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Spremberg
Auf Krautschau am Schloss

Romy Walther (l.), Anja Senftleben und Anke Dobbert (r.) verbindet der Heilkräutergarten am Schloss in Spremberg.
Romy Walther (l.), Anja Senftleben und Anke Dobbert (r.) verbindet der Heilkräutergarten am Schloss in Spremberg. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Für Heilkräutergarten starten Turmapotheke und Heidemuseum neue Veranstaltungsreihe.

Drei Löffel Salz aus dem Toten Meer, Johanniskraut, Lavendel, zwei Tropfen ätherisches Öl zum Beispiel vom Rosmarin – schon wackeln die Zehen im warmen Fußbad. Zugegeben, der Ort ist ungewöhnlich, gesteht Romy Walther, Mitarbeiterin des Niederlausitzer Heidemuseums.  Fußbäder im Festsaal des Kulturschlosses Spree-Neiße in Spremberg habe es noch nicht oft gegeben. Aber sie hat mit Anke Dobbert und Anja Senftleben von der Spremberger Turmapotheke Utensilien für eine gemütliche Atmosphäre zusammengetragen. Die Waschschüssel aus Porzellan mit Kanne aus Urgroßmutters Zeiten, ein Paravan, ein Herbarium, alte Kräuterbücher.

Seit 2001 kümmert sich die Turm­apotheke um den Kräutergarten. Nach den ersten Jahren in der August-Bebel-Straße zogen die Pflanzen im Herbst 2008 auf die bäuerliche Hofanlage am Schloss um. Er wurde Teil des Museumsprogramms. Doch trotz des Trends, zu natürlichen Heilmethoden zurückzukehren, ist es nicht einfach, das Interesse am Heilkräutergarten wach zu halten. Mit neuen Ideen wollen das Museum und die Apotheke die Neugier ankurbeln. Das Fußbad unter dem Motto „Entspannt ins neue Jahr“ war der Auftakt für eine  ganze Veranstaltungsreihe.

Auf der Fläche von rund 500 Quadratmetern wachsen über den Frühling, den Sommer und den Herbst bis zu 120 Pflanzen. „Wir schauen uns mit den Besuchern die Blüten an, reiben an den Blättern, um den Duft zu erkennen, vergleichen die Pflanzen“, so Romy Walther. Doch im großen Stil geerntet wird am Schloss nicht. Wenn die Turm­apothekerinnen oder das Museums-Team den Besuchern für Quark, Essig oder Öle Kräuter bereit legen, kommen sie aus dem kontrollieren Anbau für den Handel. „Ein Reinheitsgebot gibt es nicht nur für Bier oder Wasser, sondern auch für Heil- und Küchenkräuter. Denn wir können hier in unserem Garten den Fuchsbandwurm nicht ausschließen“, erklärt Romy Walther.      

Sechs Frauen sind ins Schloss gekommen, um sich über Kräuter auszutauschen. Schon beim Fußbad wird im Gerspräch mit Anja Senftleben und Anke Dobbert klar, dass die Besucherinnen viel Heilpflanzen- und Küchenkräuterwissen mitbringen. Über die antibakterielle Wirkung von Lavendel wird gesprochen, dass in Marmelade nicht nur Pfefferminze, sondern auch Lavendel überraschen kann, und dass der Aufguss einer Ingwerwurzel-Scheibe mit Pfefferminze, Honig und Zitrone nicht nur dem Immunsystem hilft, sondern auch schmeckt. Selbst über die Temperatur des Wassers beim Kräuteraufguss wird gefachsimpelt und festgestellt, dass Tee kochen mindestens so schwierig ist wie Bockwurst erwärmen. Das Wasser aufzukochen, so Anke Dobbert, sei wegen möglicher Keime wichtig. Aber für viele Aufgüsse lohne es sich zu warten, bis das Wasser auf 80 Grad abgekühlt ist, oder der Anleitung auf der Packung zu folgen.

Da sich der Besuch im Heilkräutergarten erst ab Mai lohnt, soll die nächste Veranstaltung am 21. Februar in der Turmapotheke am Markt stattfinden. Ab 18.30 Uhr geht es dort um Schüßler-Salze. Besucher der ersten Veranstaltungen gaben den Apothekerinnen bereits Fragen mit: Welche Wechselwirkung bestehen zwischen Schüßlersalzen und Kräutertee?

Ideen zur Veranstaltungsreihe nehmen Apotheke und Museum entgegen. Romy Walther hofft, dass mehr Familien den Kräutergarten erkunden: „Eltern und Großeltern staunen oft, welche Duftrichtungen die Kinder bevorzugen.“ Und ein neues Schild am Zaun braucht der Garten. Es ist über die Jahre so verblasst, dass sogar der Landschaftsarchitekt, der das Grün ums zugewachsene Schloss neu plant, darüber stolperte.