| 02:46 Uhr

Hundenase rettet Katzenbabys

Tierheimchefin Annett Stange sagt: "Inzwischen geht es den Katzenkindern Ilias und Imke prächtig."
Tierheimchefin Annett Stange sagt: "Inzwischen geht es den Katzenkindern Ilias und Imke prächtig." FOTO: wr
Spremberg. Ein Netzwerk zur privaten Pflege von neugeborenen Katzen wollen die Mitarbeiter des Tierheims am Schäferberg einrichten. Ihr Interesse daran entspringt einem aktuellen Anlass: In den vergangenen Wochen mussten sie Dutzenden Jungkatzen das Leben retten. René Wappler

Eine Frau ging am frühen Morgen mit ihrem Hund in Spremberg spazieren. An der Straße spürte das Tier eine Kiste auf und ließ nicht mehr davon ab. Als die Frau hineinschaute, entdeckte sie vier Katzenwelpen, außerdem ein paar Flaschen mit spezieller Milch für die Tiere - allerdings fest verschlossen.

Darüber ärgert sich die Chefin des Tierheims noch zwei Wochen danach. "Wäre die Frau nur ein paar Stunden später dort vorbeigekommen, würde mindestens eine der Katzen heute nicht mehr leben", sagt Annett Stange, als sie vom Büro zur Pflegestation hinübergeht, wo die Mitarbeiter die Jungtiere aufpäppeln. Dort dösen zwei der kleinen Katzen aneinander gekuschelt in einem geräumigen Käfig. Das Tierheim-Team hat ihnen die Namen Ilias und Imke gegeben. "Dank einer schnellen Infusion und Wärmeflaschen konnten wir die Neugeborenen retten", erklärt Annett Stange.

Auch die Jungtiere zweier überfahrener Katzen aus Spremberg beherbergt das Tierheim inzwischen. Am vergangenen Wochenende standen außerdem Besucher mit einem Korb vor dem Tor: Acht Katzenkinder lagen darin, im Heu bei einem Verwandten gefunden. Zwar nahmen die Mitarbeiter der Anlage die Tiere bei sich auf. Doch das grundsätzliche Problem lässt sich damit nicht aus der Welt schaffen, wie die Chefin zu bedenken gibt: "Im nächsten Jahr werden die Leute wieder mit einem Korb voller Katzen bei uns aufkreuzen, solange die verwilderten Hauskatzen in ihrer Umgebung nicht kastriert werden."

Dabei bieten die Tierheim-Mitarbeiter in solchen Fällen ihre Hilfe an: Mit eigenen Fallen besuchen sie Menschen, die sich bei ihnen melden, um dann die wilden Katzen aus ihrer Umgebung einzufangen und zu kastrieren. Diesen Schritt unternehmen sie auch aus eigenem Interesse. Denn unter den 230 Katzen in den Unterkünften am Schäferberg sind bereits 40 Jungtiere, die noch nicht selbstständig überleben können, und ihre Zahl wächst von Woche zu Woche. Erst am Freitag trafen wieder fünf Katzenkinder im Tierheim ein. Zwölf Jungkatzen befinden sich derweil in privater Pflege, bei Tierfreunden aus Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis, die kleinen Stubentiger daheim aufziehen und die Fachleute auf diese Weise ein wenig entlasten. Die Tierheim-Mitarbeiter hatten einen Aufruf über das Internet gestartet, in dem sie um diese Art der Hilfe baten. Kurz darauf erhielten sie mehrere Angebote für private Pflegestellen, die sie dankbar annahmen.

"Dieses Prinzip würden wir gern ausbauen", sagt Annett Stange. "Denn nur so bewältigen wir die dramatische Situation noch halbwegs." Jedes Jahr zur gleichen Zeit häufen sich nach ihren Worten die Anrufe von Menschen, die beklagen, dass sich zu viele Katzen auf ihren Grundstücken tummeln. So kann das Tierheim inzwischen schon keine Muttertiere mehr mit ihren Jungen aufnehmen: Die Kapazität ist schlichtweg erschöpft.