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"Frauentag ist nicht überflüssig"

Zum Start der Frauenwoche in Spremberg ist am Freitag eine neue Ausstellung in der Lounge des Mehrgenerationszentrums "Bergschlösschen" eröffnet worden. Unter dem Motto "Gewaltfrei in jeder Beziehung" werden Fotos gezeigt, die in einem Ausbildungsprojekt entstanden sind. Die Botschaft: "Wir sagen Nein zu häuslicher Gewalt!" Erika Nogai von der Freiwilligenagentur, MGZ-Leiterin Birgit Kamenz und die Gleichstellungsbeauftragte Christina Bieder (v.l.n.r.) haben die Fotos gestern angebracht.
Zum Start der Frauenwoche in Spremberg ist am Freitag eine neue Ausstellung in der Lounge des Mehrgenerationszentrums "Bergschlösschen" eröffnet worden. Unter dem Motto "Gewaltfrei in jeder Beziehung" werden Fotos gezeigt, die in einem Ausbildungsprojekt entstanden sind. Die Botschaft: "Wir sagen Nein zu häuslicher Gewalt!" Erika Nogai von der Freiwilligenagentur, MGZ-Leiterin Birgit Kamenz und die Gleichstellungsbeauftragte Christina Bieder (v.l.n.r.) haben die Fotos gestern angebracht. FOTO: Arlt/mat1
Spremberg. Während der DDR-Zeit zum Jubeltag hochstilisiert, heute von manchem auch belächelt – dennoch ist der Internationale Frauentag am 8. März in der Stadt Spremberg seit Jahren eine feste Größe im Kalender.

Warum das so ist, fragte die RUNDSCHAU bei der Gleichstellungsbeauftragten Christina Bieder nach.

Warum hat der Frauentag in Ihren Augen heute noch seine Berechtigung? Hat er sich nicht irgendwie schon überholt?
Das finde ich gar nicht. Auch wenn wir heute de facto eine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau auf dem Papier haben, gibt es viele Themenbereiche, bei denen die Chancengleichheit eben doch nicht voll gegeben ist. Deshalb gibt es weniger Frauen in Führungspositionen als Männer, Frauen haben weniger durchschnittliches Einkommen und sie müssen sich ihren Erfolg oftmals viel härter erarbeiten als Männer. Da finde ich es richtig, sich an einem speziellen Tag solcher Dinge einmal bewusst zu werden. Und schließlich lehrt die Geschichte, dass vieles, was heute normal ist, erst erkämpft werden musste.

Wie zum Beispiel das Wahlrecht für Frauen ab 1919?
Ja. Aber soweit muss man gar nicht zurückgehen. Noch bis zum Jahr 1977 konnten Frauen in der früheren BRD nur berufstätig sein, wenn der Ehemann zustimmte. Das Gleichberechtigungsgesetz wurde erst im Jahr 1958 beschlossen - zuvor konnte eine Frau beispielsweise nicht ohne ihren Mann ein Konto eröffnen. Natürlich hat sich seitdem viel geändert - aber heute gibt es neue Themen, die man an einem 8. März diskutieren muss.

Welche sind das?
Als große Herausforderung steht heute, die Wirtschaft und die ganze Gesellschaft familienfreundlich zu gestalten. In Städten wie Spremberg ist das von besonderem Gewicht, denn hier schlägt der demografische Wandel noch gnadenloser zu als anderswo. Junge Frauen, die sich für Kinder entscheiden, dürfen keinen Nachteil am Arbeitsplatz haben. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist derzeit ein großes Thema, über das auch die Betriebe stärker als je zuvor nachdenken.

In Spremberg gibt es rund um den 8. März eine ganze Frauenwoche mit vielen Veranstaltungen. Welche ist Ihr Favorit?
Die große Frauentagsveranstaltung im "Bergschlösschen" ist schon viele Jahre Tradition. Auch wenn es hier eher gesellig als kämpferisch zugeht - für die Teilnehmerinnen ist es wichtig, zusammenzukommen. Dabei wird vor und nach dem Kulturprogramm eben auch über Probleme und Politik gesprochen. Die Frauenwoche - organisiert von der Örtlichen Liga - nutzen wir zudem, um wichtige Informationen über soziale Angebote bekannt zu machen.

Mit CHRISTINA BIEDER

sprach Catrin Würz