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Spremberg
Die Krankheit ist selten ein Thema

Carola Metag riss 1998 Brustkrebs aus einem quirligen Leben.
Carola Metag riss 1998 Brustkrebs aus einem quirligen Leben. FOTO: Annett Igel-Allzeit / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Spremberg. „Frauen nach Krebs“ ist eine sehr aktive Selbsthifegruppen in Spremberg. Carola Metag leitet sie. Von Annett Igel-Allzeit

 Im Spreewald sind   die „Frauen nach Krebs“ als lustige Truppe aufgefallen. „Die Bedienung der Gaststätte wollte nach unseren Späßen nicht glauben, dass uns ein Schicksalsschlag wie Krebs verbindet“, erzählt Sylvia Fischer. Carola Metag freut sich, dass das, was sie im Spreewald und jeden Monat in Spremberg für ihre „Frauen nach Krebs“ organisiert, gut ankommt. Seit 2014 leitet sie die Selbsthilfegruppe. „1998, als mich die Diagnose aus einem quirligen Leben riss, hätte ich es nicht geschafft, eine Gruppe betroffener Frauen zu leiten. Heute kann ich das.“

Um Teilnehmer musste sie nicht sehr werben. Sie arbeitet im Krankenhaus, kennt Betroffene. Da waren Sprembergerinnen, die nach der Behandlung wieder ins volle Leben zurückkehren wollten, und da waren die Burgneudorferinnen um Marlies Hipko, die sich schon austauschten. „Rund 30 Frauen sind es heute, die ich über unsere Treffen informiere“, sagt Carola Metag. Die Jüngsten sind knapp 40 Jahre jung, die Ältesten über 70, bei einigen ist die Diagnose 15 Jahre her, bei anderen zwei.

„Aber nicht alle kommen immer“, sagt Carola Metag. Um so größer ist Freude beim Wiedersehen. Lachend wird sich umarmt, nur kurz nach dem geschwollenen Arm gefragt, dann geht es um den kleinen Enkel. Denn tatsächlich sind Krankheiten und speziell der Krebs selten Thema. „Klar, reden wir über die Erfahrungen mit dieser oder jener Therapie, über die Verträglichkeit eines Medikaments. Aber tatsächlich müssen wir darüber in diesem Kreis nicht mehr viel sagen“, erklärt Marlies Hipko. Anne Krollmann (Name auf Wunsch der 47-Jährigen geändert) ist darüber froh: „Die Familie möchte, dass du einfach wieder gesund bist. Und wenn du anderswo von deiner Krankheit erzählst, sind viele damit überfordert. Hier ist das anders, hier muss ich mich nicht verstellen.“ Carola Metag kümmert sich um Referenten und Ausflugsziele zu den Treffen. So erzählte in dieser Woche Sandra Steinmann von der Robert-Koch-Apotheke eine Menge über Schüßler-Salze. Im November geht es um das Immunsystem im Winter. Ihre Weihnachtsfeier wird italienisch. Und weihnachtlich basteln wollen sie am Nikolaustag.

Dass sie als Selbsthilfegruppe zur Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfe Spremberg (KISS) gehören, hat organisatorische  und finanzielle Vorteile. Anne Wartenberg,  Sozialpädagogin im Albert-Schweitzer-Familienwerk, leitet die Kontaktstelle und hilft, Förderungen zu beantragen. Insgesamt gibt es 30 Gruppen im Bereich Döbern, Spremberg, Drebkau und Welzow. „Gerade gegründet haben wir eine Selbsthilfegruppe für Eltern mit Kindern, die Diabetes haben. Sie sind zu sechst, weitere Eltern sind sehr willkommen. Aber das ist so eine typische Gruppe, wo ein Austausch wirklich helfen kann“, sagt Anne Wartenberg. Gefragt seien die Gruppen für die Betroffenen und Angehörigen bei Sucht und psychischen Erkrankungen. Aber bei Allgemeinen Hörschäden und Tinitus, bei Multipler Sklerose und seltenen Erkrankungen wie Tremor habe sie zu wenig Interessenten. Da müsse sie vertrösten - bis sie zu sechst sind.

Die „Frauen nach Krebs“ bekommen gelegentlich Zuwachs. Niedergelassene Gynäkologen wie Karin Heinig und das Krankenhaus empfehlen Patientinnen die Gruppe. Nur die „Männer nach Krebs“ Treffen sich noch nicht. „Zwei Interessenten hätte ich dafür. Aber Männer ticken anders, wollen nicht so viel über ihren Krebs reden. Dabei sind wir weit weg von Stuhlkreisen und Kaffeerunden“, erklärt Anne Wartenberg. „Unsere Selbsthilfgruppen ziehen los und unternehmen etwas.“ Für junge Leute zwischen 19 und 31, egal welches Handikap sie haben, träumt sie vom Stammtisch „Junge Selbsthilfe“. Anne Wartenberg: „Die ganz Jungen fühlen sich in den Gruppen nicht immer wohl. Und eigentlich geht es doch nur darum, nicht allein ins Kino zu müssen.“