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| 16:23 Uhr

Spremberg
Er braucht Eichelhäher und Wolf

Sebastian Freiherr von Rotenhan ist ein vehementer Vertrter des Waldumbaus.
Sebastian Freiherr von Rotenhan ist ein vehementer Vertrter des Waldumbaus. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg/Reuthen. Der Wald im Muskauer Faltenbogen wird umgebaut. Warum das wenig kostet, war Thema des Spremberger Wasser- und Naturschutztages.

Waldfotos hat Sebastian Freiherr von Rotenhan nicht mitgebracht. „Aber wenn Sie das nächste Mal im Wald sind, schauen Sie nach unten: Auf jedem Quadratmeter werden Sie eine kleine Eiche finden“, so der Unternehmer. Diese Mini-Eichen versucht der 68-Jährige zum Wachsen zu bringen. Vor 18 Jahren kaufte er den Forstbetrieb Reuthen. Wald bei Groß Kölzig und Kromlau kam dazu. Die insgesamt 2000 Hektar liegen komplett im Muskauer Faltenbogen.

Zum Spremberger Wasser- und Naturschutztag wies Sebastian Freiherr von Rotenhan nun nach, dass Gustav Büchsenschütz in der Brandenburger Nationalhymne „Steige hoch, du roter Adler“ zwei forstwirtschaftliche Fehler verewigt hat. Vier Baumarten kommen im Lied vor: uralte Eichen, dunkler Buchenhain, grünende Birken, knorrige Kiefern. Und im Refrain singen die Brandenburger voll Inbrunst von dunklen Kiefernwäldern: Monokultur für maximale Erträge, und gut durchforstet sind dunkle Wälder auch nicht.

 Die dichten Kronen der Kieferplantagen lassen kaum Licht, kaum Wasser auf den Boden. Nicht nur die DDR-Forstwirtschaft sei schuld. Der Forstmann in Brandenburg habe seit Friedrich II. keinen guten Ruf. „Der preußische Forstmann ist ein zum Zwecke der Jagdausübung von Kiefern umstandener Reserveoffizier“, zitiert Sebastian von Rotenhan seine alten Forstwirtschaftslehrer. „Aber Monokultur haben wir auch im Westen probiert. Die Fichtenbestände in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zeugen davon.“

 1978 hatte er die Leitung des Rotenhanschen land- und forstwirtschaftlichen Familienbetriebes übernommen. Von 1989 bis 2001 war er Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft. Mit Umweltverbänden, Gewerkschaften und gleichgesinnten Waldbesitzern baute er 1996 eine FSC-Arbeitsgruppe für Deutschland auf. FSC steht für Forest Stewardship Council und fördert eine umweltfreundliche, soziale und ökonomisch tragfähige Bewirtschaftung von Wäldern weltweit.

Als Landtagsabgeordneter für die CSU in Bayern half er als Franke, eine Forstreform auf den Weg zu bringen. „In Bayern gilt jetzt Wald vor Wild, in Brandenburg noch Wald und Wild“, erklärt er, „aber wenn im Straßenverkehr rechts und links statt rechts vor links gilt, gibt es viele Unfälle.“ Dass er ein striktes Bejagen der Rehe in seinen Wäldern durchsetzt, hat ihn im Muskauer Faltenbogen Kritik eingebracht. „Wenn wir 100 bis 120 Rehe pro Jahr erlegen, sind noch genug übrig. Wir machen das in Drückjagden mit Hunden, weil wir nicht genug Treiber haben“, erklärt er. Die Jagd sei schwerer. Im Unterholz, das Rotenhansche Mischwälder haben, können sich Rehe besser verstecken.

Genug kleine Eichen überleben. „Ich habe inzwischen auch Walnüsse und Kirschen im Wald. Ahorn, Erle und Esche sind da. Gepflanzt haben wir Douglasien, damit meine Erben etwas ernten können. Die Kiefer lassen wir als Schirmbaum hier und da stehen. Die natürliche Verjüngung der Kiefer klappt“, zählt von Rotenhan auf.

Das Laub neben den Nadeln beschleunige die Humusbildung am Boden. Einen Waldbrand haben es bei ihm nicht gegeben. „Wenn Sie bei dieser Hitze in einen Mischwald gehen, ist das Klima viel angenehmer, während sich reine Kiefernbestände aufheizen“, sagt von Rotenhan. Waldbrände seien wie großer Schädlingsbefall von Menschen gemacht. Kein Baum habe so viele Schädlinge wie die Kiefer. Und das „Affentheater um den Wolf“ verstehe er nicht: „Das Reh, das der Wolf frisst, muss ich nicht schießen.“