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| 03:04 Uhr

Gastredner Niko Paech fordert bei Klimacamp nachhaltiges Leben

Volkswirtschaftler Niko Paech beim Lausitzer Klimacamp.
Volkswirtschaftler Niko Paech beim Lausitzer Klimacamp. FOTO: trt1
Proschim. Der Oldenburger Volkswirtschaftler Niko Paech hat sich beim Lausitzer Klima- und Energiecamp 2013 in Proschim für ein Ende des herkömmlichen Wirtschaftswachstums ausgesprochen. Würde ein Großteil der Menschen nach dem Prinzip "weniger ist mehr" leben, hätte sich auch die Frage nach einem Tagebau Welzow-Süd II erledigt. Torsten Richter/trt1

Die von der Bundesregierung angepriesene Energiewende bezeichnete Paech als "verlogen". Zwar würden mittelfristig die Kernkraftwerke in Deutschland abgeschafft. Dafür seien aber bis zum 2020 neue Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 14 Gigawatt geplant. Hinzu komme, dass Deutschland allein im Jahr 2010 acht Millionen Tonnen Kohle aus Kolumbien importiert hat. Unter dem Beifall hunderter Zuhörer erklärte Paech, das größte Kapital des Menschen sei nicht etwa "Kohle" im doppelten Wortsinn, sondern Zeit. Denn verlorene Zeit könne durch kein Geld der Welt ersetzt werden.

Der Wissenschaftler regte an, zukünftig mehr auf regionale Wirtschaftskreisläufe zu setzen als auf umweltschädliche globale Prozesse. Insbesondere müssten sich die Menschen in ihren Ansprüchen zurückschrauben, glaubt der Oldenburger. "Wer immer neue Dinge kauft, kann diese gar nicht mehr genießen", erklärte Paech. Und weiter: "Die materiellen Bedürfnisse der Menschen in unserem Land sind mehr als befriedigt. Inzwischen gibt es sogar einen Konsum-Burn-out." Der Mensch könne die unzähligen Reize gar nicht mehr in seinem Gehirn verarbeiten. "Schließlich ist dieses Körperteil seit der Steinzeit nicht mehr gewachsen", begründete Niko Paech augenzwinkernd.

Statt auf wirtschaftliches Wachstum setzt der Oldenburger Volkswirtschaftler vielmehr auf die Stärkung zwischenmenschlicher Beziehungen und auf regionales Handwerk. Ein Punkt, den mehrere Lausitzer sofort unterschreiben würden. Beispielsweise auch Petra Franz aus Neupetershain: "Ich habe die schweren Nachkriegsjahre miterlebt. Damals stellten meine Eltern vieles selbst her. Und wir haben trotzdem nicht wirklich schlechter gelebt", erinnerte sich die heute 69- Jährige. Das konnte Marianne Kapelle aus Proschim nur bestätigen: "Wir jedenfalls brauchen keine Erdbeeren zu Weihnachten. Wären diese Produkte im Supermarkt nicht so billig, würden sich viele sicher wieder auf ihren eigenen Garten besinnen."