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| 02:37 Uhr

Friedrichshainer Gartenanlage verwildert

Herbert Schöbels Freude auf den Frühling ist getrübt.
Herbert Schöbels Freude auf den Frühling ist getrübt. FOTO: ani
Friedrichshain. Der Friedrichshainer Herbert Schöbel freut sich auf den Frühling. Mit seiner Frau bewirtschaftet der 80-Jährige nur wenige Meter von seinem Haus entfernt einen Garten über 537 Quadratmeter im Bereich Bahnhofstraße/Goethestraße. Annett Igel-Allzeit

Auf Außenstehende wirkt es wie eine Gartensparte. Aber es sei kein Verein, erklärt Herbert Schöbel. Dass sich Nutzer für die Gärten fanden, sei in den 1970er-Jahren gewesen. Da waren die sieben "Handtücher" heiß begehrt. Doch nach der politischen Wende wurde das anders. "Der erste Garten, der brachlag, war der von Jimmy. Er ist schon vor der Wende in den Westen geflohen. Bei den anderen kamen gesundheitliche Probleme, das Alter, oder sie hatten keine Zeit mehr. Seit 2015 sind wir nur noch zwei Familien. Fünf Gärten verwildern", so Herbert Schöbel.

Aber nicht nur herüberwachsendes Unkraut und faulende Äpfel stören, auch die Kosten haben sich für die Schöbels erhöht. Verträge unter den Gartennachbarn habe es nie gegeben. Seit Jahren jedoch werden die Anschlussgebühr fürs Wasser und der Wasserverbrauch vom Wasserverband von Schöbels Konto abgezogen. "Das hatten wir damals einfach so geregelt. Ich habe immer alles aufgeschlüsselt und mir von den übrigen Gartennutzern ihre Anteile geholt. Nie gab es da Probleme." 7,61 Euro Anschlussgebühr sind es grundsätzlich im Monat, 91,32 Euro im Jahr. Dazu kommt der Wasserverbrauch: für sechs Kubikmeter im Jahr 2016 rund 10,50 Euro. Herbert Schöbel ärgert, dass sich die Anschlussgebühr nun nur noch durch zwei statt durch sieben teilen lässt. Da müsste sich das Amt Döbern-Land oder die Gemeinde kümmern, findet er. "Auch weil die wilden Gärten allmählich zum Schandfleck werden. Was wird, wenn die zweite Familie aufgibt, weil ihr die Kosten inzwischen zu hoch sind? Sie kommt aus Liebe zum Garten extra aus Weißwasser." Während Bernd Schmied, der Verbandsvorsteher des Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverbandes, zu bedenken gibt, dass es, wenn alle sieben Gärten einen eigenen Anschluss bekommen, nicht billiger für Schöbels würde, seufzt Sören Reichelt, Kämmerer in der Amtsverwaltung Döbern-Land, erst einmal tief. Aus seiner Sicht sind die Gärten nicht im Eigentum der Gemeinde. "Zu DDR-Zeiten konnten die Grundstücke nicht an die Gartennutzer verkauft werden, aber kurz nach der Wende wurde das abgewickelt. Das sehen wir zum Beispiel daran, dass Schöbels dafür eine Grundsteuer zahlen", erläutert Reichelt. Dass sie auch für ein Gartengrundstück Grundsteuern zahlen, würden manche Bürger nicht gleich sehen, weil sie auch noch ein Wohngrundstück im Ort haben und das in einer Rechnung vereint werde. Reichelt rät den Schöbels, sich mit dem Problem an den Ortsbeirat zu wenden, damit der - durchaus auch noch einmal mit der Amtsverwaltung - eine Klärung zu den Besitzverhältnissen für diese Gartengrundstücke anschieben kann. Vielleicht finden sich auch wieder Interessenten. Schöbels bauen dort ihre Kartoffeln, Bohnen, Erdbeeren, Tomaten und Gurken an. Und Spaß an den Blumen wie an der Arbeit hätten sie auch. Wie Reichelt bestätigt, gibt es in mehreren Ortsteilen Probleme mit Privatgärten. Aber das Ordnungsamt kann erst immer dann tätig werden, wenn von einem Grundstück wirklich Gefahren ausgehen.