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| 19:59 Uhr

Lärmschutz Schwarze Pumpe
Harte Grenzwerte, vage Prognosen

 Der Industriepark Schwarze Pumpe hat mehrere Zufahrten. Der Lkw-Terminal am Nordtor wird größer geplant als die Lkw-Terminals im Süden und am Haupttor des Industrieparks Schwarze Pumpe. Über den Nord-Terminal sollen die meisten Lkw in den Industriepark rollen.
Der Industriepark Schwarze Pumpe hat mehrere Zufahrten. Der Lkw-Terminal am Nordtor wird größer geplant als die Lkw-Terminals im Süden und am Haupttor des Industrieparks Schwarze Pumpe. Über den Nord-Terminal sollen die meisten Lkw in den Industriepark rollen. FOTO: LR / Elisabeth Wrobel
Schwarze Pumpe. Einwohner von Schwarze Pumpe befürchten, mit der geplanten Südanbindung des Industrieparks Schwarze Pumpe noch mehr Lärm  aushalten zu müssen und fordern eine Lärmschutzwand. Doch diese liegt außerhalb des Bebauungsplanes des Südanbindung und wäre ein Sonderbauwerk. Von Annett Igel-Allzeit

Viele Einwohner von Schwarze Pumpe bleiben skeptisch: Sie befürchten, mit der geplanten Südanbindung des Industrieparks Schwarze Pumpe noch mehr Lärm  aushalten zu müssen und fordern eine Lärmschutzwand. Roland Peine ist technischer Geschäftsführer des Wirtschaftsförderers ASG Spremberg und maßgeblich an der Planung der Verkehrsführung für den Industriepark beteiligt. Dass der Ortsbeirat den Plan zur Südstrecke ablehnt, macht ihm Sorgen: „Die Aufgabe, die für unsere Region notwendige Wirtschaftsförderung zu betreiben, dabei aber die Belastung der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten, nehmen wir sehr ernst. Wir sind dazu gesetzlich verpflichtet.“

Der Schwerlastverkehr insbesondere aus den neuen Ansiedlungen wird künftig über die Nordanbindung Richtung Cottbus geführt. „Er hat deshalb nahezu keine Auswirkungen auf die geplante Südanbindung und die davon abgehenden Verkehrswege. Sondern durch die Nordanbindung sind die Dresdener Chaussee und die Franz-Mehring-Straße in Schwarze Pumpe entlastet.“ Für die Südanbindung rechnet Peine im Jahr 2025 täglich mit 3500, 2030 mit 6500 Fahrzeugen.

Im Herbst hatten die Bürger erfahren, dass sie nach der Prüfung zur Umweltverträglichkeit keinen Anspruch auf Schallschutz haben. Bei 56 Dezibel landete der Gutachter, ab 67 Dezibel kommt Lärmschutz infrage. Die Rechnung basiert auf Prognosen.

Roland Peine sagt, dass es mit den Prognosen fürs Verkehrsaufkommen für 2030 nicht einfach sei. Welche Neuansiedlungen kommen tatsächlich? Welchen Firmen gelingt der Umstieg auf die Schiene, wenn der Fracht-Terminal zwischen 2020 bis 2025 gebaut werden kann? Der Lkw-Terminal Nord soll die Nordanbindung, um deren Ausschilderung Monate gerungen werden musste, nicht nur attraktiver machen, sondern sich zum Muss für Zulieferer im nördlichen Bereich entwickeln.

Göran Richter (SPD), Ortsvorsteher von Schwarze Pumpe und Stadtverordneter, erinnerte in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung ans Scheitern am Grenzwert für die Nacht (49 Dezibel) – es ging um Zahlen hinterm Komma. „Auch fahren Fahrzeuge nicht im Durchschnitt. Sondern extrem ist der Schichtwechsel. Ein See ist im Durchschnitt 80 Zentimeter tief, trotzdem ertrinkt die Kuh“, so Richter.

Stadtverordnete quer durch alle Fraktionen ärgert, wie die Auseinandersetzung mit den Anwohnern in Schwarze Pumpe läuft. Benny Stobinski (Nächste Generation): „Die Bürger sind nicht komplett gegen die Südanbindung. Sie betteln nur darum, dass beim Wachsen des Industrieparks nicht vergessen wird, dass sie noch einen halbwegs ruhigen Lebensabend haben wollen.“

Laut Roland Peine wird fürs perfekte Verkehrsmodell im Industriepark an vielen Fronten gearbeitet. Regelmäßig werden Zahlen der An- und Abfahrten bei den Unternehmen abgefragt. Neben den Lkw-Terminals im Süden, am Haupttor und – besonders groß – am Nordtor sollen auf einem Fracht-Terminal die Güterzüge im Industriepark ankommen. „Wir haben einen Partner gefunden, der so einen Cargo-Terminal in zwei Jahren bauen kann“, so Peine. Wichtig seien der dritte Bauabschnitt der Ortsumgehung Cottbus und die „Milau“, die dreispurige Trasse von Bad Muskau über Hoyerswerda, Ruhland durch die Lausitz und Mitteldeutschland bis zur A 38. Autonom fahrende Busse im Industriepark stehen ebenso im Modell wie die bessere Busverbindung zwischen Sprembergs Bahnhof und Industriepark.

Die Lärmschutzwand ist nicht vom Tisch. Wie Sprembergs Baufachbereichsleiter Gerd Schmiedel sagt, liege ihr möglicher Standort nur nicht im B-Plan-Bereich der Südanbindung. Sie sei ein Sonderbauwerk. Er rechnet vorsichtig mit Kosten von „mehreren 100 000 Euro.“