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Spremberg
Da wollen Sterbende noch zum Konzert

Spremberg. Hospitzbegleiter der Malteser werden in der Spremberger Kirche St. Benno gesegnet. Annett Igel-Allzeit

Zu einer Gedenkandacht für verstorbene Menschen hat der Malteser-Hilfsdienst für Donnerstag in Spremberg eingeladen. Dort sollen auch 15 ehrenamtliche Hospizbegleiter gesegnet werde. Michael Doll, der Koordinator des Hospizdienstes der Malteser in Cottbus, ist froh über den Zuwachs für Spremberg.

Michael Doll, 15 Hospizbegleiter für die Spremberger – das sind überraschend  viele. Wie kam das?

Michael Doll Wir Malteser haben vor etwa zehn Jahren Hospizbegleiter für die Volkssolidarität in Spremberg ausgebildet. Daraus hat sich 2008 der Hospizverein Spremberg gegründet. Dieser Verein hatte ehrenamtlich gewirkt und doch mit vielen Problemen gekämpft. Wir sind öfter mit dem Vorstand zusammen gekommen und haben beraten, wie der Verein besser aufgestellt werden könnte und auch das Angebot unterbreitet, sich unter das Dach der Malteser zu stellen. Im vergangenen Jahr hat der Verein beschlossen, sich aufzulösen und unter das Dach der Malteser zu gehen. Alle ehrenamtlichen Hospizbegleiter sind zu uns Maltesern gewechselt und werden nun von der stellvertretenden Koordinatorin Nicole Benics geführt.

Sterbebegleitung ist schwere Aufgabe. Ohne Schulungen geht das sicher nicht. Welche Eigenschaften müssen Ehrenamtlichen mitbringen?

Michael Doll Sie habe alle eine Hospizausbildung abgeschlossen. Zudem kommen viele Helferinnen ohnehin aus pflegerischen Berufen. Und dann bringen alle auch das Herz für die Hospizarbeit mit.

Was genau sind ihre Aufgaben in diesem Ehrenamt?

Michael Doll Das Sterben umfasst die letzte Lebensphase des Menschen. Viele denken, da kann man nicht mehr viel tun. Das Gegenteil ist der Fall. Hospizbegleiter sind da für Gespräche – nicht nur über das Sterben. Sie gehen auf die Wünsche der Sterbenden ein. Sie besuchen vielleicht noch einmal mit ihnen ein Konzert oder einen Ort der Erinnerung. Oft ist es auch „nur“ das Dasein und das Dableiben.

Wächst die Nachfrage nach Hospizbegleitern?

Michael Doll Es gibt immer mehr Menschen, die sich eine Sterbebegleitung wünschen. Wir Malteser sind mit etwa 120 ehrenamtlichen Begleitern und Begleiterinnen in einem Umkreis von rund 80 Kilometern unterwegs. Im vergangenen Jahr haben wir 150 Menschen begleitet.

Könnten Gedenkandachten, wie sie bei Ihnen in Cottbus Tradition sind, auch in Spremberg regelmäßig stattfinden?

Michael Doll Ja, sehr gern. Wir haben bereits eine gute Verbindung zur katholischen Kirche in der Spremberger Bergstraße. Und die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche suchen wir.

Ihre Anlaufstelle für den Hospizdienst finden die Spremberger im Krankenhaus – ist das ein guter Ort dafür?

Michael Doll Der Hospizverein Spremberg hat hier eine sehr gute Basis gelegt, und das Krankenhaus Spremberg ist ein wunderbarer Partner. Wir erleben hier eine gute Vernetzung mit den Stationen. Und ist es gewünscht und auch möglich, dass schwerkranken Menschen nach Hause möchten, so können wir das heir mit dem Krankenhaus gut vorbereiten.

Dürfen es noch mehr Hospizbegleiter sein?

Michael Doll Oh ja, wir brauchen immer Hospizbegleiter, die sich auf dieses Ehrenamt einlassen. Darüber hinaus suchen wir für die Standorte Cottbus und den Spreewald stellvertretenden Koordinatoren.

Mit Michael Doll
Sprach ANNETT IGEL-ALLZEIT