Von Annett Igel-Allzeit

Was unterscheidet das Grabensystem in Trattendorf vom Grabensystem in Cantdorf? Die Gräben in Cantdorf werden vom Gewässerverband Spree-Neiße nach und nach ertüchtigt. Die ersten Profile sind nachgeformt. Parallel dazu plant und arbeitet das Land am Deich der Spree. Der Binnensee, den die Cantdorfer auch Wiesen- oder Karpfenteich nennen, soll technisch saniert und renaturiert werden. Die Planungsleistungen dazu hat die Stadt Spremberg vergeben.

Vom Trattendorfer Grabensystem jedoch gibt es solche Entwicklungen nicht zu berichten. Egal, ob die Grabengrundstücke als Bauland, Gartenfläche, für die Fernwärmeleitung oder Acker zugeschüttet wurden  – seit Jahren warten Bürger auf eine technische Lösung gegen ihre nassen Keller. Anwohner im Bereich Heimchenweg/Trattendorfer Straße sind besonders betroffen. Aber Gräben, die es bis in die Mitte der 80er-Jahre gegeben haben soll, können nicht einfach ertüchtigt werden.  „Die Gräben hätten nie zugeschüttet werden dürfen“, sagt Marion Schulze-Hanisch von der Unteren Wasserbehörde Spree-Neiße.

Einer der Leidtragenden hat in der jüngsten Gewässerschau in Spremberg, zu der der Gewässerverband Spree-Neiße eingeladen hatte, vorgesprochen. 1993, so erzählt der Senior, sei er in den Heimchenweg gezogen. Ahnungslos, dass er ein „Wassergrundstück“ erworben hatte. „Ganz ehrlich, ich hätte dort nicht gebaut“, erklärt ihm Silvio Alich, Geschäftsführer des Gewässerverbandes. „Und ohne Wanne, die den Keller vor ansteigendem Grundwasser schützt?“, fragt Marion Schulze-Hanisch nach. Der Trattendorfer zuckt mit den Schultern: „Damals hat man das nicht gesehen. Aber jetzt stehen wir im Heimchenweg im Stau. Wir pumpen ständig ab. Fotos gemacht hat die Stadt.“

Während das Grabensystem in Cantdorf nur ertüchtigt werden muss, müsste das Grabensystem in Trattendorf neu geschaffen werden. Mit Planfeststellungsverfahren und Beteiligung aller Betroffenen. Da koste schon die Planung viel Geld. „Wir übernehmen als Gewässerverband gern die Pflege weiterer Grabenkilometer, aber bauen können wir sie nicht“, sagt Ulrich Fehlig, der Verbandsingenieur.

Für die verzweifelten Bürger sei die Stadtverwaltung die richtige Adresse. Und die Stadt müsse sich mit dem Landesamt für Umwelt in Kontakt setzen. Doch die Spremberger Verwaltung ist zur jüngsten Gewässerschau nicht aussagefähig. Der Mitarbeiter aus dem Tiefbau schreibt sich das Problem auf. Vertreter des Trattendorfer Ortsbeirates fehlen.

Den ehemaligen Trattendorfer Ortsvorsteher Fritz Dubiel hatte nach feuchten Kellern und überfluteten Gärten das verschüttete Grabensystem viele Jahre beschäftigt. Er versuchte den Blick der Verantwortlichen in den sächsischen Nachbarort Zerre zu lenken: Dort hatte der Bergbausanierung LMBV ein großes Grabensystem geschaffen, das überschüssiges Grund- und Oberflächenwasser effektiv ableitet. Die LMBV soll 2011 ein Dresdener Unternehmen mit der Untersuchung der geologischen Beschaffenheit in Trattendorf beauftragt haben. 2017 konnte der Gewässerverband immerhin informieren, dass nach einer bezahlbaren Lösung gesucht werde. Anschieben, das stellten Fehlig und Schulze-Hanisch bereits vor zwei Jahren klar, müsse den Bau eines Grabensystems, die Stadt. René Nakoinz (CDU), Ortsvorsteher von Cantdorf, hofft nun für die Tratendorfer, dass sich die Stadtverordneten erneut des Themas annehmen – im Bauausschuss zum Beispiel.  

 Näher gerückt ist eine Lösung für die Wadelsdorfer Teiche, die zuzuwachsen drohen, wie Ortsvorsteher Gerd Piater schildert. „Es gibt eine neue Förderrichtlinie dafür“, sagt Silvio Alich, „den Antrag haben wir bereits eingereicht. Wir müssen nun abwarten, ob wir zum Zuge kommen. Vor August werden wir das nicht wissen.“ Es sei damit zu rechnen, dass mehr Projekte eingehen als Geld im Topf ist. Entscheiden, so Alich, werde die Investionsbank des Landes Brandenburg.