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| 22:42 Uhr

Interview mit Hannelore Wodtke
Warum diese Welzowerin Nein zum Bericht der Kohle-Kommission sagt

 Hannelore Wodtke (Grüne Zukunft Welzow) war in der Kohle-Kommission und will weiter gegen die Abbaggerung von Dörfern kämpfen.
Hannelore Wodtke (Grüne Zukunft Welzow) war in der Kohle-Kommission und will weiter gegen die Abbaggerung von Dörfern kämpfen. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Welzow. Hannelore Wodtke aus Welzow kämpft dafür, dass das Dorf Proschim nicht abgebaggert wird. Obwohl Wodtke in der Kohle-Kommission mitarbeitete und einiges am Abschlussbericht in Ordnung findet, stimmte sie mit Nein. Im Interview erklärt Wodtke, warum.

Wieso haben Sie als einzige gegen den Abschlussbericht der Kohle-Kommission gestimmt?

Hannelore Wodtke Ich habe meine Mandatierung ernst genommen. In der Kommission bin ich zuständig für die von der Abbaggerung bedrohten Dörfer in der Lausitz. Dass dies Proschim am Tagebaurand von Welzow Süd nicht mehr trifft, das wollte ich Schwarz auf Weiß verbrieft haben.

Wieso haben Sie das nicht durchgesetzt? Der Hambacher Forst wird doch nun auch nicht mehr abgeholzt.

Wodtke Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat sich in dieser Sache keinen Millimeter bewegt.

Was meinen Sie damit?

Wodtke Anders als in Nordrhein-Westfalen, wo der Einstieg in den Kohleausstieg nun sofort beginnt, bleibt im Osten Deutschlands erstmal alles beim Alten. Es wird Geld für den Strukturwandel fließen, was ich gut finde. Aber trotzdem laufen die Kohle-Kraftwerke weiter, als wäre nichts passiert.

Wie machen Sie jetzt weiter? Umweltverbände haben ja Protest angekündigt, weil ihnen ein Kohleausstieg bis 2038 nicht schnell genug geht.

Wodtke Die Proteste der Umweltverbände finde ich gut, da bin ich mit dabei. Auch in Welzow geben wir uns damit nicht zufrieden. Allerdings habe ich echt ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Mitstreitern. Ich weiß nicht recht, wie ich denen erklären soll, was nicht im Abschlussbericht verankert ist.

Glauben Sie, dass Proschim noch abgebaggert wird?

Wodtke Ich meine, anders als Leag-Chef Helmar Rendez, dass sich das nicht rechnet. Wenn sich die Leag noch durchsetzt mit ihrem Revierkonzept bis in die 2040er-Jahre, dann kommt Proschim weg. Das wäre traurig und würde die nächste Generation treffen. Ich finde es bezeichnend, dass gerade jetzt Kinder, Jugendliche, Schüler auf die Straße gehen und für eine saubere Umwelt kämpfen. Das gibt auch mir wieder Kraft weiterzumachen.

Nun sehen manche die Proteste von Schülern als Akt der Ideologisierung, zum Beispiel durch vom Klimaschutz begeisterte Lehrer.

Wodtke Die neuesten Umfragen zeigen doch, dass 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland für einen zügigen Kohleausstieg eintreten. Dass nun Schüler demonstrieren, sehe ich nicht als Ideologisierung. Sie wissen einfach, was sie wollen. Unsere Enkel möchten in einer Welt leben, in der es Arbeit gibt und der Umweltschutz beachtet wird.

Das Argument der Arbeitsplätze bringen ja auch die Energie-Unternehmen. Sie sagen, durch einen zügigen Kohleausstieg fielen die Jobs weg.

Wodtke Es ist mir klar, dass die Mitarbeiter im Bergbau und in den Kraftwerken ihr Leben weiterleben können müssen. Das wird durch den Bericht der Kohle-Kommission auch abgesichert. Aber sich hinzustellen und zu sagen, hier verliert jeder in der Kohle von heute auf morgen seinen Job, stimmt einfach nicht. 20 weitere Jahre Kohle-Verstromung, das ist ein langsamer Kohleausstieg. Bis dahin sind über die Hälfe der Mitarbeiter bei der Leag in Rente.

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