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Hammerlache mutiert zur Müllhalde

Bernhard Richter ärgert sich über Randalierer an der Hammerlache.
Bernhard Richter ärgert sich über Randalierer an der Hammerlache. FOTO: René Wappler
Spremberg. Zerstörte Bänke, überquellende Abfalleimer, Dreck am Wegesrand: Ein Spaziergang entlang der Spremberger Hammerlache gleicht dem Weg über eine Müllhalde. Nachbarn ärgern sich über diesen Zustand. René Wappler und Catrin Würz

Viel Abwechslung hat Bernhard Richter nicht mehr seit dem Tod seiner Frau. Umso mehr freut sich der 69-jährige Spremberger, wenn er das Gelände des betreuten Wohnens an der Hammerlache verlassen und einen Spaziergang unternehmen kann. Keine große Runde, nur ein paar Minuten an der frischen Luft. Vermutlich könnte er die kurzen Ausflüge auch genießen - würde er nicht täglich auf die Spuren von Randalierern stoßen.

"Vor Jahren standen hier noch mehrere Bänke", sagt er, als er zur Mittagsstunde auf dem Weg am Anglerheim entlangläuft. "Übriggeblieben ist nur ein Exemplar, auf das sich allerdings niemand mehr setzen kann." Er deutet auf die Flaschenscherben, die um die Bank verstreut auf der Erde liegen. "So sieht es hier mittlerweile immer aus."

Seinen Eindruck bestätigen die Mitglieder des Kreisanglerverbandes, die in der vergangenen Woche ihr saniertes Domizil an der Hammerlache eingeweiht haben. Eberhard Brünsch vom Vorstand sagt: "Offenbar finden hier am Weg dauernd Saufgelage statt." Doch auch "ältere Herrschaften" tragen nach seinen Worten zum Müllproblem bei. Erst vor wenigen Tagen seien zwei Rentner am Anglerheim vorbeigelaufen, mit vollgepackten Tüten, die sie einfach an einem der überquellenden Abfalleimer abstellten. "Natürlich habe ich ihnen gesagt, dass so was nicht geht", erklärt Eberhard Brünsch. "Und dann antworten die mir: Aber genau dafür sind doch die Behälter gedacht. Nee, sage ich daraufhin, das ist nicht für Ihren Hausmüll."

Es sind Episoden wie diese, die ihn sprachlos stimmen. Nicht nur an der Hammerlache erlebe man solche Ignoranz, auch in der Innenstadt sei es mittlerweile üblich, dass Leute ihren Dreck dort entsorgen, wo es ihnen gerade passt. Acht Mitglieder des Cantdorfer Anglervereins befreiten im März die Kleine Spree zwischen dem Polizeirevier und dem Tiedesteg vom Unrat. Dabei zogen sie ebenfalls jede Menge Müll aus dem Wasser - zum Beispiel Teile eines Bauzauns und eine Kaffeemaschine. Zwei Wochen zuvor hatte der Angelverein "Spreeidyll" an den Uferböschungen der Kleinen Spree zwischen Polizei und Liebesinsel den Abfall aufgesammelt.

Der zuständige Fachbereichsleiter im Spremberger Rathaus, Gerd Schmiedel, kennt den Zustand des Weges an der Hammerlache. Jahr für Jahr beläuft sich der Vandalismusschaden für die Stadt auf ungefähr 10 000 Euro, wie er berichtet. "Sobald die Hammerlache saniert ist, werden wir darüber beraten, ob wir dort neue Bänke aufstellen", sagt Gerd Schmiedel. Von Bernhard Richter aus dem betreuten Wohnen kommt die Idee, Metall als Material zu verwenden, wie in der Langen Straße: Die ließen sich auch nicht so leicht zerstören. Dazu erklärt der Fachbereichsleiter: Grundsätzlich sei der Gedanke gut, doch die Mitarbeiter des Rathauses müssten auch die Kosten dafür abwägen.

Und über den finanziellen Aspekt empört sich auch Eberhard Brünsch vom Anglerverband: "Am Ende wird das Geld auf alle Einwohner umgelegt - das ist das Ergebnis dieser Schweinereien."

Kommentar

Dieser Volkssport schadet der Stadt

Es ist genau eine Woche her, da bedankten sich die Bürgermeisterin und die Stadtverordneten von Spremberg beim einzigen verbliebenen Sicherheitspartner Karl-Heinz Simon. Auf seinen Radtouren durch die Stadt sieht er immer wieder Müllberge, wie sie die Spaziergänger an der Hammerlache beklagen.

Nun gibt es einen guten Grund dafür, dass die Mitarbeiter des Rathauses um weitere Sicherheitspartner werben. Denn ähnlich wie an der Hammerlache sieht es auch in anderen Gegenden aus, und das illegale Entsorgen von Abfall gleicht inzwischen einem weithin akzeptierten Volkssport. Was die Leute dabei nicht bedenken: Auf diese Weise fügen sie einer Stadt erheblichen Schaden zu, die sich ohnehin kaum Investitionen wegen ihres angespannten Haushalts leisten kann.

r.wappler@lr-online.de