Der Landkreis ist Träger des Rettungsdienstes in Spree-Neiße, diese Pflichtaufgabe hat er nach Prüfung mehrerer Anbieter in diesem Jahr der Arbeitsgemeinschaft Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) übertragen. Jedoch können weder Kreis noch DRK frei über die Höhe der Gebühren für den Rettungsdienst entscheiden. Die Kalkulation erfolgt nach einer landeseinheitlichen Kosten- und Leistungsrechnung, auf die sich die Interessenvertretungen der Krankenkassen und der Kommunen einigen. Prinzip ist dabei, dass der Rettungsdienst kostendeckend zu arbeiten hat. Wird er in Anspruch genommen, dann wird das über Gebühren dem Unfallopfer beziehungsweise dessen Sozialversicherungsträger oder seiner Versicherungsgesellschaft in Rechnung gestellt.
Nach neuer Satzung wären für die die Inanspruchnahme eines Rettungstransportwagens für die Notfallrettung 487,30 Euro zu bezahlen. Bisher waren das 546,60 Euro. Muss ein Notarzteinsatzfahrzeug mit vor Ort sein, kostet das 220,20 Euro oder 373,20 Euro einschließlich der Leistung des Arztes (bisher 400,10 Euro). Als Einzelpauschale für das Anfordern des Notarztes sind im Entwurf der Gebührensatzung 153 Euro (bisher 151 Euro) festgeschrieben. Wird ein Notarztwagen mit Notarzt gerufen, dann stehen mit neuer Satzung 640,30 Euro zu Buche, wo heute noch 697,60 Euro zu zahlen sind. Auch das Kilometerentgelt für die Einsätze, das separat zu zahlen ist, reduziert sich - von jetzt 43 Cent pro angefangenem Kilometer auf dann 39 Cent.
Zur Verringerung der Kosten für Rettungseinsätze habe aber auch das neue Arbeitszeitgesetz beigetragen, erklärt Brunhild Krautz, Sachgebietsleiterin Rettungsdienst beim Landkreis. Das Personal darf danach nur noch 48 Stunden in der Woche im Dienst sein statt früher bis zu 49 Stunden bei den Johannitern und bis zu 54 Stunden beim DRK, wobei jetzt auch zwingend festgelegt ist, dass die Bereitschaftszeit gleichzeitig auch reguläre Dienstzeit sein soll.
Auch in Spree-Neiße entstand damit ein Mehrbedarf beim fahrenden Rettungspersonal. Waren 2004 noch 99 Stellen ausreichend, so müssen es 2006 schon 106 sein. Diese 12,6 zusätzlichen Stellen machen aber lediglich einen finanziellen Mehraufwand von 83 800 Euro aus, wie die Kreisverwaltung errechnet hat. Denn gleichzeitig sei durch das neue Arbeitszeitregime für 2006 eine Senkung der Zuschlagszahlungen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit um immerhin 131 000 Euro zu erwarten. Ebenso fielen ab 2006 Zahlungen für Verpflegungsmehraufwand in Höhe von 22 000 Euro weg.
Sollte die Prognose des Landkreises im kommenden Jahr aufgehen, dann bleiben die Gebühren auch weiterhin unten. Falls nicht, müsste möglicherweise für 2007 wieder nachgebessert werden. Auch diesmal ist in den geplanten Gesamtkosten für den Rettungsdienst im Jahr 2006 in Höhe von rund 6,14 Millionen Euro eine Defizit-Summe von 271 000 Euro enthalten, die mit der Neufassung der Gebührensatzung verrechnet wird. Dabei handelt es sich zum einen um Gebühren, die im Jahr 2004 nicht mehr eingetrieben werden konnten, zum anderen um kalkulatorische Ausfälle durch ausgebliebene Einsätze im Vergleich zum Planansatz.

Hintergrund Steigende Zahlen
 Die für das Rettungswesen im Landkreis Spree-Neiße zuständige Sachgebietsleiterin Brunhild Krautz leitet die Wahrscheinlichkeit einer Zunahme von Rettungseinsätzen aus dem Vergleich der beiden ersten Halbjahre 2004 und 2005 ab. Da hatte es 2004 von Januar bis August 5472 Fälle gegeben, in denen ein Rettungstransportwagen hatte ausrücken müssen, in diesem Jahr waren es im gleichen Zeitraum 5970. Eine Steigerung um neun Prozent. Das Notarzteinsatzfahrzeug, dass den Arzt an den Unfallort bringt, war im ersten Halbjahr 2004 insgesamt 2088 mal unterwegs, in diesem Jahr aber bis August bereits 2312 mal. Ein Anstieg von 10,7 Prozent.