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| 01:30 Uhr

Heftiger Streit um Kranzschleifen bei Umbettung auf Georgenberg

Spremberg. Die Spremberger Abgeordneten wollten offenbar auf Nummer sicher gehen. Vor der diesjährigen Beisetzung von Kriegstoten aus der Region auf dem Georgenberg am vorigen Samstag wurde ein Beschluss gefasst und im Amtsblatt veröffentlicht.

Danach sind bei Feierstunden an der Gedenkstätte Georgenberg Kranzschleifen nur von Kommunen, Religionsgemeinschaften und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, nicht aber von Vereinen und anderen Organisationen erlaubt. Das traf am vorigen Samstag auch den Verein zur Klärung von Schicksalen Vermisster und Gefallener (VKSVG e.V.), der in den Landkreisen Görlitz und Spree-Neiße aktive Mitglieder hat und der sich nun durch die Anordnung der Stadt diskriminiert fühlt. “Das ist eine Schande und eine Backpfeife für unsere Arbeit„, wettert Ulrich Gojowczyk aus Schleife (Landkreis Görlitz), der das Band mit dem Vereinskürzel am Samstag abschneiden musste, bevor das Blumengebinde auf dem Georgenberg abgelegt werden durfte.

Spremberg hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit der Gedenkstätte auf dem Georgenberg gehabt. Unter den dort Beigesetzten Kriegstoten sind auch Angehörige der Waffen-SS Division “Frundsberg„, die im Frühjahr 1945 in der Kesselschlacht bei Kausche (Spree-Neiße) kämpften. Altbürgermeister Egon Wochatz hatte sich vor Jahren mit Veteranen der Einheit getroffen. Der Soldatenfriedhof hatte immer wieder Rechtsextremisten angezogen. Dem wollte die Stadt mit ihrem Kranzschleifenverbot offenbar einen Riegel vorschieben.

Doch der VKSVG fühlt sich durch die Anordnung völlig zu Unrecht unter Verdacht gestellt. “Wir pflegen auch russische Kriegsgräber, wir arbeiten seit Jahren mit Behörden und dem Volksbund zusammen„, versichert Gojowczyk. Im September erst hatten Angehörige des Vereins die sterblichen Überreste von vier russischen Soldaten bei Döbern geborgen. Eine Ausstellung des Vereins war im Rathaus von Rothenburg, in der Außenstelle des Landkreises Görlitz in Niesky und in einem Fortbildungsinstitut der sächsischen Polizei zu sehen.

Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) weist die Vorwürfe zurück. Der Beschluss der Stadtverordneten sei gerade erst in öffentlicher Sitzung gefasst worden. Daran werde nicht gerüttelt. “Wir sind natürlich gesprächsbereit„, fügt Bürgermeister Schulze jedoch hinzu. “Da müssen sich die Leute aber vorher bei uns melden.„ Auf dem Friedhof sei es dann nicht möglich zu klären, wer sich vielleicht hinter einer Abkürzung oder einem Vereinsnamen verberge. Simone Wendler