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| 18:27 Uhr

Gewässerschau
Das Staurecht hat nicht jeder – man muss es aber beantragen

 Stauanlage in Sergen: Auch ums sie muss sich seit dem 1. Januar der Gewässerverband Spree-Neiße kümmern.
Stauanlage in Sergen: Auch ums sie muss sich seit dem 1. Januar der Gewässerverband Spree-Neiße kümmern. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Seit diesem Jahr ist der Gewässerverband für mehrere hundert  Anlagen zuständig. Der richtige Umgang kann über Wohl und Wehe entscheiden. Von Annett Igel-Allzeit

Der Gewässerverband Spree-Neiße kümmert sich seit Jahresbeginn auch um die Unterhaltung der Stauanlagen. Wie Verbandsgeschäftsführer Silvio Alich bei der jüngsten Grabenschau der Gemeinde Neuhausen/Spree informierte, sei zwar über 30 Jahre mehr oder weniger richtig gestaut worden. Nun soll aber Ordnung und Struktur in das gesamte System gebracht werden.

Es hängt viel von den Stauen ab: der Wasserhaushalt, die Landwirtschaft, der Naturschutz, die Fischerei, die Schifffahrt auf Seen, die Forstwirtschaft, die Gewässerunterhaltung und nicht zuletzt die Bebauung. Das Aufstauen und Absenken von oberirdischen Gewässern ist eine Benutzung im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes. Eigentümer eines Gewässergrundstücks sind nicht automatisch Inhaber des Staurechts. Und das Staurecht bedarf einer behördlichen Erlaubnis oder einer Bewilligung.

900 Stauanlagen, so Silvio Alich, befinden sich im Gebiet des Gewässerverbandes Spree-Neiße. Rund 400 davon sind vermutlich im Bestand des Verbandes. „Wie viele es genau sind, das versuchen wir gerade mit der Wasserbehörde zu klären“, sagt Silvio Alich. Sicher sei, dass der Gewässerverband zu 190 der 400 Anlagen eine wasserrechtliche Erlaubnis hat. „Weitere 79 haben wir gebaut, sodass wir zumindest das Baurecht haben“, sagt Verbandsingenieur Ulrich Fehlig. Und bei 137 der 400 Stauanlagen im Bestand des Gewässerverbandes ist die Rechtslage noch vakant. Hier müsse geklärt werden, ob doch jemand das Nutzungsrecht hat oder ob es auslief und einfach nicht wieder beantragt wurde, erklärt Ulrich Fehlig.

In der Gemeinde Neuhausen/Spree spielen die Stauanlagen auch für die Landwirte und die Fischereiwirtschaft eine wichtige Rolle. In Gablenz zum Bespiel ist die Feuerwehr an einer gelegentlichen Stauung interessiert, um genug Löschwasser zu haben.

Doch der Gewässerverband und auch die Untere Wasserbehörde Spree-Neiße wollen keine Panik verbreiten: Es habe in der Vergangenheit kaum Grund zur Klage gegeben, sagt Alich. Bis der Gewässerverband Kartenmaterial zur Verfügung stellen kann, dauere es allerdings noch eine Weile. Es werden an die 30 Karten sein, schätzt er. Manche Staue werden nicht mehr gebraucht, andere Staue haben eine große Bedeutung. Er hofft, dass im Juni auf der Internetseite des Verbandes die Karten eingesehen werden können. Mit Farben und Legenden soll der Status der Stauanlage sichtbar gemacht werden. Fakt sei aber, dass zum Beispiel ein Landwirt das Staurecht selbst beantragen muss, wenn er es braucht. Und dass abgewägt werden muss, wenn sich mehrere Interessenten um das Staurecht bewerben. Der Gewässerverband werde nicht selbst auf die Landwirte zukommen. Deshalb will Dieter Perko (CDU), Bürgermeister des Gemeinde Neuhausen/Spree mit seinen Mitarbeitern in der Verwaltung das Thema im Blick behalten. „Auch damit Bürger wissen, die bisher in die Stauanlage eingegriffen haben, dass sie das nicht einfach können“, so Perko.

Erster Schritt, um über die Stauanlagen reden zu können, so Ulrich Fehlig, sei die neue einheitliche Beschriftung. „Wir haben alle Anlagen erfasst. Auf weißen Tafeln gut sichtbar an der Anlage stehen die Kürzel aus Buchstaben und Zahlen. So können wir, wenn uns jetzt jemand zu einer Anlage anruft und dieses Kennzeichen nennt, gleich nachvollziehen, welche Anlage gemeint ist“, sagt Ulrich Fehlig.

Ansonsten gab es zur Grabenschau für Neuhausen/Spree mehr Lob als Kritik. „Der Haasower Durchlass“, so Dieter Perko, „ist eine tolle Idee gewesen, die auch hilft.“ Landwirt Jörg Gläser lobte, dass es mit dem kurzen Draht zum Gewässerverband klappe. Holzungen wurden an mehreren Gräben wie am Grenzfließ in Sergen gefordert – auch weil die Zeit, die der Gewässerverband in einem Jahr der Vogelbrut wegen hat, kurz ist.

 Stauanlage in Sergen: Auch ums sie muss sich seit dem 1. Januar der Gewässerverband Spree-Neiße kümmern.
Stauanlage in Sergen: Auch ums sie muss sich seit dem 1. Januar der Gewässerverband Spree-Neiße kümmern. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit