Seit sieben Jahren ist die Gemeinde Neuhausen/Spree zu 100 Prozent Gesellschafter der Flugplatzgesellschaft Cottbus/Neuhausen. Torsten Schwieg, stellvertretender Bürgermeister, arbeitet als Geschäftsführer der GmbH. Immer wieder habe er Anfragen zur Flugplatznutzung und von Firmen, die sich am Verkehrslandplatz ansiedeln möchten. Drei Unternehmen haben sich an der 100 Hektar großen Fläche bereits niedergelassen. Darunter die europaweit agierende Aeroheli International GmbH, die Hubschrauber wartet, repariert, fliegt, verkauft, und das Flug-Center Milan aus Kamenz, was in Neuhausen eine Zweigstelle betreibt. Beide bilden aus. Mit rund 16 000 bis 20 000 Flugbewegungen im Jahr hat sich das Verkehrsaufkommen stabilisiert. Ein Drittel der Fläche ist nach der Kampfmittelbeseitigung mit Solaranlagen belegt worden. Die Tankstelle der Flugplatzgesellschaft hilft Piloten des ADAC, der Bundes- und Landespolizei. Und Vereine betreiben hier Luftsport.

Der Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) hatte den Flugplatz schon als Kind kennengelernt: "Mein Vater schleppte mich mit her. Erwin Bläske, den ersten Kunstflug-Weltmeister der DDR, habe ich hier erlebt", erinnert er sich.

Wirtschaftlichkeit entscheidet

Doch es ist nicht Nostalgie, sondern die Wirtschaftlichkeit, die Altekrüger jetzt auf Neuhausen blicken lässt. Der Verkehrslandeplatz Cottbus-Drewitz sei zwar erfolgreich verkauft worden, aber der Eigentümer hat im Sommer Insolvenz angemeldet. Auch die wirtschaftliche Entwicklung des Verkehrslandeplatzes in Welzow sei mittelfristig ungewiss. Und der ehemalige Flugplatz Cottbus, heute Technologie- und Industriepark (TIP), ist längst umgewidmet. Deshalb stellen sich der Landkreis und die Stadt Cottbus nun gemeinsam hinter den Verkehrslandeplatz in Neuhausen - und die Industrie- und Handelskammer macht mit. Am Dienstag haben Altekrüger, der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, eine gemeinsame Interessenerklärung unterschrieben. Und am gestrigen Freitag wurde sie Dieter Perko (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree, überreicht.

Torsten Schwieg: "Dieses gemeinsame Interesse ist ein erster Schritt, weiter auf dem Verkehrslandeplatz voranzukommen", sagt er. So sei es zum Beispiel wichtig, die Gras-Start- und Landebahn endlich zu befestigen. 1080 Meter lang ist sie. Der Zustand des Rasens sei sehr witterungsabhängig, und die hochmoderne Technik neuester Flugzeuge habe mit Gras oft ihre Pro bleme. "Wir wollen aber einen Flugbetrieb über alle 365 Tage im Jahr sichern. Die Befestigung der Bahn ist genehmigt, aber um die Finanzierung stemmen zu können, müssen wir auf Mittel vom Land hoffen. Dabei hilft uns vielleicht nun der gemeinsame politische Wille aus der Region ", sagt Schwieg.

Termin im Ministerium

Laut Interessenerklärung wird auf weiteres luftfahrtaffines Gewerbe in Neuhausen gesetzt. Zudem könnten sich Zuliefererstrukturen entwickeln. "An der BTU Cottbus-Senftenberg wird ja auch in diesen Bereichen geforscht", weiß Schwieg. Zudem sollen junge Leute hier weitere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Luft- und Raumfahrt finden und natürlich für den Luftsport begeistert werden können. Über Geld unter anderem für die Start- und Landebahn wird bereits Ende Februar noch einmal gesprochen werden können. Denn da gibt es einen Termin im Wirtschaftsministerium.

Zum Thema:
Die Flugplatzgesellschaft Cottbus/Neuhausen ist 1991 gegründet worden. Von 1996 bis 1999 liefen Modernisierungen und Instandhaltungsarbeiten: Sämtliche Abstellhallen wurden saniert, die alte Tankstelle abgerissen und durch eine neue Tankstelle mit Tankplatte ersetzt. Die Flugschule wurde nach einer Renovierung 2007 in Betrieb genommen, zwei Flugschüler begannen damals gleich mit der Ausbildung.