Mittlerweile 14 000-mal ist der allererste Eintrag der Facebook-Seite aufgerufen worden. "Es war eher spontan, damit nicht irgendwelche Gerüchte aufkommen", sagt Jeanette Nousch zur Idee. In Absprache mit der Lebensgefährtin von Ronny. Aber ihr Ziel war auch: "Es sollte eine Plattform werden, auf der Freunde sich erinnern können." Das haben inzwischen viele getan, aber auch Kollegen, Menschen aus Spremberg, die Ronny B. nur flüchtig kannten, sowie andere.

Auch zum Schutz gedacht

Mit der Seite verbunden war auch noch ein anderes Ziel: die Lebenspartnerin vor allzu viel Trubel abzuschirmen, ihr Ruhe zu verschaffen, gleichzeitig aber auch um Unterstützung für sie zu bitten. Denn mit dem 38-jährigen Ronny B. ist auch der Haupternährer für seine Freundin und deren Tochter weggefallen, erklären Annett Laux und Jeanette Nousch.

Mit Offenheit gegen Zweifel

Spätestens, seit ein Hinweis dazu im Fernsehen lief, wurde die Seite auch über die Stadt hinaus bekannt. Aber sie rief auch Zweifler auf den Plan. Annett Laux sah sich auch Fragen ausgesetzt, die an ihrem Anliegen zweifelten. Deshalb gab sie auch mehr von sich preis. Nun sucht sie erst einmal nach einem Verein, über den die Spendenaktion eventuell laufen könnte.

Dass Hilfe notwendig ist, daran lassen die beiden Freundinnen der Hinterbliebenen keinen Zweifel. "Bevor alles andere greift, kann es bis zu einem Jahr und länger dauern", befürchtet Annett Laux. Auf jeden Fall sei ein Ziel erreicht: Viele hinterließen ihre Beileidsbekundungen dort, damit die Familie des Verstorbenen etwas zur Ruhe kommt.

Dafür haben die Anfragen bei Annett Laux zugenommen, die mit Namen und Adresse für die Seite steht. Nicht alle Fragen hat sie bislang beantwortet, vor allem von Medien, nicht alle Beiträge bislang gelesen, sagte sie am Freitagnachmittag. Sie ist berufstätig, alles eine Frage der Zeit also. Mit einer großen Resonanz habe sie gerechnet, aber nicht in dieser kurzen Zeit. Die Reaktionen seien aber überwiegend positiv. Wie bei dem Nachbarn, der bei Annett Laux mit 20 Euro vorbeikommt. Seit dem späten Freitagnachmittag hat sie fast ständig Anfragen von potenziellen Spendern. "Das freut uns sehr, dass so viele Leute helfen wollen." Was tatsächlich kommt, das wird die 45-Jährige mit dem nächsten Kontoauszug erfahren.

Die Betroffenheit über das Unglück ist groß. Auch Josef Rabel aus Schwarzheide hat in der RUNDSCHAU von dem tragischen Unglück gelesen. Der 88-Jährige war selbst jahrzehntelang Lokführer. Jetzt würde auch er der Familie aus Spremberg mit einer Geldspende helfen. "Das ist ja nicht nur das besondere Mitgefühl. Ich will damit auch ein Zeichen setzen", sagt Josef Rabel. Im ehemaligen Tagebau Klettwitz hatte er von 1956 bis 1982 eine 100-Tonnen-Lok im Abraum-Betrieb gesteuert. Andere Eisenbahner-Kollegen haben im sozialen Netzwerk mit einem Wechsel ihres Profilbildes reagiert. Darauf steht das Datum des Unglücks, der 9. Februar, und die Nummern der beiden verunglückten Züge. M 79505 und 79506.

Zum Thema:
Nach der Zugkatastrophe von Bad Aibling schweben weitere Opfer in akuter Lebensgefahr. "Es ist leider so, dass einige in einem kritischen Zustand sind", sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Es stehe zu befürchten, dass nach dem elften Todesopfer vom Vortag noch weitere Menschen den Kampf um ihr Leben verlören. In einem ökumenischen Gottesdienst soll in Bad Aibling an diesem Sonntag der Opfer gedacht werden. dpa/bob