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| 14:09 Uhr

Schwarze Pumpe
Heimatkunde am Mahnmal

Zu einem Geschichtsprojekt an deutschen und russischen Gräbern kamen die Schüler der Grundschule in Schwarze Pumpe mit Harke und Besen.
Zu einem Geschichtsprojekt an deutschen und russischen Gräbern kamen die Schüler der Grundschule in Schwarze Pumpe mit Harke und Besen. FOTO: LR / Markus Weiß
Schwarze Pumpe. Grundschüler in Schwarze Pumpe pflegen deutsche und russische gräber.

(ani) Geschichte muss nicht staubtrocken sein. Der Spremberger Sozialarbeiter Markus Weiß versucht seit Jahrzehnten, mit Jugendlichen nachzuspüren, nachzufühlen, was hinter Geschichtsdaten steckt. Als einer der Spremberger Schulsozialarbeiter ist er seit Januar in der Grundschule „Geschwister Scholl“ in Schwarze Pumpe aktiv und schaffte es, dass Schüler wieder Soldatengräber pflegen.

„Von wann bis wann dauerte der Zweite Weltkrieg?“, wollte er von den Fünftklässlern wissen. Sie kamen schnell ins Gespräch darüber, was in und um Schwarze Pumpe noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs passiert war. Einigen Kindern waren die Gräber russischer Soldaten auf dem Ehrenfriedhof direkt an der Hauptstraße in Schwarze Pumpe schon aufgefallen. „In unmittelbarer Nähe auf dem Friedhof Pumpe-Nord ruhen ja zudem mehrere deutsche Soldaten und unter anderem eine Rot-Kreuz-Schwester“, sagt Markus Weiß.

17 Tage vor dem ersehnten Kriegsende kam die Rot-Kreuz-Schwester ums Leben. Das haben die Jungen und Mädchen ausgerechnet, als sie mit Harke, Besen und Handschuhen vor dem Grabstein standen.

Zuerst wurden alle Laubreste rund um die Gräber geharkt. Dann wurden die Hecken gestutzt und das Unkraut gezupft. Auf dem russischen Friedhof wurde übersetzt, was auf dem Denkmal steht: „Von mutigen und ruhmreichen Soldaten die für ihre Heimat gekämpft haben.“

Der Jugendclub Schwarze Pumpe der zum „JC Erebos“ gehört und von der Volkssolidarität verwaltet wird, ist in den Vorjahren mit der Pflege der russischen und deutschen Gräber betraut worden, sagt Markus Weiß, der auch in Schwarze Pumpe im Jugendclub arbeitet. Zum ersten Mal hat er das Projekt nun mit der Schule durchgeführt. Im LER-Unterricht – Lebensgestaltung, Ethik und Religionskunde – zogen die Kinder zur Grabpflege. „Es war uns wichtig, dass wir uns um beide Grabstätten der damaligen Kriegsgegner kümmern“, sagt Schulsozialarbeiter Weiß. Den Schülern wird der Unterricht mit Harke, Besen und Handschuhen unter freiem Himmel in Erinnerung bleiben. Da ist er sich ziemlich sicher.