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Holperpiste raubt ihnen Schlaf

Mit einem Banner wollen die Bagenzer die Autofahrer ein bisschen bremsen. Das tut auf ihrer Holperpiste auch den Fahrzeugen gut.
Mit einem Banner wollen die Bagenzer die Autofahrer ein bisschen bremsen. Das tut auf ihrer Holperpiste auch den Fahrzeugen gut. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Bagenz. Seit Jahrzehnten leiden viele Bagenzer unter ihrer Ortsdurchfahrt. Mitte der 50er Jahre hatten Dorfbewohner das Kopfsteinpflaster mit bloßen Händen verlegt – ein Fortschritt zum einstigen Feldweg. Annett Igel-Allzeit

Doch inzwischen sind die Steine an mehreren Stellen ausgespült, Dellen haben sich gebildet, kleine Reparaturen nützen kaum. Es holpert nicht nur im Auto, sondern lässt das Bett im Schlafzimmer, die Tassen im Schrank wackeln. Zu laut ist der Verkehr für die Anwohner der Spremberger Straße, die auch Landesstraße ist. "Bin ich in Bagenz in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht", hat die Bagenzerin Petra Engelmann die Zeilen des großen Dichters Heinrich Heine ein bisschen umgedichtet.

Seit 2014 gibt die "Bürgerinitiative L 47" in Bagenz. 2014 schilderten sie ihr Problem dem damaligen Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) und befürchteten Schäden an Häusern. Aber ein schwingungstechnisches Gutachten auf Kosten des Landkreises bestätigte das nicht. Nur vor einem Gebäude soll es bei "drei von 60 Messungen geringe Überschreitungen" gegeben haben. Damit waren Schäden an Gebäuden aus verkehrlich bedingten Erschütterungen nicht zwingend abzuleiten", so der Landkreis Spree-Neiße.

Mit der Gemeindeverwaltung Neuhausen/Spree und der Kreisverwaltung Spree-Neiße kommen die Initiative und der Ortsbeirat um Ortsvorsteher Ronny Schiele nicht mehr weiter. Deshalb haben sie sich den Bundestagsabgeordneten Ulrich Freese, den Kreistagsabgeordneten Klaus Grüneberg und den Spremberger Fraktionsvorsitzenden Dirk Süßmilch (alle SPD) in den "Dorfkrug" eingeladen. Ein Kilometer lang ist die Kopfsteinpflasterpiste. Seit dem 18. Oktober 2016 gilt Tempo 30 ganztägig für Lkw und Busse. Pkw dürfen 50 fahren. Die ersten Lkw kommen früh. Halb vier müssten sie die Fenster schließen, erzählen Anwohner.

Freese will helfen. "Der Zustand ist außerhalb des Erträglichen", sagt er. Es ärgere ihn, dass die Bagenzer ihn nicht schon vor drei Jahren angerufen haben. Die beste Lösung wäre der Ausbau der L 47 im Ort. "Da Brandenburg derzeit einen Haushaltsüberschuss hat, sollte Geld dafür da sein. Das müssen wir herausfinden", so Freese. Bis dahin aber müsse der Landkreis versuchen, den Verkehr mit Lärm und Schwingungen über eine Tonnagebegrenzung und Tempolimits zu regulieren und das auch zu kontrollieren. Was im vier Kilometer entfernten Muckrow mit generell Tempo 30 geht, müsse auch für Bagenz machbar sein, so die Bürger.

Marlies Kulka, Fachbereichsleiterin für Ordnung, Sicherheit und Verkehr in der Kreisverwaltung, sieht die Situation in Muckrow etwas anders: "Unübersichtliche Kurvenlage, fehlende Gehwege, die Schulbushaltestelle und eine gewerbliche Lkw-Ausfahrt begründen die 30 in Muckrow", sagt sie. In Bagenz ist die Kurvenlage übersichtlich und einen Gehweg gibt es. "Zum Glück haben wir diesen Weg", sagt Silke Neumann, die den "Dorfkrug" führt. Aber sie weiß, dass ihre Gäste, die im Sommer gern draußen sitzen, bei dem Verkehrslärm kaum Gespräche führen können. "Reisen bildet", so Ulrich Freese. Er will Kathrin Schneider, die jetzige Infrastrukturministerin, nach Bagenz holen. "Wir laden sie zum Kaffeetrinken in den Dorfkrug ein", einigen sich die Bagenzer.