Palmen beugen sich über makellosem Südsee-Sandstrand. Vor dem azurblauen Meer spannt sich ein Netz. Es ist der perfekte Ort für eine Partie Beachvolley. Die Spieler allerdings sehen etwas sonderbar aus. Zwei glibberige Gelklumpen hüpfen wie lebendiger Wackelpudding auf dem Feld herum und schubsen mit ihrem außerirdischen Gummibärchenkörper die Kugel übers Netz. „Blobby Volley“ ist ein einfaches Computerspiel. Mit einer Größe von etwa einem Megabyte passt es bequem auf jede Festplatte. Die Bedienung ist simpel. Die Wackelpuddingfiguren können nach rechts oder links laufen und hochspringen. Das war's. Wahrscheinlich deswegen ist es in den vergangenen Jahren in Spielerkreisen zum Renner geworden. Wenn Computerspieler zwei oder mehr Rechner zusammenstöpseln, läuft oft „Blobby Volley“ . Mittlerweile gibt es virtuelle Turniere mit echten Pokalen, zwischenzeitlich stand das Spiel weit oben auf den Hitlisten heruntergeladener Programme. Vor vier Jahren haben die Forster Daniel Skoraszewsky und Silvio Mummert das Spiel erfunden. Vielleicht einen Monat lang hat das Schreiben gedauert, sagt Daniel. Genau wissen sie es beide nicht mehr. Bereits vorher hatten sie gemeinsam Programme geschrieben. Mummert saß schon zu DDR-Zeiten im Jugendzentrum am KC-Computer und investierte sein Jugendweihe-Geld kurz nach der Wende in einen Amiga. Später traf er Daniel. „Er war so was wie mein Mentor“ , sagt Mummert. „Er hat das Programmieren im Blut“ , sagt Daniels Bruder Ronny.
Schnell schrieb man gemeinsam Programme. 2000 kam die Sache mit den Blobs. „Der Grund war ein anderes Volleyballspiel“ , erklärt Silvio Mummert. Das war so schlecht, dass sich die Beiden zusammensetzten. Silvio übernahm die Grafik, Daniel schrieb das Spiel. Der Südsee-Hintergrund war ruckzuck fertig. Weil menschliche Spieler aber schwer zu kreieren sind, nahm Silvio kurzerhand Geltropfen, was im Englischen mit „Blobs“ übersetzt werden kann. Blobby Volley war geboren. Die Forster stellten ihr Spiel ins Internet, damit es jeder kostenlos auf den eigenen Computer laden kann - ganz legal. Das nennt sich Freeware und bedeutet praktisch: Die Schöpfer verschenken ihre Arbeit.
Auf das, was dann kam, waren Daniel und Silvio nicht vorbereitet: „Wir haben schon erwartet, dass sich jemand meldet. Aber dass es so viele werden . . .“ , sagt Silvio. Täglich trudelten massenhaft E-Mails mit Lob und Verbesserungsvorschlägen ein, Internet-Anbieter fragten an, ob sie das Spiel in ihr Angebot aufnehmen könnten. Computerzeitschriften brannten Blobby Volley auf beiliegende CD-Roms, gefragt und ungefragt. Allein Silvio Mummerts Seite wurde 700 000-mal aufgerufen, erzählt er. Das Spiel gibt es wahrscheinlich millionenfach weltweit in verschiedenen, immer wieder verbesserten Versionen. Die beiden Forster haben Varianten in Englisch, Französisch und sogar Latein geschrieben. Da das Spiel besonders Spaß macht, wenn zwei Leute gleichzeitig gegeneinander antreten, wurde es auf Netz werk -Partys zum Renner.
Der Ruhm, der anfangs schmeichelte, wurde mit der Zeit lästig. Unter die Lobesmails mischten sich Datenmüll und Viren. „Einmal bekam ich 170 Nachrichten in zwei Tagen“ , erzählt Mummert. Das E-Mail-Postfach quillt noch immer über, wichtige Nachrichten können nicht zugestellt werden.
Daniel Skoraszewsky ist heute Informatik-Student an der Cottbuser BTU. Für ihn ist Blobby Volley eine Vergangenheit, an die er nicht gerne erinnert wird. Soll er von dem „Dreck von früher“ reden, wird er wortkarg. Von seinem heutigen Wissensstand aus gesehen sind die Algorithmen des Spieles umständlich geschrieben. „Man muss irgendwann mit so was abschließen“ , sagt er. Mit Spielen hat er heute nichts mehr am Hut. Sein Interesse gilt Compilern, Übersetzer-Programmen für Computer-Sprachen.
Silvio Mummert hat den Spaß am Spiele-Schreiben hingegen längst nicht verloren. Derzeit sitzt er an einem Autorennen. Der gelernte Maurer ist heute arbeitslos. Gleich mehrere Firmen, bei denen er arbeitete, gingen krachen. Der „Blobby Volley“ -Erfolg hat sich für den unverbogenen Forster, der auch eine Fortbildung zum Mediendesigner machte, beruflich nicht ausgezahlt. Es gab keine Jobangebote von Software-Schmieden, kein Honorar für das Spiel. „Man bräuchte einen Chef, der Computerspiele mag“ , sagt Silvio.
Im Keller eines Forster Mietshauses hat er sich einen Computer-Raum hergerichtet. Dort wird gespielt, besprechen die Freunde bei Bier und Zigaretten ihre Projekte. Sascha Mummert und Ronny Skoraszewsky, die Brüder der Blobby-Väter, tüfteln derzeit an einem Aufbau-Strategie-Spiel. Die Lust am Spiel und an der Kreativität ist ihnen geblieben. „Nur manchmal fehlt uns halt jemand, der unsere Ideen auch vermarkten kann“ , sagt Silvio Mummert.
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