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| 01:45 Uhr

Für die neue Waldgeneration

Sebastian Freiherr von Rotenhan (5.v.r.) erklärt waldbauliche Maßnahmen in seinem Revier. Foto: Torsten Richter
Sebastian Freiherr von Rotenhan (5.v.r.) erklärt waldbauliche Maßnahmen in seinem Revier. Foto: Torsten Richter FOTO: Torsten Richter
Reuthen. Etwa 60 Forstleute und Naturschützer haben sich auf Einladung der Landesgruppe Brandenburg des Vereins „Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft“ (ANW) das Privatwaldrevier des Freiherren von Rotenhan bei Reuthen angeschaut. Im Herzen des Muskauer Faltenbogens werden dort seit fast einem Jahrzehnt großflächig monotone Kiefernforsten mit zu artenreichen Mischwäldern umgewandelt. Laut Sebastian Freiherr von Rotenhan ist dies nur mit dem Prinzip „Holz schlagen und schießen“ möglich. Von Torsten Richter und Annett Igel

Erstaunt reiben sich Forstleute die Augen. Was ihnen im Wald zwischen Reuthen, Friedrichshain und dem Felixsee geboten wird, passt nicht ins Klischee der eintönigen Kiefernbestände der Lausitzer Heide. Im Schutz der Kiefernkronen wächst eine neue Waldgeneration heran. Vor allem junge Eichen, auch Birken, Ebereschen und Rotbuchen zeigen eine erstaunliche Wuchskraft. Die Krautschicht bilden zumeist Heidel- und Preiselbeeren sowie die Calluna-Heide. „Das hat uns alles der liebe Herrgott geschenkt“, erklärt Sebastian Freiherr von Rotenhan. Einiges wurde laut Förster Frank Hartig auch angepflanzt: die Douglasien und die Esskastanien beispielsweise.

Aus den vorherigen Kiefernreinbeständen sei im vergangenen Jahrzehnt viel Holz geerntet worden, insgesamt 92 000 Festmeter. Das dadurch erhöhte Lichtangebot habe zu einer „Explosion“ der Naturverjüngung geführt, sagt Rotenhan. Darüber hinaus habe er das Wild mit der Büchse „kurzgehalten“, damit es die Bäumchen nicht flächenweise abfrisst.

Auf der Exkursion sahen die Teilnehmer keine gezäunte Fläche mehr. „Wir verjüngen den Wald großflächig und jagen intensiv“, begründet von Rotenhan. Dadurch hätten die Rehe den Kampf „verloren“. Fünf Rehe pro Hektar, so schätzt Frank Hartig nach dem Verbiss ein, lebten hier noch auf jedem Hektar Wald.

Zudem tragen auch die Böden im Muskauer Faltenbogen erheblich zum guten Waldwachstum bei, erklärt Standortserkunder Martin Grüll. Es handele es sich zwar um „arme bis ziemlich arme“ Standorte, aber die ausreichende Wasserversorgung durch Kohlensubstrate sorge für die Vitalität des Waldes. Außerdem sei das Gebiet klimatisch begünstigt. Bis zu 650 Millimeter Niederschlag würden pro Jahr fallen, der Niederlausitzer Durchschnitt bewege sich bei etwa 589 Millimetern.

Im Jahr 2000 hatte Sebastian Freiherr von Rotenhan den Forstbetrieb in Reuthen mit einer Flächengröße von 1856 Hektar von der Treuhand erworben. Im Jahr 2005 sei eine kleinere Waldfläche bei Weißwasser hinzugekommen. „Kein anderer wollte damals den Wald in Reuthen haben“, erinnerte sich von Rotenhan. Mit einem Förster und Fremdfirmen werde der Wald bewirtschaftet. Die Ergebnisse freuen sogar die Naturschützer: „Es war damals höchste Zeit, dass der Freiherr von Rotenhan diese Forsten übernommen hat. Ich bin absolut begeistert von den Waldbildern mit ihrer Artenvielfalt“, schwärmt Wieland Böttger vom Nabu-Regionalverband Spremberg.

Aus der Nähe von Zossen (Teltow-Fläming) angereist war Sven Baranowski. Der Maschinenbauingenieur und Hobby-Förster sowie Imker konnte sich einen Waldumbau á la Reuthen für seinen knapp 100 Hektar großen Forst auch vorstellen. „Aber bei mir würden die Bäumchen ohne Zaun nicht wachsen. Es ginge nur auf kleinster Fläche“, sagte er.

„Der Rotenhansche Forstbetrieb lässt sich auf die einfache Formel ,Holz machen und schießen‘ reduzieren. Und es funktioniert“, sagt Dirk Riestenpatt von den Berliner Forsten. „In einer Wuchshöhe von null bis 30 Metern wollen wir alles mit Grün ausfüllen“, bestätigt Frank Hartig. Auch die Teiche, die durch den Grundwasseranstieg entstehen, beobachtet der Förster. „Sie sind zuerst sehr sauer, aber hier entwickelt sich bereits eine Uferbewachsung“, sagt Hartig. Einer der Forstleute, die mit Hartig über den Teich schauen, nickt: „Da fehlt nur noch ein Elch.“