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| 18:50 Uhr

Spremberg
Geschwisterzwist oder Trauer – Familienpaten sind einfach da

Durchstarten zum ersten großen Fest will Kristin Wauer, die neue Spremberger Koordinatorin des  Netzwerkes „Gesunde Kinder“.
Durchstarten zum ersten großen Fest will Kristin Wauer, die neue Spremberger Koordinatorin des Netzwerkes „Gesunde Kinder“. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Das Netzwerk „Gesunde Kinder“ in Spremberg feiert am 17. Mai seinen zehnten Geburtstag.

Das Netzwerk „Gesunde Kinder“ feiert am 17. Mai in mehreren Städten Brandenburgs zehnjähriges Bestehen. Auch in Spremberg begann 2008 in Trägerschaft des Albert-Schweitzer-Familiewerkes Brandenburg das Modellprojekt. Ina Schieke startete damals als erste Koordinatorin mit zehn ehrenamtlichen Familienpaten.

Kristin Wauer, die Sozialarbeiterin, die nun in Ina Schiekes Fußstapfen getreten ist, hat einen dicken Archiv-Ordner auf dem Schreibtisch. Fotos zeigen Ina Schieke mit jungen Müttern,  die ersten Spremberger Babytreffen, der Berg bunter Wolle, die Bürger gespendet hatten, damit Söckchen für die Willkommenspäckchen gestrickt werden konnten. „Seit 2008 hat das Netzwerk 121 Familien betreut“, sagt Kristin Wauer, „35 Familie mit insgesamt 40 Kindern lassen sich aktuell helfen.“

Das Netzwerk nimmt sich Eltern mit Kindern im Alter von bis zu drei Jahren an. Es sei schwerer geworden, Familien, die Hilfe brauchen, zu finden. „Wir haben kein Geburtshaus mehr in Spremberg“, bedauert Kristin Wauer. 13 Paten sind aktiv – zwölf Frauen und ein Mann. „Paten sind das Herzstück des Netzwerkes“, erklärt die 25-Jährige. Ob es um die Gesundheit der Kinder geht, die Ernährung oder die finanzielle Absicherung, die Paten haben Tipps, kennen Ansprechpartner. „Sie ersetzen aber keine Hebamme, sind keine Babysitter. Einige Paten entlasten junge Eltern trotzdem mal für eine Stunde“, weiß Kristin Wauer.

Mutter sei sie selbst noch nicht. „Aber ich war die Älteste von insgesamt fünf Geschwistern. Und das Kind in mir versuche ich mir so lange wie möglich zu bewahren.“ Zudem durchlaufe sie gerade selbst die  Patenausbildung. „Als Koordinatorin der Paten will ich wissen, was dort gelehrt wird und wo Bedarf an Nachschulungen besteht.“

Sie steckt voller Ideen. „Die ständige Patenweiterbildung will ich für Eltern öffnen. Themen wie Geschwisterzwist, Trotzphase oder Trauerbewältigung interessieren nicht nur Paten. Damit Eltern oder Großeltern an einem  Kurs zum Beispiel mittwochs ab 17 Uhr teilnehmen können, haben wir jetzt eine Kinderbetreuung.“ Und eine Art Tobe- oder Bewegungstag will sie gern in Spremberg mit Familien initiieren.  

„Netzwerken“ muss sie ständig – Partner suchen unter Tagesmüttern. in Kindertagesstätten, in Verwaltungen, bei Vereinen, Firmen. Für den Kontakt zur Spremberger Krankenhausgesellschaft, die von Anfang an das Netzwerk unterstützt, bemüht sie sich um einen neuen Ansatz. Auf die Hebammen hofft sie. Bei ihrem Träger Albert-Schweitzer-Familienwerk findet sie Partner in vielen Bereichen,  sie helfen auch beim Familienfest am 17. Mai. Bei Physio-Vital klopft sie an, wenn sich Eltern fürs Babyschwimmen interessieren, bei der AOK, wenn sie eine Ernährungsberaterin braucht. „Und meine Omas kann ich immer fragen“, sagt Kristin Wauer.

Selbst leistet sie gern Überzeugungsarbeit gegen die Wegwerfwindel. „Die Dinger sind praktisch. Aber junge Eltern sehen auch den Müllberg. Wenn uns die Gesundheit der Kinder am Herzen liegt, sollte uns auch die Umwelt und Natur am Herzen liegen. Denn unsere Kinder leben in der Regel noch ein Weilchen länger in der Welt“, sagt sie.

Begeistert von Kindern ist die Sozialarbeiterin. „In den ersten Jahren machen sie täglich Fortschritte. Sie sind unbedarft, entdecken viel“, so Kristin Wauer. Damit Eltern diese oft stressige Phase besser genießen, gibt es das Netzwerk mit den Paten. „Manchmal haben Eltern anfangs ein Problem. Ein Fremder in der Wohnung, sie fühlen sich kontrolliert. Aber die Paten stehen nur bereit und kommen, wenn sie gebraucht werden. Nicht selten sehen Paten ihre Familien in den drei Jahren nur 15 Mal.“

Öffnungszeiten haben Kristin Wauer und Netzwerk-Assistentin Kathrin Tschiche in ihrem Büro in der ehemaligen Poliklinik an der Fröbelstraße nicht. Aber sie sind per Mail unter kindernetz@krankenhaus-spremberg.de und per  Handy 0171 7351094 bereit, Termine zu vereinbaren. Für Familien, die zum Start etwas Hilfe brauchen, und für Menschen, die Kinder lieben und Zeit für ein Ehrenamt oder Ideen haben.