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| 03:03 Uhr

Gesprengte Kirchen "tun immer noch weh"

Spremberg. Bis auf den letzten Platz gefüllt ist der Saal der Spremberger St. Michaelskirche: Rund 60 Menschen, die meisten Ex-Stradower und Ex-Wolkenberger, sind gekommen, um an ihre vor 30 und vor 20 Jahren gesprengten Kirchen zu erinnern. trt1

"Ich bin alte Wolkenbergerin", erzählt Irene Donath aufgeregt. "1961 in unserer alten Kirche getraut, alle drei Kinder dort getauft. Die Kirche war unser halbes Leben", erklärt die rüstige 72-Jährige, die einst im Wolkenberger Ausbau Dollan zu Hause war. Heute lebt sie in Terpe. "Der Abriss von Kirchen ist doch ein ganz schlimmer Frevel." Noch heute gehe sie regelmäßig in die Gottesdienste in Spremberg. Besonders gern in die Auferstehungskirche auf dem Schomberg. Dort wurde Anfang der 1990er-Jahre die umgesetzte Pritzener Kirche wieder aufgebaut. Vom Wolkenberger Gotteshaus blieb der Holzturm erhalten, der über die Kirche in Pritzen am Altdöberner See wacht, dem früheren Tagebau Greifenhain.

Noch gut an das Innere des Wolkenberger Original-Gotteshauses kann sich Beate John erinnern. "Ich war dort zur Christenlehre bei Irene Gerke", erinnert sich die 58-Jährige. "Dabei erschien mir der Altar immer so prunkvoll. Außerdem habe ich noch immer die schönen Wandmalereien im Gedächtnis.

Der frühere Leiter des Spremberger Museums, Manfred Ihle, erinnert sich: "Die Sprengtermine wurden vor der Bevölkerung geheim gehalten." Die Einheimischen seien den Grabungsexperten zunächst mit Skepsis begegnet. "Die Leute sahen anfangs in uns auch Zerstörer", so Manfred Ihle. Später aber hätten viele sogar mit angefasst. Ihle erinnert sich an acht Dörfer in der Spremberger Region, die wegend es bergbaus devastiert wurden. "Und glauben Sie mir", ruft er dem Publikum zu, "das möchte ich kein weiteres Mal tun."