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Granate lag direkt am Haus

Im Boden ist sie korrodiert. Dem Familienvater fiel dieses verrostete Metallteil auf.
Im Boden ist sie korrodiert. Dem Familienvater fiel dieses verrostete Metallteil auf. FOTO: dbo1
Spremberg-Trattendorf. Eine deutsche Wurfgranate aus dem Zweiten Weltkrieg hat der Spremberger Daniel Birkner am Dienstagabend bei Bauarbeiten auf seinem Grundstück in der Kraftwerkstraße in Trattendorf entdeckt. Er wollte nach dem Abendessen lediglich die Ausschachtungsarbeiten auf seinem Grundstück ein wenig fortsetzen. Detlef Bogott und Annett Igel-Allzeit / ani/dbo1

"Stück für Stück wollen wir das Fundament besser gegen die Nässe abdichten", erklärt er. Aber dann stieß er gegen 18.45 Uhr auf einen harten Gegenstand. "Zuerst glaubte ich, es sei ein Stein. Hier im Fundament sind Feldsteine verarbeitet worden. Wir haben das Grundstück seit 2014", erzählt er. Erst beim Wegräumen betrachtete er den Fund etwas genauer: Rostig und voll mit Lehm war er, oval und etwa 20 Zentimeter lang. Daniel Birkner, der im Tagebau arbeitet, kennt solche Funde durchaus. Bis heute, so erklärt er, werden auch im Tagebaugelände immer mal wieder Blindgänger gefunden.

Gegen 19 Uhr rief Familie Birkner in der Spremberger Polizeiwache an. Die Polizisten kamen schnell, und Polizeihauptmeister Frank Schulz hat in seinen vielen Dienstjahren schon allerhand Munition gesehen. Er und sein Kollege nahmen deshalb auch gleich Kontakt mit der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder) auf. Dann ging alles sehr schnell.

Der Fundort wurde abgesperrt, selbst Katze und Hund mussten aus Sicherheitsgründen mal für ein paar Stunden auf ihre gewohnte Freiheit verzichten. Kurz nach 21 Uhr kam der Bereitschaftsdienst der Kampfmittelbeseitiger in Trattendorf an. Gegen 22 Uhr konnte die 8-Zentimeter-Granate geborgen werden. Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst war zwar selbst am Dienstagabend nicht dabei, hat sich vom Frankfurter Kollegen aber längst berichten lassen. "Obwohl an der Granate ein seitliches Leitwerk abgebrochen war, war sie am Dienstag, als sie gefunden wurde, noch scharf", so der Experte. Aber diese Wurfgranaten sind transportfähig. "Der Kollege musste sie deshalb nicht vor Ort sprengen, sondern konnte sie in eine Kiste mit Sand betten und mit nach Frankfurt (Oder) nehmen, wo sie gesichert und ohne Mensch und Tier zu gefährden gesprengt werden kann."

Weil auf dem Grundstück in Trattendorf auch Kinder unterwegs sind, so Enrico Schnick, hatte sich der Bereitschaftsdienst zu einer Bergung noch am Dienstagabend entschlossen und war extra aus Frankfurt (Oder) nach Spremberg geeilt. Birkners haben zwei Töchter, die nun in der letzten Ferienwoche noch einmal besonders viel Aufregung hatten. Auch wenn am Dienstagabend alles gut ausgegangen war, hatte sich Familie Birkner auch am gestrigen Mittwoch vom Schreck noch nicht wieder ganz erholt. "Richtig geschlafen haben wir alle nicht", sagt Dana Birkner, die Ehefrau von Daniel Birkner, "wir waren noch viel zu aufgeregt. Allein der Gedanke, dass wir hier drei Jahre über einer Granate gewohnt haben …"

Dass es im Zweiten Weltkrieg auch in Trattendorf zu Kampfhandlungen gekommen war, das weiß der ehemalige Ortsvorsteher Fritz Dubiel, auch wenn er den Krieg nicht hier miterlebt hat. Vom Hermann-Löns-Weg soll sich damals ein langer Panzergraben gezogen haben, weiß der 91-Jährige von anderen.