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| 15:44 Uhr

Spremberg
Kunststoff unter 300 Megapascal

Spremberg. Spremberger Hippe KG dankt zum 25-jährige Bestehen Mitarbeitern und ihren Familien.

Ein winziges Stück Kunststoff beginnt zu vibrieren. Es ist fest eingespannt. Die Sommerfest-Besucher des physikalischen Labors der Spremberg Erhard Hippe KG schauen gespannt durch die Schutzscheibe, während die Druckanzeige über 200 und 300 Megapascal klettert. Ein Knacken, viele zucken zusammen. Doch diese Kunststoffprobe hat viel Druck ausgehalten.

Die Eberhard Hippe KG produziert Schichtpressstoffe und Faserverbundstoffe. Hartpapier, Baumwoll- und Glasgewebe werden dafür mit Harzen verbunden – zu Platten, Vollstäben, Rohren und seit 1995 auch in Spremberg. Der 72-jährige Geschäftsführer Michael Hippe fühlt sich inzwischen als Spremberger. Zum 25-jährigen Bestehen im Industriegebiet Ost hat er seine Mitarbeiter mit ihren Familien zu einem Sommerfest auf das Werksgelände eingeladen. Riesig sind die Glaskübel mit der Schlagsahne, lecker die Torten. Michael Hippe schüttelt viele Hände, auch die von Alt-Bürgermeister Egon Wochatz. „Wenn Sie nicht gewesen wären, Herr Wochatz, dann wären wir gar nicht hier“, sagt Michael Hippe.

Erhard Hippe hatte 1935 in Dresden das Unternehmen gegründet und 1946 die Übersiedlung der Firma nach Hannover begleitet. 1985 wurde schließlich im niedersächsischen Hildesheim, rund 40 Kilometer entfernt von Hannover, ein ganz neues Werk auf 9500 Quadratmeter Produktionsfläche gebaut. Nach der politischen Wende blickte Michael Hippe in den Osten. Am 1. August 1993 übernahm er in Spremberg den Betrieb, der in der Gartenstraße duroplastische Schichtpressstoffe herstellte. 24 Mitarbeiter hatte das Unternehmen noch. Die Gebäude waren nicht mehr zu halten. Pressen aber konnten gerettet werden.

Im Frühjahr 1995 wurde im Industriegebiet Spremberg Ost der Grundstein für die neue Produktionsstätte gelegt . Auf einer Fläche von rund 20 000 Quadratmetern entstanden zunächst 8400 Quadratmeter Produktions- und Büroflächen.

„Von 2011 bis 2013 entstand unser neues Forschungs- und Entwicklungszentrum  auf 5000 Quadratmetern. Damit schafften wir den Schritt in die Fertigung von Schichtpressstoffen, die mit Glas- und Kohlestofffasern gefüllt werden. In Erdtankanlagen können wir größere Mengen an Lösungsmitteln gefahrlos lagern. In Reaktoren und Mischgeräten mit modernen Dosiereinrichtungen können wir Epoxidharz nun flexibel selbst produzieren“, erklärt Michael Hippe. Die Imprägniermaschine, wo die Harzsysteme weiterverarbeitet werden, laufe mit neuester thermischer Verfahrenstechnik.

Für den Geschäftsführer war der Neubau in Spremberg eine entscheidende Weichenstellung. „Unser Know-how ist gewachsen, und zusammen mit der hochmodernen Produktionstechnik schaffen wir es, hohe Qualität in großen und kleinen Serien kurzfristig in dem jeweils gewünschten Materialtyp zu schaffen“, sagt Michael Hippe.

Eine erneute Erweiterung würde sich lohnen. Doch dafür braucht das Unternehmen nicht nur mehr Fläche, sondern vor allem auch mehr Fachkräfte. Etwas mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt die Hippe KG am Standort Spremberg derzeit. Junge Leute, die sich zu Zerspanungsmechanikern und Industriekaufleuten ausbilden lassen, werden gesucht. „Und wir bilden aus, um zu übernehmen“, sagt Michael Hippe. Es seien echte Spezialisten, die hier arbeiten, bestätigt der Technische Leiter Frank Sewarte. Sattelfest in den Grundtechniken müsse sein, wer im Kunststoffwerk arbeiten möchte, „die Spezialisierungen lernt er.“

Gemeinsam mit den Kunden – ob sie aus dem Anlagenbau, der Schienenfahrzeugtechnik, dem Maschinenbau oder der Elektrotechnik kommen –  werde ständig weiter geforscht, erklärt die Laborantin Ina Jainz. Soll der Werkstoff sehr druckfest und gut zerspanbar sein, möglichst wenig Wärme ableiten, den elektronischen Stromfluss verhindern? „Wir probieren im Labor aus, ob und wie die Sonderwünsche unserer Kunden funktionieren. Und die Theorie“, weiß sie, „hat nicht immer Recht.“

Frank Sewarte klettert mit den Besuchern die Treppe zur über 19 Meter hohe Imprägniermaschine hinauf. Eine gelbe Rundumleuchte erschreckt jeden, der die Treppe ohne Helm auf dem Kopf betritt. Sicherheit wird groß geschrieben in der Hippe KG: „Mit der Feuerwehr Spremberg arbeiten wir gut zusammen“, sagt Frank Sewarte, „sie wird einbezogen, wenn eine neue Anlage im Werk startet.“