Auf eine blaue Kiste schaut der Umweltpädagoge Karsten Nitsch, die Kinder lümmeln vor ihm auf dem grünen Teppich, und er sagt: "Rückt ruhig ein bisschen weiter nach hinten - ich kann noch lauter sprechen."

Ein Junge antwortet: "Mein Papa kann schreien!"

So beginnt ein Morgen der kuriosen Kinderkommentare. Lehrerin Anne Böhme sitzt dabei, als der Umweltpädagoge die Schüler der ersten Klasse in die Geheimnisse der Tierwelt einweihen will. "Ich bin oft im Wald", sagt er, "da mache ich Wanderungen mit Leuten: Das ist meine Arbeit."

Der kleine Kurs am Spremberger Haus des Lernens folgt einem bundesweiten Trend: 92 Prozent der Deutschen sagen laut einer repräsentativen Umfrage des Umweltministeriums, dass es ihnen bei der Erziehung ihrer Kinder wichtig ist, ihnen die Natur näherzubringen. Die überwiegende Mehrheit der Befragten fürchtet sogar, dass ihre Kinder und Enkelkinder kaum noch eine intakte Natur erleben werden: So stark breitet sich inzwischen die Angst vor Umweltkatastrophen aus.

Zugleich ringen Pädagogen um Naturerlebnisse für Kinder. Drei Beispiele aus Spremberg: Der pensionierte Lehrer Hermann Schultka wirbt für Bildungs-Ausflüge in den Stadtpark. Der dritte Kindernaturschutztag wird am 10. Juni am Anglerheim stattfinden, wo die Schüler nach winzigen Wassertieren suchen können. Und beim Spremberger Hortbiathlon im vergangenen Oktober hielt Göran Richter vom Kreissportbund ein Plädoyer für Bewegung an der frischen Luft: "Man kommt hinaus in die Natur, man fühlt sich grundsätzlich wohler und aktiver."

Daran glaubt auch Umweltpädagoge Karsten Nitsch, der den Inhalt der blauen Kiste zunächst noch vor den Schülern im Haus des Lernens verbirgt. Vielleicht steckt ein Rotkehlchen drin, oder gar eine Schlange: Wild mutmaßen die Erstklässler. Gemeinsam mit dem Schüler Ante hebt Karsten Nitsch den Deckel an, ganz vorsichtig, und er fördert einen Baumstamm zutage, außerdem drei Beutel, in die jedes Kind reihum greifen darf. Kleine Holzstücke, Nussschalen und Kienäpfel: So sieht der Inhalt aus.

"Was haben Kienäpfel für eine Bedeutung?", fragt Karsten Nitsch in die Runde.

"Baumschmuck", vermutet ein Junge.

Ein Mädchen ruft: "Da drin sind die Samen!"

Langsam kommen die Kinder der Lösung des Rätsels auf die Spur. Der Umweltpädagoge erzählt, dass viele Tiere die Samen als Nahrung nutzen, und ein Schüler mutmaßt, dass die Hinweise zum Specht führen. Er deutet auf den Baumstamm, der vor der Runde liegt: "Das Holz ist so vernarbelt, da sind so kleine Löcher drin, bestimmt geht es um einen Buntspecht."

Ein Mädchen verkündet: "Die bauen im Holz ihre Heimat!"

Ja, sagt der Umweltpädagoge, das sei ziemlich harte Arbeit, aus so einem Holz mit dem Schnabel eine Höhle zu bauen. "Stellt euch mal vor, man haut ständig mit dem Kopf gegen so was Hartes, dann bekämen wir Kopfschmerzen."

Bis zu 20 Mal in der Sekunde hämmert ein Specht auf das Holz ein, bei einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde: So zitiert das ARD-Magazin "Wissen vor acht" wissenschaftliche Forschungen. Dem Knochenaufbau und einem angepassten Gehirn ist es demnach zu verdanken, dass er eben keine Kopfschmerzen bekommt.

Im Haus des Lernens dürfen die Kinder mit einem Hammer versuchen, eine Höhle in den Baumstamm zu schlagen. Vom Ergebnis hat der Umweltpädagoge recht klare Vorstellungen: "Baut mir ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer, und wenn alles fertig ist, hören wir auf."