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Verhandlung am Landgericht
Staatsanwalt übergibt eine Akte mit 119 Tatvorwürfen

Spremberg. Prozess um psychisch kranken Beschuldigten aus Spremberg geht weiter.

Eine Mappe mit 119 Tatvorwürfen hat der Staatsanwalt am Donnerstag in einem Prozess am Cottbuser Landgericht an den Vorsitzenden Richter übergeben. Das Gericht verhandelt seit dem vergangenen Sommer über einen 33-jährigen Mann aus Spremberg, dem zu diesem Zeitpunkt 16 Delikte zur Last gelegt wurden: Mehrere Zeugen berichten, er habe ihnen nachgestellt, sie bedroht, angegriffen und ihr Eigentum beschädigt. Die Staatsanwaltschaft stellte bereits den Antrag, ihn dauerhaft in der Psychiatrie unterzubringen.

Ein Ende des Prozesses zeichnet sich nicht ab. Auch der medizinische Sachverständige hat sein Gutachten noch nicht vorgestellt. Am Donnerstag sagte eine Zeugin am Landgericht aus, die dem Beschuldigten in den Jahren 2007 bis 2010 eine Wohnung vermietet hatte: Nach ihren Worten beschimpfte er regelmäßig andere Mieter. Außerdem habe er Sand und Steine mit einer Schubkarre in den Hausflur gebracht und den Inhalt auf der Treppe verschüttet. „Er müsste fachgerecht untergebracht und regelmäßig kontrolliert werden“, sagte die Zeugin über den Mann, der mutmaßlich unter paranoider Schizophrenie leidet.

Die Akte mit den 119 Tatvorwürfen, auf die sich der Staatsanwalt bezieht, umfasst die Zeit vom September 2009 bis Juni 2016. „Für mich war das ein massiver Aufwand“, sagte er. „Die Zusammenstellung hat mich mehrere Arbeitstage gekostet.“ Allerdings gehe aus der Akte hervor, dass sich der Beschuldigte „auf bestimmte Familien fokussiert hat“. Auch etliche Fälle von Sachbeschädigung seien vermerkt: So habe der Beschuldigte mehrmals die Scheiben der Notaufnahme im Spremberger Krankenhaus eingeworfen.

Für eine angeordnete Unterbringung in der Psychatrie legt das Strafgesetzbuch hohe Hürden an: Laut Paragraf 63 kommt die Option nur in Frage, wenn „die Opfer seelisch oder körperlich erheblich geschädigt oder erheblich gefährdet werden oder schwerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet wird“.