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| 13:49 Uhr

Freispruch im Spremberger Brand-Prozess

Sieben Postautos fingen im Juni 2011 Feuer.
Sieben Postautos fingen im Juni 2011 Feuer. FOTO: T. Schirmer
Spremberg/Cottbus. Nach einem zweijährigen Gerichtsprozess um mehrere Brände in Spremberg kommt es zu einem Freispruch für den Angeklagten. Dem Cottbuser Landgericht fehlen Belege dafür, dass der 24-jährige Sebastian S. für das Anzünden zweier Postautos und einer Laube verantwortlich ist. René Wappler

Nun wird die Frage wohl offen bleiben, was genau in der Nacht zum 11. Juni 2011 passiert ist. Nur so viel steht fest: Auf dem Hof der Deutschen Post in Spremberg gerieten zwei Postautos in Brand. Das Feuer griff auf fünf weitere Autos und die Wand eines Hauses über. Knapp 20 Minuten später ging eine Laube in der Gartensparte "Ölsträucher" in Flammen auf, aus der sich ein Ehepaar gerade so retten konnte. An den Brandorten fanden die Ermittler später Molotow-Cocktails.

Die Kammer des Landgerichts konnte sich im zweijährigen Prozess nicht davon überzeugen, dass Sebastian S. der Täter ist: Das erklärt Pressesprecher Frank Merker. "Im Fall der Gartenlaube ist nicht einmal mit Sicherheit geklärt, ob es sich wirklich um Brandstiftung handelte", sagt er. "Denn der Gutachter hat festgestellt, dass sich der Brand wohl eher von innen nach außen ausbreitete." Somit lasse sich derzeit lediglich die zeitliche Nähe der beiden Brände belegen. Allerdings, dies merkt der Pressesprecher des Landgerichts an, sprächen im Fall der Postautos durchaus mehrere Indizien für eine Brandstiftung. "Wie das Feuer genau ausgelöst wurde, das konnte der Sachverständige jedoch nicht sagen." Auch die Frage, ob ein Molotow-Cocktail als Ursache gilt, bleibt ungeklärt: Nach Auffassung des Gerichts lässt sich sein Einsatz weder bestätigen noch ausschließen.

So zieht Pressesprecher Frank Merker ein Fazit, das den Spekulationen um die Brandnacht kaum ein Ende setzen wird: "Es gibt zwar Indizien, die anhand der Spuren auf den Angeklagten hinweisen, aber zugleich reicht diese Spurenlage nicht für eine Verurteilung aus."

Da Sebastian S. sieben Monate lang in Untersuchungshaft saß, kann er wohl mit einer Entschädigung rechnen - auch für seine Anwaltskosten. Das Urteil ist allerdings bislang nicht rechtskräftig: Noch kann die Staatsanwaltschaft eine Revision einlegen.

Spuren und Hinweise von Zeugen führten die Ermittler im Juni 2011 zu Sebastian S. Damals sprach der Richter von einem dringenden Tatverdacht. Auch seinen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr in Spremberg musste Sebastian S. nach dem Brand vorläufig quittieren. Der Chef des städtischen Fachbereichs für Ordnung und Sicherheit, Frank Kulik, erklärte dazu im August 2011: "Wir haben schon vor den Brandanschlägen gehandelt. Wegen anderer Vorkommnisse sind Disziplinarmaßnahmen gegen ihn eingeleitet worden."