Die beiden Tschernitzer Paul Wernitz und Henry Aurich wollen wieder öfter zur Geschichtsvorträgen einladen. Eine solche Veranstaltung in der vergangenen Woche hat die beiden Senioren dazu ermutigt. Paul Wernitz hatte Heimatfreunde aus Tschernitz wie Wolfshain eingeladen. „Die Stühle in unserem Heimatvereinsraum, reichten kaum“, sagt Henry Auricht. Mit einem Projektor, den sie aufgebaut hatten, berichtete Wernitz über die „Rote Schule“, die 1907 eröffnet werden konnte. Wie kam es überhaupt zu ihrem Bau, und wer hat das damals alles tatkräftig unterstützt. Auch von der „Gelben Schule“, die dann etwas später in der Inflationszeit in Tschernitz gebaut wurde, erzählte Wernitz. „Ausgebrütet wurde die Idee noch 1919 gleich nach dem Ersten Weltkrieg, Grundsteinlegung war dann aber doch erst 1927“, erzählt Aurich. Auch Erinnerungen an das „Eichenwäldchen“, wo es ein Tanzlokal und eine Kegelbahn gab, wurden aufgefrischt. Und warum der Badesee in Tschernitz „Lohnteich“ heißt, wissen die Tschernitzer jetzt wieder. „Drei Stunden vergingen da wie im Fluge“, stellte Aurich fest. „Ich will unseren Paul Wernitz da jetzt mehr unterstützen, denn ich bin jetzt auch Rentner“, sagt Henry Aurich.

Berühmte Medizinfläschchen

Tschernitz hat viel Geschichte zu bieten. Mit allerhand Exponaten hatte der Heimaverein „Führenfließ“ nach 2003 eine Heimatstube in der „Roten Schule“ eingerichtet. Und Tschernitz gilt tatsächlich als ältester Ort im Amtsbereich Döbern-Land. Urkundlich erstmals erwähnt wurde das Dorf im Oktober 1283. Grabfunde allerdings bestätigen, dass hier schon in der Bronzezeit (2200 bis 800 vor Christi) Menschen gelebt hatten. Die Slawen sollen den Ort schließlich gegründet haben.

Wie Friedrichshain entwickelte sich Tschernitz durch die Glasproduktion zu einer Industriegemeinde. Weit vor dem Solarglas, das heute hier in der Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) produziert wird, und auch weit vor den Fernsehbildschirmen waren es Medizingläser und -flaschen, deren Qualität Tschernitz berühmt machte. Aber das ist vielleicht Thema einer der nächsten Geschichtsvorträge.