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Geburtshaus schließt für immer

Newborn baby girl right after delivery, shallow focus
Newborn baby girl right after delivery, shallow focus FOTO: Kati Molin (26329542)
Spremberg. Das Geburtshaus am Spremberger Krankenhaus wird Ende Juni seine Pforten schließen. Die Nachricht trifft die Kommunal politik völlig unerwartet. "Das ist traurig und katastrophal für unsere Stadt", so der einhellige Tenor im städtischen Bildungs- und Sozialausschuss. Catrin Würz

Künftig wird es also keine "gebürtigen" Spremberger mehr geben. Denn ab 1. Juli wird - mit Ausnahme von Hausgeburten - kein neuer Erdenbürger mehr Spremberg als Geburtsstadt in seiner Geburtsurkunde vermerkt haben. Ende Juni schließt das seit zehn Jahren von einer Hebammen-Gemeinschaftspraxis geführte Geburtshaus in den Räumen des Spremberger Krankenhauses. "Wir sind selbst darüber am meisten betrübt, aber wir hatten keine andere Wahl", erklären die Hebammen Martina Leschin und Anette Fiebiger.

Zuletzt hatte es im Geburtshaus an der Fröbelstraße nur noch etwa 40 bis 50 Entbindungen pro Jahr gegeben. Davon waren jeweils nur zirka sieben bis neun Mütter pro Jahr wegen einer Komplikation vom Geburtshaus stationär auf der Gynäkologischen Abteilung des Spremberger Krankenhauses aufgenommen worden. Dass dies möglich war, regelte ein Kooperationsvertrag zwischen den Ärzten und den Hebammen. "Für viele werdende Mütter war dies ein wichtiger Aspekt, sich sicher zu fühlen", bestätigt Martina Leschin.

Doch genau dieser Kooperationsvertrag kann nun nicht verlängert werden. "Das hat mit den viel zu geringen Fallzahlen zu tun", sagt Krankenhaus-Geschäftsführerin Kathrin Möbius. Weil die Spremberger Gynäkologen bei der Geburtshilfe nur so selten zum Einsatz kommen, fehlt ärztliche Routine, die für die hohen Leistungsstandards der Ärzte jedoch eine Grundvoraussetzung ist. "Im Prinzip können wir dieses Leistungsspektrum zur Geburtshilfe nicht mehr abdecken, weil wir es nicht sicher leisten können", erklärt Kathrin Möbius. Aus diesem Grund sei der Kooperationsvertrag mit den Hebammen aufgelöst worden.

Schweren Herzens, wie Kathrin Möbius bestätigt. Ist doch das Geburtshaus zugleich ein Symbol eines einst erbittert geführten Kampfes um die Zukunft des Krankenhauses. 2002 sollte Spremberg laut dem damaligen Landeskrankenhausplan seine gynäkologische Abteilung verlieren. Das hatte massive Proteste der Bürger hervorgerufen. Letztlich konnten für das Spremberger Haus die gynäkologischen Operationen gerettet werden, nicht aber die Entbindungsstation. In deren Räumen entstand stattdessen 2005 das von freien Hebammen betriebene Geburtshaus.

Das kurz vor dem Zehn-Jahre-Jubiläum nun vor dem Aus steht. "Schade, dass den Frauen die Alternative zur Klinikentbindung künftig genommen ist", sagt Hebamme Anette Fiebiger. Denn die Frauen und Familien, die sich für die individuelle Entbindung in einem Geburtshaus entscheiden, tun dies sehr bewusst und aus tiefer Überzeugung.

Das Ende des Spremberger Geburtshauses bedeute aber nicht das Ende der allumfassenden Betreuung werdender Eltern in der Stadt Spremberg. "Unsere dreiköpfige Hebammenpraxis wird weiterhin alles das anbieten, was unser Berufsstand so macht", sagt Martina Leschin. Vom Geburtsvorbereitungskurs über Beratung und Vorsorge bis zur Wochenbettbetreuung, Rückbildungsgymnastik und Babymassage wird das Hebammen-Trio Martina Leschin, Anette Fiebiger und Annette Preussler auch weiterhin für werdende Eltern da sein.

Zum Thema:
Die Statistik für das Geburtshaus Spremberg weist folgende Zahlen der vergangenen fünf Jahre aus: 2010: 67 Geburten im Geburtshaus (davon 9 stationäre Entbindungen im Krankenhaus)2011: 70 (9)2012: 51 (7)2013: 48 (7)2014: 44 (5)