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| 15:41 Uhr

Neues Domizil entsteht im Wald bei Spremberg
Reisende bauen Dach für Förster

Günter Kuhla (links) und sein Sohn Dirk haben den drei Gesellen angeboten, beim Bau des Forsthauses zu helfen. Michael Guntersweiler, Lasse Ketelsen und Tobias Süßmann arbeiten bis zum Ende der Woche mit.
Günter Kuhla (links) und sein Sohn Dirk haben den drei Gesellen angeboten, beim Bau des Forsthauses zu helfen. Michael Guntersweiler, Lasse Ketelsen und Tobias Süßmann arbeiten bis zum Ende der Woche mit. FOTO: Wappler / LR
Spremberg. Ein Stellwerk verwandelt sich. Dabei helfen drei Handwerkergesellen auf der Walz.

Drei Handwerkergesellen reisen durch die Welt – und landen auf ihrer Odyssee in Spremberg. Nun helfen sie beim Umbau eines alten Stellwerks zu einem Forsthaus mit. Das Gebäude befindet sich an der Bahnstrecke bei Groß Döbbern.

An der Straße hat Dirk Kuhla die drei jungen Männer aufgelesen. „Wir sind mit dem Auto durch Schwarze Pumpe gefahren“, sagt der Firmenchef. „Mit meiner Frau wollte ich die Kinder bei den Großeltern abholen, und auf einmal machte sie mich auf die Wandergesellen aufmerksam, die dort entlang liefen.“

Also hielt er an. Den Reisenden unterbreitete er ein Angebot: „Wenn Ihr mal an einem richtigen Eichendach arbeiten wollt, dann kommt zu uns.“

Da sind sie nun. Ein paar Meter neben den Eisenbahnschienen, im Wald bei Groß Döbbern, arbeiten die Gesellen auf der Baustelle. Von einem „hammergeilen“ Projekt spricht Dirk Kuhla, der in Spremberg einen Natursteinhandel betreibt. Seit vielen Jahren trägt er sich mit der Idee, die er jetzt gemeinsam mit der Zimmerei Grätz in die Tat umsetzt. Das ausgediente Stellwerk bekommt eine neue Chance als Forsthaus. „Wir setzen hier möglichst wenig Plaste und Elaste ein“, sagt Dirk Kuhla, „sondern vor allem Naturmaterial, und zwar 180 Jahre alte Pücklereiche.“

Die Arbeit am Dachstuhl kostet Kraft. Jeder Balken wiegt 500 bis 650 Kilogramm. Die drei Gesellen lassen sich von diesem Gewicht nicht beeindrucken. Der 23-jährige Michael Guntersweiler stammt aus der Schweiz, der 24-jährige Lasse Katelsen aus Langenhorn bei Sylt, der 25-jährige Tobias Süßmann aus Königs Wusterhausen. Drei Jahre und einen Tag dauert die Walz, die Wanderschaft, auf der sie ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer kommen dürfen. Danach werden sie ihren Meister absolvieren, wenn alles nach Plan läuft.

Auch sonst gelten auf der Reise strenge Regeln. Lasse Ketelsen berichtet: „Keiner von uns hat ein Smartphone oder einen Computer im Gepäck.“ Denn alles, was sich mit dem Internet verbinden lässt, mussten sie zu Hause lassen. So will es die Tradition.

Viele Leute würden schon nach wenigen Tagen an so einer Vorgabe verzweifeln. Nicht jedoch die drei Gesellen. Lasse Ketelsen hat seine Wanderschaft sogar verlängert. Er reist schon seit drei Jahren und sechs Wochen durch das Land. „Wenn ich unbedingt mal eine E-Mail lesen will, muss ich eben warten, bis ich irgendwo unterkomme, wo ich einen Zugang zum Computer bekomme“, sagt er. „Meine Eltern wissen sowieso, dass ich mich erst melde, wenn unterwegs etwas schief laufen sollte.“

Bis zum Ende dieser Woche arbeiten die drei Gesellen am Forsthaus neben den Bahnschienen. Es entstand im Jahr 1975 als Stellwerk, wie Dirk Kuhla vom Spremberger Natursteinhandel berichtet. „Als es stillgelegt war, konnte ich es für einen schmalen Taler von Vattenfall abkaufen.“  Die Eiche wurde auf dem Hof der Firma geschnitten, gehobelt und aufbereitet.

Als Tagungsort für Forstleute soll es ab dem nächsten Jahr dienen. Der Baustil orientiert sich an Häusern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Ein Abriss kam nicht inf, so Dirk Kuhla: „Dafür ist die Substanz des Gebäudes einfach zu gut.“

Hans-Joachim Behnke vom Archäotechnischen Zentrum in Welzow beriet den Unternehmer beim Antrag für Fördermittel. „Dienstlich haben wir viel miteinander zu tun“, sagt er. „So organisieren wir gemeinsam den Ferienlernort Wald und Feld.“ Das Projekt bringt Schülern die Grundlagen der Jagd näher. Deshalb interessiert sich Hans-Joachim Behnke auch für das künftige Forsthaus. „Einen solchen Tagungsort können wir in der Region gut gebrauchen“, erklärt er, „zumal er eine wissenschaftliche Bibliothek beherbergen wird.“

Im Mai 2019 werden die ersten Gäste das Forsthaus besuchen. Es handelt sich um eine Exkursion von Fachleuten, die sich bereits angemeldet haben. Bis es so weit ist, werden die drei Handwerkergesellen allerdings längst wieder die Lausitz verlassen haben. Ihre nächste Station befindet sich auf Haiti. Dort wollen sie beim Bau eines SOS-Kinderdorfes helfen.