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Gutachten in Prozess um Krankenhaus-Attacke

Spremberg/Cottbus. Im Prozess um einen Angriff im Spremberger Krankenhaus hat vergangene Woche ein Sachverständiger die Persönlichkeit des Beschuldigten eingeschätzt. Das Cottbuser Landgericht befindet wegen des Vorwurfs versuchten Totschlags über den Angeklagten: Dieser soll am Neujahrsmorgen des Jahres 2017 beinahe einen anderen Patienten der Spremberger Psychiatrie erwürgt haben, was nur durch das Eingreifen zweier Krankenschwestern verhindert wurde. rene Wappler / wr

Im Gerichtssaal stellte nun der Sachverständige Uwe Heidergott sein Gutachten vor, das er im Auftrag der Staatsanwaltschaft angefertigt hatte. Demnach leidet der Angeklagte bereits seit dem Jahr 2002 unter paranoider Schizophrenie: Es gebe Hinweise darauf, dass er glaubt, jemand habe ihm einen Chip in den Kopf gepflanzt, um ihn von außen zu steuern. Zwar sei er schon mehrmals in der Psychatrie behandelt worden, doch die Erkrankung habe sich nie vollständig zurückgebildet. Über den Zeitraum von drei Jahren kam es "zu einem breiten Spektrum von Straftaten", wie der Sachverständige ausführte. So sei der Angeklagte äußerst aggressiv gegenüber Mitarbeitern der Spremberger Stadtverwaltung aufgetreten. Zudem soll er eine Nachbarin angegriffen haben.

Die Familie des Mannes hat inzwischen den Kontakt zu ihm abgebrochen. Seine Schwester sagte bereits im August in dem Verfahren als Zeugin im Landgericht aus. "Er wurde handgreiflich gegenüber meinem Mann, der Tante, dem Vater", sagte sie. "Das ist der Punkt, an dem wir als Familie nicht mehr weiter können und nicht mehr weiter wollen."

Der Sachverständige geht davon aus, dass der Beschuldigte aufgrund seines schlechten psychischen Zustandes zum Tatzeitpunkt im Spremberger Krankenhaus "nicht in der Lage war, seine wahnhafte Stimmung zu kontrollieren". Zwar zeige der Mann inzwischen eine gewisse Krankheitseinsicht, doch ein selbstständiges Leben würde ihn nach den Worten des Gutachters überfordern. "Eine günstige Prognose ist nur zu stellen, wenn er langfristig Medikamente einnimmt", erklärte der Sachverständige beim Gerichtstermin am Donnerstag.

Die Verhandlung wird im Oktober fortgesetzt.