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Spremberg
Hornow will auf Natur setzen

Hornow ist der Natur schon verdammt nahe. Nicht alle Bäume sind 800 Jahre alt wie diese Eiche. Aber der Bestand an ehrwürdigen Bäumen ist hoch in diesem Spremberger Ortsteil.
Hornow ist der Natur schon verdammt nahe. Nicht alle Bäume sind 800 Jahre alt wie diese Eiche. Aber der Bestand an ehrwürdigen Bäumen ist hoch in diesem Spremberger Ortsteil. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Hornow. Nabu spricht mit Ortsbeirat über Schwalbenbretter, Storchenhorst und Streuobstwiese.

Die 800 Jahre alte Stiel­eiche an der Kirche St. Martin gehört zu den ältesten Eichen der Region. Weitere ehrwürdige Bäume sind in Dorf und Park zu finden. Auf vielen Höfen gibt es Schwalbennester. Fledermäuse wurden auf dem Dachboden des Schlosses gesichtet. Am Teich am Landratsweg, den Einheimische „Luschk“ nennen,  drehen im Frühjahr dicke Kaulquappen ihre Runden. Die Natur versuchen die Hornower zu bewahren. Der Spremberger Regionalverband des Naturschutzbundes (Nabu) hat ihnen in der jüngsten Ortsbeiratssitzung vorgeschlagen, naturnahes Dorf zu werden.

Im Vorjahr hat der Nabu-Regionalverband mit der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom (Mitnetz)  verhandelt, nachdem Rüdiger Budek, der berühmteste Bauer des Dorfes,  den Abriss des alten Trafo-Turms verhindert hatte. Für etwas mehr als einen Euro – 1,26 Euro – ging der Turm an die Naturschützer, so Wieland Böttger, Verbandsvorsitzender. Nun kann der Turm für die Fledermäuse  möbliert werden und soll auch Vögeln Nistmöglichkeiten bieten.

Das mit dem Trafo-Turm laufe, so Böttger, aber es könnte noch mehr laufen. Ein Storchenpaar hätte in Hornow mit den Teichen und Gräben eine gute Nahrungsgrundlage. „Was in Bloischdorf gelungen ist, die Störche am alten Gutshaus haben im Vorjahr erfolgreich gebrütet, kann auch in Hornow gelingen“, sagt Böttger. Die Schwalben brauchen kleine Lehmpfützen, aus denen sie sich ihr Baumaterial holen, und Schwalbenbretter. Im Kirchturm sollen fünf Turmfalken nachgezogen worden sein. Aber wer brütet im Feuerwehrturm, wer auf den Höfen der Landwirte und auf den Wohngrundstücken? „Im Fall des Schloss-Dachbodens müssten Sie gestatten, dass zweimal im Jahr der Fledermaus-Experte dort herumkriecht“, sagt Wieland Böttger.  An den Teichen und im Park könnten Fledermauskästen aufgehängt werden.  

Doch beim Ortsbeiratsvorsitzenden Thomas Krautz und seinem Stellvertreter Peter Brinck rennt Böttger da offene Türen ein. Auch für blühende Wiesen, die nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden dürfen, so Krautz, ließen sich in Hornow Flächen finden. „Sie könen einen weiteren Schritt wagen“, so Böttger, „und Platz für eine Streuobstwiese finden“.

Böttger hofft, dass sich Einwohner engagieren möchten, den kurzen Rasen überdenken, sich statt für Koniferen für Obstbäume oder Beerensträucher, die blühen und Früchte tragen, entscheiden. „Aber wir beraten auch, beschaffen die Fördermittel, helfen bei der Kartierung, gestalten Tafeln, für die wir nur einen Platz brauchen“, so Wieland Böttger. Tatsächlich würden sich Tafeln zur Natur in Hornow lohnen: „Die Confiserie Felicitas zieht viele Gäste an“, sagt Krautz.

Irene Nitschke, Inhaberin der Mühle, freut sich über die Idee. Sie selbst habe im Sommer elf Schwalbennester auf ihrem Grundstück gezählt, denn „2017 war ein gutes Schwalbenjahr“. Dass seit der Eingemeindung nach Spremberg in Hornow aber doch mehrere  Bäume auf dem Friedhof und auch im Ort fallen mussten, beunruhigt sie. „Auch die alte Stieleiche muss nicht so stark ausgeästet werden“, gibt sie zu bedenken und diskutiert mit Doritha Drews, Sachgebietsleiterin für Tiefbau, Grünwesen und Friedhöfe in der Stadtverwaltung, über Baumkrankheiten und die Verkehrssicherungspflicht. Rüdiger Budek kennt die Diskussion dazu im Ort. „Wenn ein großer Baum fällt, fällt das mehr auf, als wenn ein kleiner Baum gepflanzt wird.“ Budek, der die Ortsbeiratssitzung verschwitzt hat, signalisiert Interesse am naturnahen Dorf: „Mehrere Landwirte machen da bestimmt mit, wir versuchen das mit der Naturnähe ja schon eine Weile.“