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Hausarzt in der Nähe gilt als Luxus

Geschlossene Post in Spremberg: Für ein Drittel der Menschen über 67 Jahren liegt der nächste Standort so weit entfernt von der Wohnung, dass sich der Weg dorthin nicht mit einem Spaziergang verbinden lässt.
Geschlossene Post in Spremberg: Für ein Drittel der Menschen über 67 Jahren liegt der nächste Standort so weit entfernt von der Wohnung, dass sich der Weg dorthin nicht mit einem Spaziergang verbinden lässt. FOTO: ani
Spree-Neiße. Im Vergleich zu anderen Regionen weist der Spree-Neiße-Kreis ein relatives dichtes Netz an Postfilialen und Paketshops auf – trotz der jüngsten Schließung der Hauptpost in Spremberg. Dies geht aus den Daten hervor, die zwei Mitarbeiter des Instituts für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landkreises vorstellten. René Wappler

Sie widmen sich der Zukunft ländlicher Regionen. Dabei liegt ihr Schwerpunkt auf dem Verkehr und der Versorgung mit Angeboten aller Art für die Einwohner im Spree-Neiße-Gebiet und dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis.

So gibt es in beiden Kreisen im Durchschnitt eine Postfiliale für 2500 Einwohner. Mit einer Filiale für 2000 Einwohner ist das nördliche Brandenburg besser ausgestattet, das nördliche Niedersachsen hingegen mit einer Filiale für 4000 Bürger weitaus schlechter.

Allerdings gibt es auch in der Lausitz deutliche Unterschiede.79 Prozent der Einwohner des Oberspreewald-Lausitz-Kreises erreichen die Postfilialen gut zu Fuß, während der Spree-Neiße-Kreis Defizite aufweist: Für ein Drittel der Menschen über 67 Jahren liegt der nächste Standort so weit entfernt von der Wohnung, dass sich der Weg dorthin nicht mit einem Spaziergang verbinden lässt. Der Einwohnerschwund führt darüber hinaus zu einem reduzierten Angebot, wie die Mitarbeiter des Instituts anmerken.

Diese Tendenz wirkt sich auch auf die Dichte der Hausarztpraxen aus. Während bis zum Jahr 2030 der Anteil älterer Menschen steigen wird, erwarten die Instituts-Fachleute eine sinkende Zahl ärztlicher Angebote. Schon jetzt müssen 36 Prozent der Einwohner im Spree-Neiße-Kreis und der Oberspreewald-Lausitz-Region damit leben, dass es in ihrer Nähe keinen Hausarzt gibt, den sie zu Fuß erreichen. Ein hoher Bedarf zeigt sich bei Altdöbern, Ruhland, Schenkendöbern und Döbern-Land.

Darum betonen die Fachleute, dass gut ausgebaute Radwege nötig sind - zumal sich viele ältere Menschen elektrisch betriebene Fahrräder zulegen, mit denen sie weitere Strecken bewältigen können. Zwar deckt der öffentliche Nahverkehr die Nachfrage der Einwohner auf den Hauptstraßen der Region gut ab, wie die Instituts-Mitarbeiter konstatieren. Mängel herrschen jedoch ausgerechnet auf dem Land, das ohnehin schon stärker vom Angebot mit Discountern, Arztpraxen und Postfilialen abgeschnitten ist. Als weiteres Beispiel nennen die Experten die Lücke im öffentlichen Nahverkehr zwischen Spremberg und Senftenberg. Grundsätzlich lasse auch das Informationsangebot zu wünschen übrig: Oft fehle es an persönlicher Beratung der Kunden und an Informationen dazu, ob die Passagiere Fahrräder und Rollatoren im öffentlichen Nahverkehr mitnehmen können.

Bereits im Mai 2012 schrieben die Autoren einer Studie namens "Mobilitätssicherung in Zeiten des demografischen Wandels": Während für die größeren Zentren zum Teil deutliche Einwohnerzuwächse prognostiziert würden, müssten sich die übrigen Regionen auf rückläufige Bevölkerungszahlen einstellen. Von der negativen Entwicklung besonders betroffen seien die östlichen Bundesländer - mit Ausnahme der Region Berlin-Potsdam - und die altindustriellen Regionen in Westdeutschland. Die Studie aus dem Jahr 2012 entstand im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums.