In Wadelsdorf zampern in den geraden Jahren immer die Frauen. Das ist auch am 22. Februar 2020 wieder so. Petra Auls, Marina Popp, Simone Höck und Mandy Piater haben sich diesen Termin schon fest in ihre neuen Kalender eingetragen. Während sie in den ungeraden Jahren die Pfannen schwingen, damit die Mäner nach ihrer Tour durchs Dorf rund 80 Eier gebraten bekommen, ist das Zampern der Frauen für die Vier vielseitiger.

Gesucht und gefunden

Seit 20 Jahren sind sie unzertrennlich und treffen sich regelmäßig zu ihrem „Wadelsdorfer Weiberstammtisch“. „Wir haben uns gesucht und gefunden. Es war die Sympathie, die hier siegte. Einmal im Monat treffen wir uns und als Gastgeberinnen wechseln wir uns ab“, sagt Simone Höck, während sie von der Küche ins Wohnzimmer eilt und sich auf die Couchkante zu den Freundinnen setzt. Sie ist diesmal die Gastgeberin und muss das „perfekte Dinner“ auftafeln. Das gibt es nur im Dezember. Serviert werden diesmal Schweinelendchen, Champions, Rahmgemüse, Sauerkrautsuppe und ein Dessert aus Saure Sahne.

„Und jede wichtelt heute für jede“, sagt Mandy Piater. Noch nie sei es vorgekommen, dass etwas doppelt gekauft wurde. „Das ist schon erstaunlich“, findet sie. Mandy Piater ist keine gebürtige Wadelsdorferin. „Ich bin hier der Liebe wegen gelandet.“ Und Marina Popp kam vor 41 Jahren der Arbeit wegen in den Ort.

Von der Goldkrone zum Sekt

Begonnen haben soll die Freundschaft zwischen den vier Frauen einst bei Goldkrone, Wasser und Cola. „Nun sind wir älter geworden, es gibt jetzt Mädchengetränke wie Sekt oder Cocktails“, erzählt Simone Höck. Es ist Zeit zum Schwatzen. Richtigen Dorfklatsch gebe es manchmal. „Aber alles bleibt in den vier Wänden“, sagt Petra Auls. „Hochzeiten erlebten wir in diesen Jahren, Kinder wurden geboren und Enkel sind angekommen. Das haben wir gefeiert“, zählt Petra Auls auf, die seit 42 Jahren im Dorf lebt. Aber auch gemeinsam geweint haben sie schon.

Sich die Zeit einmal im Monat für einander zu nehmen, finden die vier Wadelsdorferinnen wichtig. Neben der Familie und dem Haushalt sind sie alle noch berufstätig – als Erzieherin, Verkäuferin, Angestellte bei der Arbeiterwohlfahrt, als Gruppenhelferin im Behindertenwerk Spremberg.

Linda aus Frankreich

Und lustige Erinnerungen teilen sie auch. Zum Beispiel an Linda. Sie saßen gerade bei Mandy Piater auf der Terrasse, als Linda, eine Französin, mit dem Fahrrad angeradelt kam. Die junge Tischlerin war für drei Jahre auf der Walz und an diesem Abend eine besondere Gesprächspartnerin in der Frauenrunde.

Wenn im Ort zu kulturellen Höhepunkten Hilfe gebraucht wird, dann sind Petra Auls, Marina Popp, Simone Höck und Mandy Piater dabei. Sie backen Kuchen, binden Girlande, helfen bei der Zampertour. „Wir fühlen uns wohl in diesem Dorf. Es ist noch eine schöne Gemeinschaft“, sagt Marina Popp. Aber sie beobachte auch, dass langsam eine neue Generation das kulturelle Leben im Ort fortführen will. „Und“, sagt sie, „das ist gut so.“