Von Anja Guhlan

Die Fastenzeit ist vorbei. Spätestens jetzt. Denn das erste Streetfood-Festival in Spremberg hat seine Besucher kulinarisch auf eine Weltreise geschickt und mit teils erhöhter Kalorienzufuhr beglückt. Die Zwischenmahlzeit aus dem Verkauftswagen, Steetfood genannt, liegt voll im Trend.

Am Einlass am Pfortenplatz stehen zahlreiche Leute, die sich auf den kulinarischen Weg einlassen wollen. Der Zugang klappt zügig. Für gerade mal drei Euro als Tagesticket und fünf Euro als Wochenendticket bekommt man den Eintritt zur bunten, neuen Streetfood-Welt gewährt.

Riesige Auswahl an Streetfood

Nun schlendern viele der Besucher auf dem Pfortenplatz, umringt von mehr als 40 Ständen. Diese sind jeweils am Rand positioniert, in der Mitte mit gemütlichen Sitzgelegenheiten und genug Bewegungsfreiheit für die Besucher. Viele Gäste entscheiden sich, erstmal ein oder zwei Runden zu gehen, um sich einen Überblick zu verschaffen. So auch Marcus Hubeny (40) und Katrin Lux (32) aus Spohla bei Wittichenau. „Das ist unser erstes Streetfood-Festival, was wir besuchen. Und von der Angebotsauswahl sind wir wirklich überrascht. Es gibt hier wirklich viel. Da kann man sich schwer entscheiden, was man isst“, meint Katrin Lux. Ob russische Tschebureki, spanische Fleischspieße, italienische Pasta im Parme­sanlaib, ungarische Langos, australisches Straußenfleisch, belgische Poffertjes, indische Samosas oder japanische Nudelsuppe – die Auswahl ist riesig.

Wie alteingesessene Streetfooder, die sich meist auf wenige Gerichte spezialisieren, wollen sich die beiden an diesem Tag auch nur auf ausgewählte Gerichte konzentrieren. Qualität statt Quantität lautet das Motto. Am Ende entscheiden sie sich für einen Pulled Pork Burger mit saftig gezupftem Schweinefleisch und einen handgemachten Hot Dog der Extraklasse. Beides schmeckt.

Gulasch vom Krokodil

Gunther Maltusch (59) aus Haidemühl überlegt ebenso reiflich, welche Gerichte er sich an diesem Tag zum Gaumen führt. Als Feinschmecker möchte er etwas Exotisches ausprobieren, also macht er Halt am kenianischen Stand. Er entscheidet sich für Krokodilgulasch. „Es schmeckt sehr zart und etwas nach Hühnchenfleisch. Vor allem die afrikanischen Gewürze, mit denen das Fleisch gewürzt ist, geben dem Gericht den Pfiff“, meint Gunter Maltusch. Er probiert immer wieder gerne etwas Neues aus. Deshalb findet er es toll, dass das Steetfood-Festival auch mal in Spremberg Halt gemacht hat.

Im Gespräch mit der Kenianerin Mary Hänel, die seit sechs Jahren mit ihrem kenianischen Food Truck herumreist, merkt man schnell: Es sind Idealisten mit einem selbst auferlegten Ehrenkodex. Vor allem ehrliches Essen von bester Qualität wird verkauft. Die Anbieter wissen, woher genau die Zutaten stammen, und in Bezug auf die Frische der Produkte werden keine Kompromisse gemacht. „Das Fleisch stammt aus Kenia oder Südafrika, auch die Gewürze sind Mischungen aus meiner Heimat. Alles wird im Truck frisch zubereitet. Ich möchte den Deutschen meine Heimatküche näher bringen, obwohl Krokodil- oder Zebragulasch bei uns nur zu Festen wie Weihnachten zubereitet werden“, erklärt Mary Hänel, die auch eine typisch afrikanische bunte Tracht trägt. „Richtig authentisch“, so das Urteil von Besucher Gunter Maltusch.

Genuss steht bei Streetfood im Vordergrund

Im Prinzip eignet sich jede Speise als Streetfood. Ob warm oder kalt, deftig oder süß. Jedoch anders als beim Fastfood steht beim Streetfood der Genuss im Vordergrund. Das meinen auch Bille Jung (16) und ihre Tante Sirena Müller (54). Sie haben sich für die süße Genussschiene entschieden. Zuerst probieren sie die prall mit Sahne und allerhand Süßigkeiten gefüllten Baumstriezel und im Anschluss soll noch die „Bubble Waffle“ probiert werden. „Wir schlemmen und genießen gerne mal. Beim Streetfood-Festival geht es darum, mal Neues auszuprobieren. Auf Kalorien wird da heute mal nicht geachtet“, so Sirena Müller. Gerade die „Bubble Waffle“, die eigentlich aus Hong Kong stammt, entwickelt sich  in Deutschland zum Trend. Die kugelförmige Waffel aus Ei-Basis wird stets mit Vanilleeis und reichlich Sahne gefüllt. „Das ist dann unsere Leinwand, die wir noch mit verschiedenen Süßigkeiten bedecken“, erklärt die Betreiberin Enikö Gargyan (23).

So kann man bei der „Cherry Lady“ zusätzlich noch Cookies und reichlich Kirschen mit Schokolade erwarten – während der „Schokotraum“ gänzlich überfüllt mit Schokolade ist. „Dieser haut mit fast 990 Kalorien am meisten rein“, meint die Betreiberin.

Viele der Besucher haben am Ende ihrer kulinarischen Reise zwar mehr Hüftgold auf den Rippen, aber sind vollkommen glücklich über die neuen Genusserlebnisse.

Stimmen der Besucher

Jan Garweg (25) aus Spremberg:

„Mein persönliches Highlight beim Streetfood-Festival war eindeutig der Bisonburger. Ich habe mich für den Chessy Bison-Burger mit Büffelmozarella entschieden. Der Burger mit dem Bisonfleisch schmeckt wirklich richtig gut. Auch die Kombination mit dem Büffelmozarella und das herzhafte Topping mit Whiskey-Zwiebel-Chutney und einer zusätzlichen Käsecreme war wirklich ein Genuss.“

Laura Heinze (30) aus Spremberg:

„Ich kann gar keinen persönlichen Höhepunkt benennen. Weil wirklich alles gut geschmeckt hat. Ich habe viel Neues ausprobiert wie die russischen Tschebureki, also eine gefüllte knusprige Teigtasche, einen Straußenburger, einen Wildschweinburger sowie als Süßes noch einen Freakshake und eine Bubble Waffle.“

Lisa Noack (23) und Susanne Steffen (23) aus Spremberg:

„Wir waren total begeistert von diesem rauchenden Eis – Dragon Breath. Das Eis wird wohl mit flüssigem Stickstoff durchtränkt und ist bis zu minus 190 Grad kalt. Wenn man es isst, wird man zu einem ,Drachen’, der weißen Rauch ausatmet. Das mussten wir unbedingt mal probieren und auf Video festhalten. Coole Sache. Der Geschmack war jedoch etwas ernüchternd. Das Eis schmeckt wie kalte Puffreisbällchen und ist leicht süßlich.“

Bildergalerie Erstes Streetfood-Festival in Spremberg