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Hessisches Bad inspiriert Spremberg

Der Spremberger CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel plädiert für einen Neubau der Schwimmhalle am Erlebnisbad im Kochsagrund, in einer ähnlichen Kombination, wie sie bereits in Heringen existiert.
Der Spremberger CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel plädiert für einen Neubau der Schwimmhalle am Erlebnisbad im Kochsagrund, in einer ähnlichen Kombination, wie sie bereits in Heringen existiert. FOTO: Detlef Bogott/dbo1
Spremberg/Heringen. Nach dem Besuch der Spremberger Stadtverordneten in Heringen stellt der Bürgermeister der hessischen Kleinstadt die Unterschiede zwischen den Schwimmbad-Modellen beider Orte heraus: Ein Vergleich sei nur schwer möglich. René Wappler

Es gibt immer wieder Besucher, die sich das Schwimmbad in Heringen aus Interesse anschauen: Das erklärt der Bürgermeister des Ortes, Daniel Iliev. In dieser Woche fuhren Spremberger Stadtverordnete nach Hessen, auf Initiative des CDU-Fraktionschefs Andreas Bränzel. Er glaubt, die Kombination aus Halle und Naturbad in Heringen könnte als Inspiration für hiesige Pläne dienen - während die Fraktion der Nächsten Generation wegen des hohen Zuschussbedarfs vor "einem Desaster" warnt.

Diesem Einwand entgegnet der Bürgermeister von Heringen: "Ich kenne keinen kommunalen Bäderbetrieb, der nicht defizitär arbeitet." Das Kombibad in seiner Stadt erfülle die Funktion, Heringen als Mittelzentrum zu stärken - was auch gelungen sei. Schließlich befindet sich das nächste Hallenbad von ähnlicher Dimension knapp 20 Kilometer entfernt in der nächsten Kreisstadt. Zugleich räumt Daniel Iliev ein: "Heute, zehn Jahre später, könnten wir uns nicht mehr für den Bau eines solchen Bades entscheiden." Der Fehlbedarf im städtischen Haushalt von Heringen belief sich im Jahr 2016 auf acht Millionen Euro. Allein bei der Gewerbesteuer muss die Kommune einen Einbruch um 5,6 Millionen Euro verkraften. So sagt Bürgermeister Daniel Iliev nach dem Besuch der Spremberger Kommunalpolitiker: "Man muss sehr genau abwägen, ob es sich lohnt, ein neues Hallenbad zu bauen."

Um besser abwägen zu können, unternahmen die Gäste aus Spremberg ihre Reise nach Heringen - die sich lohnte, wie SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch feststellt. "Die Schwimmhalle dort entspricht genau unseren Bedürfnissen", sagt er. "Hingegen bin ich nicht davon überzeugt, dass es sich lohnt, zwei Bäder zusammenzulegen." Einen großen Gastronomiebereich wie in Heringen hält er ebenfalls für zu riskant: In der hessischen Gemeinde lasse sich dieses Angebot inzwischen nicht mehr wirtschaftlich verpachten.

Dirk Süßmilch plädiert dafür, die Spremberger Bürger in den Beschluss einzubeziehen. Dabei beruft er sich auf eine Ausgabe des ARD-Magazins Panorama vom 12. Januar, die einen ähnlichen Konflikt am Beispiel des Ortes Haßloch in Rheinland-Pfalz schildert, in dem ähnlich viele Menschen wie in Spremberg leben: Die Sendung berichtet vom alten, maroden Schwimmbad, dessen Besucherzahlen stetig sinken, und von den jährlichen Gemeinde-Zuschüssen in Höhe von einer Million Euro für die Anlage. Trotzdem bezeichnen Einwohner von Haßloch das Schwimmbad als "Luxus des kleinen Mannes". Die Kommunalpolitiker von Haßloch standen vor der Wahl, es zu verkleinern, womöglich ganz zu schließen - oder zu investieren und es zu vergrößern, in der vagen Hoffnung auf mehr Besucher. Also befragten sie die Einwohner, die trotz der schwierigen Haushaltslage in ihrer Mehrheit für Investitionen plädierten.

Auch der Spremberger SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch sagt: "Wir wollen hören, worauf die Bürger Wert legen, damit ihre Ideen in die Arbeit der Stadtverordneten einfließt." Darüber hinaus drängt er darauf, dass "vom ersten Tag an" das Fachpersonal der Bäder an den Beratungen teilnimmt: Diese Mitarbeiter wüssten schließlich am besten, auf welche technischen und organisatorischen Details es bei den Plänen ankommt.

Schon jetzt steht fest, dass im Juli Kommunalpolitiker aus Heringen die Stadt Spremberg besuchen werden. "Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Orten", sagt Rathaussprecher Alexander Adam. "So liegt auch Heringen in einem Bergbaugebiet."

Zum Thema:
Zu einer öffentlichen Bäder-Diskussion lädt die SPD am Donnerstag 26. Januar, um 19 Uhr in den Schweizergarten ein. Die Stadtverwaltung soll die möglichen Standorte der neuen Schwimmhalle, Alexander-Puschkin-Platz und Kochsagrund, bewerten, um eine Grundlage zur Standortentscheidung zu schaffen. Das fordert CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel. Die Studie soll dem Hauptausschuss am 15. Mai vorgelegt werden.