Von Martina Arlt

Die Mieter der Spremberger Wohnungsbaugenossenschaft aus dem Knappenweg 25 c und 25 d hatten jüngst allen Grund zum Feiern. Genau dieser Wohnblock wurde von der Wohnungsbaugenossenschaft Spremberg vor 60 Jahren für die Mieter freigegeben. Deshalb lud die Mietergemeinschaft zu einer Jubiläumsfeier in ihrem kleinen Festzelt vor dem Block ein. Ein wenig erinnerte die Zusammenkunft in netter und herzlicher Atmosphäre schon noch an die Feierlichkeiten der Hausgemeinschaften vor der Wende. Fast jede Familie hatte einen Kuchen gebacken. Alle nahmen mit großer Freude an der liebevoll dekorierten Tafel Platz. Denn noch heute heißt es für die Mieter in diesem Wohnblock: „Miteinander und Füreinander“.

Als Ehrengäste waren am Samstagnachmittag André Zink vom Geschäftsführenden Vorstand der SWG sowie Lothar Koernig vom nebenamtlichen Vorstand eingeladen. Als Urgestein dieses Wohnblockes gilt die 83-jährige Christa Kasper, die an diesem Tag auch ihr etwas lädiertes Mitgliedsbuch mit der Nummer 8 der Wohnungsbaugenossenschaft dabei hatte. „Es war im wahrsten Sinne des Wortes der erste Spatenstich, denn die Baugrube wurde mit der Hand von uns selbst ausgehoben. Jeder Mieter hatte 600 unentgeltliche Aufbaustunden zu leisten. Damit dieser Bau zustande kam, holten wir selbst als Mieter aus der Ziegelei in Schwarze Pumpe 34 000 heiße Ziegel. Das kann man sich heute alles nicht mehr vorstellen. Im Jahr 1959 wurde der Block übergeben. So feiern wir heute das 60-jährige Jubiläum unseres Hauses“, schilderte Christa Kasper die Geschichte. In diesem Wohngebiet war damals auch ein Garagenkomplex entstanden und für eine Wäschemangel war gesorgt.

Die 88-jährige Mieterin Irmgard Baum ist heute noch des Lobes voll, wie wunderbar die Hausgemeinschaft funktioniert: „Wenn ich ein Anliegen habe, besorgen es die Nachbarn für mich. Wir halten schon unsere Ohren offen. Wenn es in einem Haushalt nicht klappert, dann schauen wir nach“, sagt sie.

Mehr als 40 Bewohner, die einmal in diesen Gefilden wohnten, verbrachten am Samstag gemeinsam nette Stunden. Besonders Barbara Wulff, Petra Diener und Siegfried Kawczynski sorgten sich um das leibliche Wohl der Gäste. „Als die Mieter aus diesem Block vor einem Jahr an uns herantraten und ihr Anliegen zu den Feierlichkeiten vortrugen, standen wir diesem Vorschlag sehr positiv gegenüber. Denn diese Treffen der Mieter sind heute sehr selten geworden. Wir sind immer dafür, dass die Gemeinschaft gestärkt wird. So haben wir für das heutige Fest als Genossenschaft einen finanziellen Beitrag geleistet. Auch die Bewohner vom Kollerbergring 32 feierten vor wenigen Tagen, das kann ich nur begrüßen“, sagt André Zink von der SWG. Die Genossenschaft zählt 1400 Mitglieder.

Die Bewohner des Knappenweges hielten noch eine Überraschung bereit. Denn im Keller flimmerten einige Fotos aus den letzten Jahrzehnten über die Leinwand, die von großem Interesse waren. Außerdem trugen sie eine tolle Ausstellung mit Utensilien aus der DDR-Zeit zusammen. Dort kamen Teddybären, Märchenbücher, Plattenspieler, Schaukelpferd, Kinderspiele und vieles mehr zum Vorschein. Im Keller feiern die Bewohner noch heute immer wieder gern gemeinsam den Jahreswechsel.

Die Wohnungsbaugenossenschaft ist stets bemüht, den Wohnraum auf einen modernen Stand zu bringen. Gegenwärtig erhalten die Bewohner aus dem Steigerweg 15/16 neue Balkone, und auch die Fassade des Hauses wird aufgefrischt.