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Gedanken zur neuen Tourismusbroschüre

Leserbrief. Jörg Wiencken aus Spremberg schreibt zum Erscheinungsbild der Spremberger Broschüre:Jeden Tag, wenn ich in die Mittagspause gehe, komme ich an den Bänken hinter unserer Kreuzkirche vorbei. Dieser Tage rief mich ein kleines Büchlein flehentlich um Hilfe an.

Ich sah es auf einer Bank liegen, die dicken Blätter flatterten lustlos im Wind. Also setzte ich mich dazu, es war die neue Tourismusbroschüre. Auf meine Frage, was sie denn von mir wolle, bekam ich diese Antwort. Achtlos sei sie liegen gelassen worden, bin wohl nicht interessiert genug, klagte sie. Ob ich sie kenne, und wenn ja, was ich denn nun von ihr halte, will sie wissen. Hier nun dazu meine Gedanken.

Die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt haben es nicht verdient, mit so kleinen Bildern präsentiert zu werden. Sie wirken dadurch etwas flach und deren Schönheit kommt nicht zum Tragen, der Gesamteindruck wirkt nicht. Bilder, Bilder, Bilder sind hier das Motto, natürlich in einem größeren Format. Auch Innenaufnahmen, schöne Fassaden, Backsteinbauten und Villen gehören dazu. Wir haben tatsächlich viele Perlen. Man überlässt es vielen Firmen, Texte in ihrem Sinne zu verfassen. Das ist durchaus legitim, aber das Heft ist davon überladen. Hochachtung vor der Arbeit dieser Firmen, ich bin selbst Kunde von einigen. Aber die Touristen, um die es hier wirlich geht, interessieren diese Diagramme und die nicht zum Thema Tourismus passenden Texte wohl kaum.

Es ist nicht die Aufgabe einer solchen Publikation, dass ansässige Firmen um Arbeitsplätze werben. Sieben von 28 Seiten gehen an der Sache vorbei - schade. Die Querverweise auf das Kraftwerk und den Tagebau auf den vorherigen Seiten sind vollkommen ausreichend.

Unsere Besucher tragen ihre Erlebnisse und Eindrücke in ihren Köpfen nach Hause. Sie erzählen von einer schönen Stadt und geben bebilderte Informationen gern weiter. Bei dieser Broschüre bin ich nicht ganz sicher, ob es funktioniert. Warum ich denn so vorlaut bin, fragt mich mein einsamer Nachbar.

Ach so, das Heftchen habe ich mitgenommen, es kann ja nichts dafür.