| 15:02 Uhr

Brauchtum
Groß Lujas Männer tagen mit „Hohem Gericht“

Das „Hohe Gericht“ des Männervereins aus Groß Luja tagte wieder. In diesem Jahr wurde selbst der Vorsitzende Sören Hannusch zu einer Geldstrafe „verurteilt“.
Das „Hohe Gericht“ des Männervereins aus Groß Luja tagte wieder. In diesem Jahr wurde selbst der Vorsitzende Sören Hannusch zu einer Geldstrafe „verurteilt“. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. In justiziablem Ambiente pflegt der Männerverein seine Tugenden: Zusammenhalt, Freude und das gemeinsame Dorfleben. Von Anja Guhlan

Spremberg  Punkt 17 Uhr: „Wer jetzt nicht da ist, kommt zu spät“, flüstern  einige Männer des Männervereins  „Von der Wiege bis zum Grabe“ aus  Groß Luja, die an den  Sitzungstischen im Gasthof „Georgenberg“ Platz genommen haben. Plötzlich erheben sich alle von ihren Sitzplätzen, denn das „Hohe Gericht“ betritt den Sitzungsaal.

Der Vorsitzende Sören Hannusch, sein Stellvertreter Uwe Kawczynski sowie der Schatzmeister Frank Noack, die in ihre Trachten, den schwarzen Roben, gehüllt sind, nehmen am Vorstandstisch ihre  Stellung ein. Daneben positionieren sich die zwei Henker Hardy Tillack und Gerd Noack.

Dann wird die Hymne des Männervereins angespielt. Sie gleicht der Anne-Marie-Polka von Herms Niels aus dem Jahr 1934. Doch der Text ist ein anderer. Auszugsweise erklingen Sätze, die Vereinsmitglied Michael Kätzmer verfasst hat, wie „Von der Wiege bis zum Grabe  – so steht´s auf unserer Fahne. Mit diesem Brauch hören wir nicht auf“. Der Vorsitzende Sören Hannusch bemängelte nach der gesungenen Hymne die Textsicherheit der Mitglieder. Er appelliert: „Auswendiglernen bis zur nächsten Sitzung“.

Dann folgen während der jährlichen Vollversammlung die Zahlen, Fakten und Ereignisse des letzten Jahres. So hat der Verein, der bereits seit dem Jahr 1935 existiert und den Zusammenhalt im Dorf stärken sowie das Brauchtum des Ortes pflegen möchte, einige wertvolle  Mitglieder im letzten Jahr durch den Tod verloren. „Das Leben gibt – das Leben nimmt – das Leben geht seinen Lauf“, heißt es von Hannusch.

Der Verein mit seinen derzeit 73 männlichen Mitgliedern bedauert  den Verlust und auch, dass es in diesem Jahr keine neuen Anwärter für den Verein gibt. Der Vorsitzende appelliert an die Mitglieder, für Nachwuchs im Verein zu sorgen.  Das Durchschnittsalter liegt derzeit bei 59 Jahren und könnte jünger sein. Das jüngste Mitglied ist Robert Gröger mit 25 Jahren. Als ältestes Mitglied gilt Günter Kuhlee mit 87 Jahren.

Die Aufgaben des Vereins sind klar umrissen: Unterstützung in allen Lebenslagen geben. Eben von der Wiege bis zum Grabe. Dabei setzen die Männer auf Zusammenhalt, Gemeinschaft und teilweise auch auf Humor. So gehört das Zampern zu den großen Aufgaben des Vereins. Sören Hannusch berichtet, dass zur Zampertour im Februar genau 502 Eier, 23 Gläser saure Gurken, zwei Gläser Wurst, 18 Stück Speck, 11 Zwiebeln und ein Stück Käse er-
zampert wurden. Ein großes Eieressen ist also im Anschluss garantiert.

„Nur was wir mit dem Käse  machen, ist noch nicht ganz klar“, witzelt der Vorsitzende. Dieser entschuldigt sich auch gleich, dass er bei der Zampertour geschwächelt hat und bereits um 17 Uhr ausgestiegen ist. Die Mitglieder korrigieren ihn: 16.30 Uhr. Für diesen Fauxpas wird er von den Henkern aufgefordert eine Geldstrafe zu hinterlegen, dem kommt Sören Hannusch auch nach.

Auch von anderen Mitgliedern werden im Laufe der Sitzung Geld-
strafen eingefordert.  Zuletzt werden noch die Termine für das nächste Zampern am 9. März 2019 und die nächste große Vollversammlung am 23. März 2019 bekanntgegeben.

Tabu sind zur gesamten Vollversammlung die Frauen. „Wir sind ein reiner Männerverein“, bemerkt Hannusch. Doch die Frauen im Dorf sind für die Männer ebenso wertvoll, kümmern sie sich meist um die Verpflegung während der Zampertour.

Als Dank für ihre Unterstützung dürfen die Frauen ab 19.30 Uhr dem anschließenden gemeinsamen Fastnachtstanz beiwohnen. Dann sind alle Lujaer vereint. Es wird gemeinsam  getanzt.