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| 18:28 Uhr

Verkehr fließt im Schneckentempo
Geisterbaustelle ärgert Autofahrer

Aufmacherfoto: Gleich nach der Autobahnauffahrt in Vetschau steht wegen der Baustelle nur noch eine Spur zur Verfügung. Doch sichtbare Arbeiten haben bislang nicht begonnen.
Aufmacherfoto: Gleich nach der Autobahnauffahrt in Vetschau steht wegen der Baustelle nur noch eine Spur zur Verfügung. Doch sichtbare Arbeiten haben bislang nicht begonnen. FOTO: LR / René Wappler
Welzow/Potsdam. Welzower Firma ist auf Autobahn von Vetschau nach Cottbus schon vier Wochen im Verzug.

Seit vier Wochen fließt der Verkehr auf der Autobahn zwischen Vetschau und Cottbus maximal mit Tempo 80. Längst sollte eine Firma aus Welzow damit beginnen, den Asphalt zu erneuern. Nur die Absperrung für die Baustelle steht bereits.

Als Sprecher für Infrastruktur und Verkehr arbeitet Rainer Genilke in der CDU-Fraktion des Landtags mit. Er forderte in der vergangenen Woche, wenn die Baustelle weiter verwaist bleibe, müsste der Vertrag mit der Firma aus Welzow gekündigt werden. Nun sagt er: „Ich will da endlich Vollzug sehen.“ So verlangt er, dass die Firma die Absperrungen wieder entfernt, insofern sie die Arbeit nicht fortsetzen kann. „Dann wird zwar eine neue Ausschreibung nötig“, sagt Rainer Genilke. „Aber es kann ja nicht sein, dass wir den ganzen Sommer mit 80 Stundenkilometer diese eingerichtete Baustelle entlangfahren, auf der nichts passiert.“ Das brandenburgische Verkehrsministerium sei in der Pflicht, eine Entscheidung zu treffen – auch wenn das Entfernen der Absperrung erneut Geld koste. So plädiert Rainer Genilke dafür, im Ernstfall Schadensersatz von der Firma zu fordern. Schließlich sei es „ein unhaltbarer Zustand, wie mangelhaft Cottbus derzeit mit Berlin verbunden ist“.

Laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 passierten 22 300 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden den Abschnitt der Autobahn zwischen Vetschau und Cottbus-West. Der Anteil von Lastkraftwagen lag bei 18 bis 19 Prozent. Zum Vergleich: Die Bundesstraße zwischen Cottbus und Spremberg verzeichnet nicht einmal die Hälfte dieses Verkehrsstroms.

Auch die Welzower Rathaus-Mitarbeiter widmeten sich am Montag in ihrer Dienstberatung der Geisterbaustelle auf der Autobahn. Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) sagt: „Wir unterstützen die Firma mit all unseren Kräften, zumal sie sich derzeit neu ausrichtet. Schließlich sind mit ihr auch viele Arbeitsplätze in unserer Stadt verbunden.“

Die Welzower Firma beschäftigt nach eigenen Angaben ungefähr 70 Mitarbeiter. Zu ihren Geschäftsfeldern zählen der Bau von Straßen und Autobahnen, der Einbau von Asphalt und Tiefbauarbeiten. Außerdem nahm die Firma bereits Erdarbeiten für Unternehmen wie die Lausitz Energie Bergbau AG und die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft in Welzow und Jänschwalde vor.

Bis zum Jahr 2016 gehörte die Straßen- und Tiefbau Welzow GmbH zur Unternehmensgruppe Nowotnick. Im Jahr 2017 wechselte sie zur Aronco-Gruppe, zu deren Referenzen das Sichern der Böschung am künftigen Klinger See zählt.

Die RUNDSCHAU richtete am Montag eine Anfrage zum Verzug auf der Autobahnbaustelle an die Straßen- und Tiefbau Welzow GmbH. Darauf folgte die Antwort: „Wir äußern uns zu den sehr vielschichtigen und komplexen Vorgängen zwischen dem Auftraggeber und uns nicht.“

Auch die Pressestelle des brandenburgischen Verkehrsministeriums teilte am Montag noch nicht mit, wie es nun auf dem Abschnitt zwischen Vetschau und Cottbus weitergehen soll. Ministerin Kathrin Schneider (SPD) hatte im jüngsten Fachausschuss des Landes erklärt: Erst wenn davon auszugehen sei, dass der vorgesehene Fertigstellungstermin nicht mehr zu halten sei, könne man weiter gegen das Unternehmen vorgehen. „Wir müssen die Eskalationsstufen Schritt für Schritt umsetzen, um rechtssicher zu handeln.“

Ungefähr 180 Millionen Euro werden der Ausbau und die Reparatur der Autobahnen im Land Brandenburg nach Angaben der Landesregierung bis zum Jahr 2023 kosten. Eine Fahrbahn mit Schwarzdecke hält zwölf bis 15 Jahre, bis eine Reparatur nötig wird. Auf der Strecke von Bademeusel über Cottbus nach Berlin ist dieser Zustand bereits eingetreten.

Indirekt betrifft die Baustelle auf der Autobahn auch die Stadt Vetschau. Wie das Ordnungsamt mitteilt, bleibt ein Parkplatz in der Nähe der Auffahrt noch bis zum September gesperrt. Die Fläche werde für die Baumaschinen benötigt, die Teile der Autobahn in der Richtung nach Cottbus sanieren sollten.