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Spremberger Original
Harri Piel überliefert 100 Jahre alte Geschichten

Harri Piel und Eckbert Kwast überliefern Geschichten.
Harri Piel und Eckbert Kwast überliefern Geschichten. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Blicke in die Vergangenheit begeistern Besucher.

In der urigen Kellerkneipe „Dudelsack“ in Spremberg haben sich am Karfreitag rund 40 Besucher eingefunden. Sie alle wollen den Worten des Spremberger Originals Harri Piel alias Dr. Jürgen Hübner und dem Museumsdirektor Eckbert Kwast lauschen. Denn sie lesen, erzählen und überliefern jedes Jahr an Karfreitag die Geschichten aus dem Spremberg vor 100 Jahren. So reisen alle gemeinsam ins Jahr 1917. Es ist ein Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges. In Spremberg herrscht Notstand. Es gibt zahlreichen Mangel. Der Gasverbrauch wurde halbiert, öffentlich bestimmte der Magistrat Verkaufszeiten der Läden und die Preise für Lebensmittel, es gibt Kriegsanleihen, Bürger waren aufgerufen, ihre Fahrradbereifungen gegen Bezahlung abzuliefern, und sogar das Bier verlor an seinem Stammwürzengehalt. Trotz misslicher Versorgungslage wurde 1917 etwas Großes in Spremberg geschaffen, vielmehr nahe eines Dorfes:  das Kraftwerk Trattendorf. Nachdem 1915 mit dem Bau des Kraftwerkes begonnen wurde, werkelten 1917 noch viele Kriegsgefangene an dem Aufbau.  Erst 1918 konnte der Bau fertiggestellt werden, und der erste Strom floss. „Es war einst mit das größte Kraftwerk Europas“, erzählt Harri Piel. Die Gäste hören gespannt zu. Kleine Anekdoten bereichern die Erzählungen. Besucher Gerold Gegen (77), der Harri Piels Erzählungen regelmäßig verfolgt, wusste schon so einiges über diese Zeit und den Kraftwerksbau: „Aber es ist immer wieder schön, Erinnerungen aufzufrischen. Geschichte ist wichtig“, meint er. Und auch die beiden Schwestern Jenny (41) und Friederike (29) Böttcher sind begeistert: „Wir wollten gerne mal in die Vergangenheit unserer Heimatstadt blicken. Vieles wusste ich noch nicht“, erzählt Friederike. Und Jenny meint: „Aber auch ein paar Erinnerungen kommen auf, zum Beispiel wie wir früher noch das Freibad am Trattendorfer Kraftwerk nutzten“, so Jenny.  Harri Piel alias Dr. Jürgen Hübner und Eckbert Kwast sind froh, dass ihre Geschichten nach zwölf Jahren immer noch so gut ankommen: „Wir wollen diese Tradition gerne im nächsten Jahr wieder fortsetzen.“    

(ang)