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| 14:39 Uhr

Geschäfte in der Innenstadt
Bewegung in der Dresdener Straße

Seit 20 Jahren gibt es das Spielhaus Reuter in Spremberg, seit 15 Jahren ziehen Angela Grimm und Ines Reuter dafür an einem Strang.
Seit 20 Jahren gibt es das Spielhaus Reuter in Spremberg, seit 15 Jahren ziehen Angela Grimm und Ines Reuter dafür an einem Strang. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Spielhaus in Spremberg zieht alle Generationen an und bereut Umzug nicht. Von Annett Igel-Allzeit

Vier Jahre ist es her, dass Ines Reuter mit ihrem Spielwarengeschäft in Spremberg von der Karl-Marx-Straße in die Dresdener Straße zog. „Dresdener Straße im Aufwind“ titelte die RUNDSCHAU damals. Denn die Läden mit den großen Schaufenstern, die die Gewoba nach langem Leerstand beinahe zu Wohnungen umgebaut hätte, waren plötzlich von Händlern und Handwerkern bezogen. Für eine Häuslichen Krankenpflege wurde ein Geschäft umgebaut. Nicht alle im damaligen Aufwind sind noch da. Aber es komme gerade wieder Bewegung in die Dresdener Straße, sagt Angela Kunze aus dem Lederwarengeschäft. Sie ist Mitglied des City-Werberings und bemüht sich, die Händler und Gewerbetreibenden der Dresdener Straße regelmäßig für Aktionen zusammenzubringen. Die Bewegung geht diesmal von der alten Färberei an der Berliner Kreuzung aus. In das geplante Wohnhaus soll im Erdgeschoss auch ein Ladengeschäft entstehen. Das leere „Radhaus“ gegenüber ist wieder vergeben. „Nur der Traum vom kleinen Café, den träumen wir hier noch immer“, seufzt Angela Kunze.

Ines Reuter nickt: „Ich verkaufe Helium, aber keine Süßigkeiten. Ich bin nicht dafür, dass die Kleinen damit voll gestopft werden. Doch ein Café, wo sich die Kinder ein Eis holen können, fehlt hier.“ Sie selbst, so erzählt die 54-jährige Welzowerin, war Kind in Cottbus – mit Eis und kleinem Bruder. „Unser Kindheits-Spielzeugladen war kein reiner Spielzeugladen. Er befand sich auf der Sprem und bot auch Haushaltswaren an, hatte aber ein Regal voller Spielsachen und diese flachen Teddybären mit den kreisrunden Gesichtern und großen Augen. Davor stand ich oft“, erinnert sich Ines Reuter. Nach zehn Jahren als Elektrikerin im Tagebau schulte sie zur Einzelhandelskauffrau um.  Den Start wagte sie als junge Mutter im eigenen Haus in Welzow 1997. „Neben Spielzeug verkaufte ich Schreibwaren, Zeitungen, Anglerbedarf, Eis“, zählt sie auf. 1998 ergriff sie die Chance, ein Spiel- und Schreibwarengeschäft in der Karl-Marx-Straße in Spremberg zu eröffnen. Die größere Stadt versprach mehr Umsatz.

Den Umzug in die Dresdener Straße bereut sie nicht: „Der Mietpreis war gleich. Die Lage ist zentraler. Die großen Schaufenster lassen mehr Licht in den Laden. Der Fußweg ist breit, wir haben Grünanlagen, Bänke und Parkplätze vorm Haus. Ein paar Wipp-Geräte für die Kinder wären noch schön.“ Ines Reuter und ihre Verkäuferin Angela Grimm ziehen alle Generationen in die Dresdener Straße: Senioren, die etwas für die Enkel suchen oder ein neues Rommé-Spiel brauchen. Spremberger, die jedes „Spiel des Jahres“ kaufen. Schulkinder, die nach Unterrichtsschluss vor Spielzeugregalen stehen. „Es gibt Eltern, die sehr gezielt fragen, und Eltern, die ihre Kinder durch den Laden laufen lassen, sehen wollen, wohin es sie zieht“, sagt Ines Reuter.

Etwas versteckt stehen die Geburtstagskisten: Kinder packen sie vor ihrem Ehrentag und verteilen  Zettel an Freunde und Verwandte. Sie können aus der Kiste wählen, was sie zum Geburtstag schenken. Eine Idee, die in westlichen Bundesländern besser läuft als im Osten. So wie der Verband „Idee+Spiel“ die Spielzeughändler auf Ideen bringt, so halten inzwischen auch mehrere Händler in der Dresdener Straße zusammen. Zu den Lichterfesten, zum Töpfermarkt, zum Frühlingsfest werden Stände und Aktionen in die Straße geholt. Gestern, zum 20. Geburtstag des Spielhauses, war die Freiwillige Feuerwehr Spremberg wieder mit vor Ort.

„Wir werden manchmal gefragt, ob wir nicht runter in die Lange Straße ziehen wollen“, so Angela Kunze. Aber nein, sie bleibe. „Als ich jüngst in Pirna war, habe ich gemerkt, dass es uns in Spremberg noch gut geht. Sich beleidigt zurückziehen, streiken, weil die Spremberger merken sollen, was ihnen mit uns fehlt? Das funktioniert nicht. Wir Händler müssen uns etwas einfallen lassen.“ Und Ines Reuter hofft auf mehr mutige junge Leute, die ein Geschäft öffnen wollen. „Und wenn ihnen dann die Stadtverwaltung noch ein Stück entgegenkommt ...“