Von Marcel Laggai

Wie reagiert man in einer Ausnahmesituation und verteidigt sich notfalls selbst? Dies versucht Norbert Anspach den Teilnehmern des Selbstverteidigungs-Kursus beizubringen, der aktuell an der Volkshochschule (VHS) in Spremberg läuft. Anspach möchte dabei einfache Grundlagen vermitteln, die die Anwesenden im Fall der Fälle vor körperlichen Schäden bewahren sollen.

Regel Nummer 1: „Einem Angriff geht man bestenfalls immer aus dem Weg“, lautet die Ansage vom Trainer. Ließe sich eine Konfrontation allerdings nicht mehr abwenden, seien ein paar Grundgriffe überaus hilfreich, so Anspach weiter. Gemeint sind Blöcke, Hebel, Fall- und Abwehrtechniken, die der Kurs-Leiter in insgesamt sechs Schulungsstunden an die wissbegierigen Teilnehmer weiterzugeben plant.

Doch bevor es für die Männer und Frauen losgehen kann, steht ein ausgedehntes Warm-up auf dem Plan. „Eine ordentliche Erwärmung ist das A und O, und außerdem müssen die Gelenke geschmiert sein“, sagt Anspach und lässt seine Schützlinge mehrere Runden in der kleinen Turnhalle des Gymnasiums drehen. Hopserlauf, Kniehebelauf, Seitlauf, auf allen Vieren oder rückwärts, rasch beginnt das große Schnaufen und der Schweiß beginnt zu laufen. „Das ist nötig, da man sich aus dem Kalten schneller verletzten kann“, weiß Anspach, der seit 27 Jahren unterschiedlichen Kampfsportarten nachgeht.

Nachdem sich im Anschluss alle sieben Kursteilnehmer hörbar gedehnt haben, geht es zur ersten Lektion über. Dafür spielt der Kampfsportler einen lautstarken Angriff nach, der die Anwesenden zusammenzucken und schreckhaft zurückweichen lässt. „Was kuckste so? Willst wohl Ärger?“ Vom ruhigen Kursleiter zum aggressiven Rowdy, der die Teilnehmer auch bei den Armen packt. Zurückhaltung sei hier fehl am Platz, da es draußen schlimmstenfalls noch härter zur Sache gehen würde, erklärt Anspach, der den Teilnehmern daraufhin einfache Blöcke beibringt.

Schon das kostet die Teilnehmer Überwindung, da sie die Schläge mit ihren Armen abwehren sollen. Mehrfach treffen Knochen auf Knochen, was nicht selten für Schmerzensschreie sorgt. Cindy Petsch, Leiterin der VHS-Regionalstelle Spremberg, beißt sich ebenfalls durch, rechnet aber fest mit ein paar blauen Flecken. „Das gehört ja nun einmal dazu, und außerdem weiß man ja auch, was einen bei solch einem Kurs erwartet“, so Cindy ­Petsch, die regelmäßig auch in andere Kurse der VHS reinschnuppert. Es sei auf jeden Fall interessant, wie man im Extremfall reagiere, heißt es von der Leiterin weiter.

Auch wenn die Kursteilnehmer allesamt bereits kräftig schnaufen und deutliche Zeichen von Körpereinsatz zur Schau tragen, geht der Trainer zum nächsten „Programm-Punkt“ über: zu den sogenannten Vitalpunkten. Das sind Druckpunkte am Körper, die beim Gegenüber mitunter bleibenden Schmerz hinterlassen können. „Diese Punkte sind über den ganzen Körper verteilt und wenn man die beim Angreifer trifft, kann man diesen Schmerzmoment zur Flucht nutzen“, erklärt Anspach, während er ein paar Punkte, etwa am Schlüssel- und Nasenbein oder Kiefer, aufzeigt.

Im „Zweikampf“ werden auch diese Punkte von den Teilnehmern erprobt – alles unter der Aufsicht von Anspach, der mit Nachdruck zur Vorsicht mahnt. Auch Madlen Sommer versucht sich in dem Auffinden dieser Vitalpunkte. Ihr „Gegner“ ist ihre Tochter, die samt Bruder und Vater ebenfalls am Workshop teilnehmen. „Dabei geht es mir weniger um Angst, als vielmehr um die Fitness“, sagt Madlen Sommer, die vor Jahren bereits einen solchen Kurs besucht hat. Darüber hinaus sei es toll, diese Erfahrung mit der Familie umsetzen zu können. „Und außerdem beruhigt es ein wenig das Mutter-Herz“, gesteht Madlen Sommer mit einem Lächeln.

Der Trainer ist indes zufrieden mit den Teilnehmern. „Schon nach der ersten Einheit kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich hier einen recht fitten Kurs habe.“ Allerdings wisse er auch, dass das Gelernte auch über den Kurs hinaus weiter verinnerlicht werden müsse, heißt es weiter. Heißt: Auch in den heimischen vier Wänden sollen die Bewegungsabläufe trainiert werden, die im Zuge der Einheiten stetig erweitert werden. So verweist Anspach darauf, dass demnächst noch das richtige Fallen erprobt werde und auch die Messerabwehr. Bevor es gilt, am Abschluss des Kurses das Gelernte umzusetzen. „Dafür statte ich mich mit Protektoren aus und die Teilnehmer ,müssen’ dann zeigen, was sie bei mir gelernt haben.“