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| 17:32 Uhr

Spremberg
Neuanfang der Herkuleskeule mit jungen Gesichtern

Alexander Pluquett, Jürgen Stegemann und Katrin Jaehne richten sich auf Stühlen im Programm „Lachkoma“ ein. Der leere Stuhl neben ihnen könnte symbolisch für den erkrankten Kabarettisten Rainer Bursche stehen.
Alexander Pluquett, Jürgen Stegemann und Katrin Jaehne richten sich auf Stühlen im Programm „Lachkoma“ ein. Der leere Stuhl neben ihnen könnte symbolisch für den erkrankten Kabarettisten Rainer Bursche stehen. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Neue Darsteller im Kabarett-Programm „Lachkoma“ sorgen in Spremberg  für zwiespaltige Reaktionen.

Eigentlich sollte Dresdens Lieblingskabarettist Rainer Bursche, der mit dem neuen Herkules-Programm „Lachkoma“ peu à peu seinen Abschied von der Bühne inszenieren wollte, das Publikum am Samstagabend im Spremberger Mehrgenerationszentrum „Bergschlösschen“ begrüßen. Doch nun steht der Schauspieler und Kabarettist Jürgen Stegemann stellvertretend für den erkrankten Rainer Bursche auf der Bühne, um die Rolle von Opa Bursche auszufüllen. Dieser erklärt den beiden Neuen, Katrin Jaehne, bekannt vom Dresdener Boulevardtheater, und Alexander Pluquett, der vom Berliner Kabarett Stachelschweine kommt, wie es lang geht im Kabarett der Dresdner Herkuleskeule. Die Debütanten richten sich mit realen Stühlen auf der Bühne ein, so gut es geht, und geben ein bisschen an mit dem Wissen der schönen neuen Welt, bei aller Ehrfurcht vor einem Kollegen, der, wie sie vermuten, schon Kabarett gespielt hat, „als die Russen das Winterpalais stürmten“. Dabei wirken die Neuen wahrscheinlich mit Absicht etwas unbeleckter, als ihre Vita es erwarten ließe. Beide sind, wie viele gute Kabarettisten, Quereinsteiger und im Schauspielerberuf gewesen.

Das Programm „Lachkoma“, das nicht etwa ausdrücken soll, dass das Publikum vor Lachen ins Koma fällt, sondern eher, dass das Lachen im Koma liegt, ist eine Art Nachlese oder Best-of mit aktuellen Einsprenglern aus Politik, Wirtschaft, der Technikwelt und dem sozialen Gefüge. Die Kabarettisten nehmen Vieles auf die Schippe, überspitzen und regen mit ihren teils widerborstigen, teils herzhaften Worten zum Nachdenken an.

Was den beiden Neuen (zumindest noch) fehlt, ist die Verwurzelung im Milieu der „Keule“. Da wirken die im lockeren oder nachdenklichen Plauderton erzählten Nummernprogramme wie „Roboter an die Macht“ noch ein klein wenig eingeübt. Ingeborg Nothnick meint: „An die Neuen und zudem viel jüngeren Darsteller muss ich mich erst einmal gewöhnen.“. Obwohl sie lobt, dass das Ensemble schon seit so vielen Jahren nach Spremberg kommt. So erinnert sich auch Birgit Kamenz, die Leiterin des Mehrgenerationszentrums, an die Anfangszeiten. „Im Gegensatz zu damals platzt das Haus heutzutage mit rund 220 Besuchern beinah aus allen Nähten“, meint sie und fügt hinzu: „Die Herkuleskeule wurde von den Sprembergern immer gut angenommen. Ich bin gespannt, wie es in Zukunft sein wird.“

Dietrich Pick aus Spremberg geht da gelassener ran. „Ich kenne die Herkuleskeule von früher, aber das Programm heute hat mir auch gut gefallen. Ich bin zwar ein besserer Theater- oder Konzertgänger, könnte mir aber vorstellen wieder zu kommen“, meint er. Auch die 19-jährige Anke aus Spremberg findet das Programm und die Besetzung gut. „Man muss sich natürlich für die aktuelle und politische Lage interessieren und sich damit über Medien beschäftigen,  um die Worte und Witze zu verstehen und darüber nachzudenken. Das fällt mir aber heute nicht allzu schwer“, meint die Jugendliche, die die Herkuleskeule zum zweiten Mal live erlebt.

Vielleicht soll mit dem neuen und im Durchschnitt jüngeren Ensemble auch mehr Jugend ins Publikum gezogen werden, überlegen einige Besucher. Am vergangenen Samstag hat diese Möglichkeit jedoch noch nicht gefruchtet.  

(ang)