschen zu leiden, sogar zu sterben. Das ist der Grund für Karfreitag, an dem Jesus für uns alle am Kreuz stirbt, um uns mit Gott zu versöhnen. Jesus stirbt diesen grausamen Tod, um Ihnen und mir die Chance zu eröffnen, wieder zu seinem Ebenbild Gottes zu werden.
Von daher trifft auf Jesus zu, was in dem Leitvers für die nächste Woche zum Ausdruck kommt. Ich bin der gute Hirte! Dieses Bild hat nichts mit Wald- und Wiesenromantik zu tun, sondern mit dem harten Job eines Mannes, der seine Schafe gegen Raubtiere und Viehdiebe zu verteidigen hatte. Er musste sein Leben für das seiner Tiere einsetzen. Weil wir Menschen Gott aber viel wertvoller sind als Tiere, setzt Jesus sein Leben für uns ein.
Eine Beziehung besteht immer aus wechselseitiger Aktion und Reaktion, darum bemüht Jesus noch einmal das gleiche Bild. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.
Die Schafe erkennen die Autorität ihres Hirten an. Sie tun, was er sagt, weil sie wissen, dass er es gut mit ihnen meint. Zugleich finden sie bei ihm Orientierung, denn er kennt nicht nur das Land und die Herde, sondern jedes Schaf persönlich. So wie der Hirte in Beziehung zu den Schafen steht, so möchte Gott mit uns in einer persönlichen Beziehung stehen.
Jesus, der Sohn Gottes, stellt für uns den heißen Draht zum Vater im Himmel her, damit das Gespräch mit Gott möglich wird. Und das ist gar nicht so schwierig, denn wir können im Gespräch mit Gott ganz natürlich bleiben. Viele fromme Worte nehmen Gott nicht wirklich ernst. Wir dürfen und sollen direkt mit Gott reden, vertrauensvoll wie ein Kind mit seinem Vater. Darum hat Jesus der Christenheit das „Vater unser“ als Beispiel gegeben.
Da wir beim Reden den anderen oft gar nicht zu Wort kommen lassen, sei noch daran erinnert, dass Gott uns auch etwas zu sagen hat. Von jeher redet er zuallererst durch die Bibel, seinem Wort. Gerade im Jahr der Bibel haben wir eine gute Chance, Gott zu Wort kommen zu lassen.
Das aufeinander Hören und miteinander Reden wird uns Gott näher bringen. Wir werden ihn besser kennen lernen und verstehen, und im Gegenzug wird er unser Leben bereichern. Es käme auf einen Versuch an!
Markus Rinke ist Diplomtheologe und Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Spremberg.