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Gewoba-Chef gibt sich geheim

Spremberg. Irritiert reagieren mehrere Spremberger Stadtverordnete auf den Bericht des Gewoba-Chefs Roger Preußmann. Sie hatten den Geschäftsführer des kommunalen Vermieters zu ihrer Konferenz am Mittwoch ins Bürgerhaus eingeladen, um zu erfahren, wie die konkreten Pläne des Unternehmens aussehen. René Wappler

Doch Roger Preußmann wollte zu vielen Projekten keine Zahlen und Daten preisgeben. Nun streiten sich die Stadtverordneten über die Frage, ob diese Geheimniskrämerei mit Hinweis auf mögliche Konkurrenten gerechtfertigt ist.

Noch in diesem Jahr beginnt die Gewoba, die Leitung in der Karl-Marx-Straße zu sanieren. Sechs Stellplätze für Rollatoren sieht das Unternehmen in der Dresdener Straße vor. "Wir haben unsere Neuplanung im September abgeschlossen und sind jetzt vollständig handlungsfähig", erklärte Roger Preußmann vor den Stadtverordneten. Doch wie die Planung im Detail aussieht, was es bedeutet, dass der Vermieter handlungsfähig ist — dazu konnten ihm die Kommunalpolitiker im öffentlichen Teil ihrer Konferenz kaum nähere Details entlocken.

So wollte Birgit Wöllert (Die Linke) vom Geschäftsführer des Unternehmens erfahren, wie sich der Bestand an Wohnungen in den vergangenen zwei Jahren entwickelt hat, wie er sich vermutlich künftig gestalten wird — und wie hoch der Anteil unvermieteter Wohnungen ist.

Die Antwort von Roger Preußmann fiel denkbar knapp aus: Er wolle über diese Zahlen nicht in der Öffentlichkeit reden, vielmehr werde er sie dem Protokoll für die Stadtverordneten beifügen, dann allerdings vertraulich.

Da stutzte nicht nur Birgit Wöllert. Auch der Fraktionschef der Nächsten Generation, Benny Stobinski, wunderte sich über die Reaktion des Gewoba-Geschäftsführers. "Manche Hausaufgaben muss man zwar hinter verschlossenen Türen erledigen", sagte Benny Stobinski. "Aber wenn Sie hierher kommen, erwarte ich mehr." Darüber hinaus fehle der Gewoba die große Idee, der große Schritt nach vorn. "Die Gesellschaft wirkt immer noch nicht frisch", erklärte der Fraktionschef. "Da machen Ihnen andere Wohnungsunternehmen etwas vor."

Ebenso überrascht zeigte sich SPD-Fraktionschef Dirk Süßmilch. "Was ich heute gehört habe, ist informativ, aber es stimmt mich keineswegs zufrieden", sagte er. "Als Vertreter des Eigentümers interessieren wir uns dafür, wie wirtschaftlich die Gewoba arbeitet, wie der aktuelle Stand der Sanierung aussieht." Die Informationen zum Leerstand und zur Zahl der Wohnungen gehören nach den Worten von Dirk Süßmilch "an die Öffentlichkeit".

Diesen Aspekt wollte die Stadtverordnete Birgit Wöllert ebenfalls nicht auf sich beruhen lassen. "Ich denke, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, zu erfahren, wie die Entwicklung bei der Gewoba aussieht", sagte sie.

Nur ein Kommunalpolitiker sprang in diesem Moment dem Chef des Unternehmens bei. CDU-Fraktionschef Andreas Bränzel rief in die Runde der Abgeordneten: "Wir stehen in Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, und es gibt durchaus schützenswerte Interessen." Die Stadtverordneten zögen die anderen kommunalen Gesellschaften "auch nicht permanent in den Dreck", merkte Andreas Bränzel an. "Einige Dinge sind zu Recht vertraulich, wenn man etwas entwickeln will, ohne die Pläne gleich der Konkurrenz auf dem Markt preiszugeben.

Gewoba-Chef Roger Preußmann blieb dabei: "Ich kann mit einigen Projekten noch nicht in die Öffentlichkeit gehen." So blieben zum Schluss seines kurzen Auftritts im öffentlichen Teil der Stadtverordnetenkonferenz ebenso viele Fragen offen wie am Anfang.

Die Aufgabe des Geschäftsführers beim kommunalen Vermieter hatte er im Juli 2016 übernommen. Auf diese Position wechselte er damals von der Stabsstelle für Recht, Öffentlichkeitsarbeit und besondere Aufgaben im Rathaus.

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Schon im April versuchte Gewoba-Chef Roger Preußmann vor den Welzower Stadtverordneten mit einer ähnlichen Strategie wie am Mittwoch, so wenig wie möglich über die aktuelle Lage des Vermieters preiszugeben. Er könne nur allgemein bleiben, "da die Presse mit im Raum sitzt", sagte er. Sein Vorgänger Reinhard Lehmann hatte sich da einst offener gezeigt: Um dem Leerstand zu begegnen, sollen bis zum Jahr 2019 insgesamt 230 Wohnungen in Spremberg abgerissen werden, kündigte er an. Die Gewoba trage sich mit dem gleichen Problem wie viele andere Wohnungsunternehmen im Osten Deutschlands: Ältere Mieter ziehen in Pflegeheime um, und jüngere Leute, die in ihrer Heimat keinen geeigneten Arbeitsplatz finden, verlassen die Spremberger Region, erläuterte Reinhard Lehmann, als er Chef der Firma war.